Kommentar Der italienische Fußball liegt in Trümmern

Von Marko Schumacher 

Aus und vorbei: Torwart Gianluigi Buffon (links) und  Manolo Gabbiadini können es kaum fassen. Foto: AP
Aus und vorbei: Torwart Gianluigi Buffon (links) und Manolo Gabbiadini können es kaum fassen. Foto: AP

Italien qualifiziert sich nicht für die Fußballweltmeisterschaft in Russland – und das hat seine Gründe.

Stuttgart - „Der Zerfall des römischen Reiches“, stöhnte Vittorio Pozzo, der italienische Weltmeistertrainer von 1934 und 1938, „war nichts gegen den Untergang unserer Nationalelf.“ Das war bei der WM 1966, als die stolze Squadra Azzura durch ein 0:1 gegen die Hobbykicker aus Nordkorea schon in der Vorrunde scheiterte. Das entscheidende Tor hatte ein Zahnarzt erzielt. Was für eine Blamage!

Jetzt sind die Italiener an Schweden gescheitert, einem größeren Kaliber – doch liegt ihr Fußball nun erst recht in Trümmern: Zur WM haben sie es diesmal gar nicht erst geschafft. Der viermalige Weltmeister ist am Tiefpunkt angelangt und muss die Quittung für jahrelange Versäumnisse zahlen. Dass es Italien mit einer Ü-30-Mannschaft versucht hat, belegt, dass die Nachwuchsarbeit sträflich vernachlässigt und der Anschluss an die Fußball-Moderne somit verpasst wurde. Eine Neuanfang wird nötig sein.

Jenseits aller Häme, die nun folgen wird, ist es aus Fansicht durchaus bedauerlich, dass in Russland neben den Niederländern auch der zweite deutsche Erzrivale fehlen wird. Gleichzeitig verdeutlicht ihr Scheitern wieder einmal, dass eine WM-Teilnahme kein Grundgesetz ist, als das sie hierzulande gerne gesehen wird. Auch Frankreich, England, Spanien und Argentinien mussten schon zu Hause bleiben. Die (west-)deutsche Nationalelf hingegen hat bislang jede Qualifikation überstanden. Mit Verspätung darf man zum Ticket nach Russland also noch einmal herzlich gratulieren.

marko.schumacher@stzn.de

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