Kommentar Für Twitter stellt sich die Überlebensfrage

Von Daniel Gräfe 

Die Aktie von Twitter ist seit Monaten im Sinkflug. Der Kurznachrichtendienst kann die Wachstumsfantasien der Börsianer nicht mehr befriedigen Foto: dpa
Die Aktie von Twitter ist seit Monaten im Sinkflug. Der Kurznachrichtendienst kann die Wachstumsfantasien der Börsianer nicht mehr befriedigenFoto: dpa

Twitter steht vor der entscheidenden Wahl: Das Netzwerk kann Facebook kopieren oder zum Spezialdienst für die Informationshungrigen werden. Problematisch ist beides, meint Wirtschaftsredakteur Daniel Gräfe.

Stuttgart - Twitter ist in einer kritischen Phase. Vor allem den Börsianern drängt sich der Eindruck auf, dass der Kurznachrichtendienst seinen Zenit bereits erreicht hat. Der Umsatz steigt, doch die Nutzerzahlen stagnieren. Die Wachstumsfantasien von einst hat die Skepsis eingetrübt: Wann macht Twitter endlich Gewinn? Und schon wird mit dem Erfolgsbeispiel Facebook auf Twitter eingedroschen.

Doch sollte sich Twitter überhaupt mit Facebook vergleichen? Der Kurznachrichtendienst weiß nicht so viel über seine Nutzer wie Zuckerbergs Netzwerk, denn die Nutzer können sich unter Pseudonym anmelden und werden auch weniger stark in ihrem Verhalten beobachtet. Damit ist Twitter für Werbekunden weniger attraktiv.

Viel Zeit bleibt Twitter-Chef Jack Dorsey nicht

Mit der Beschränkung auf 140 Zeichen und der stärkeren Ausrichtung auf die schnelle Nachricht wird Twitter zumindest bis auf Weiteres die Wohlfühlwelt und damit Massentauglichkeit von Facebook bieten. Die nüchterne Prägnanz wiederum macht Twitter bei Politikern, Journalisten und Prominenten beliebt.

Twitter steht vor der Wahl: Facebook kopieren oder ein Echtzeitdienst für die Informationshungrigen sein? Die Entscheidung ist schwierig: Als Kopie wird Twitter nie Facebook überflügeln und als Spartenkanal die Wachstumsfantasien der Börsianer nicht befriedigen können. Vielleicht zaubert Chef Jack Dorsey noch eine dritte Lösung aus dem Hut. Viel Zeit bleibt ihm nicht.

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