Klimawandel Waldenbuch wappnet sich gegen Starkregen

Von Claudia Barner 

Eva de Haas hat die Verhältnisse in Waldenbuch im Blick und berät die Gemeinde beim Starkregenrisikomanagement. Foto: Claudia Barner
Eva de Haas hat die Verhältnisse in Waldenbuch im Blick und berät die Gemeinde beim Starkregenrisikomanagement. Foto: Claudia Barner

Waldenbuch befindet sich in einer gefährlichen Lage: In einem Tal umgeben von steilen Hängen, zwei Bäche fließen durchs Stadtgebiet. Bei Starkregen oder Hochwasser sieht es düster aus. Dagegen soll nun etwas getan werden.

Waldenbuch - Im Jahr 2008 traf es das Killertal, 2010 das Gebiet der Glems, 2015 folgten Bretten und Bondorf. Nur ein Jahr später wälzten sich die Fluten durch Braunsbach. „Es gibt eine Verschiebung der Niederschläge“, stellt Eva de Haas fest. Besonders problematisch sei es, wenn innerhalb kürzester Zeit große Wassermassen herunterprasseln. Die Leiterin des Wasserwirtschaftsamts im Landkreis Böblingen begleitet Gemeinden, die sich auf Starkregen-Ereignisse vorbereiten wollen – dazu gehört die Schönbuchstadt Waldenbuch.

Extreme Wetterlagen nehmen zu – und das nicht erst seit gestern. „Wir beobachten schon seit vielen Jahren, wie sich der Klimawandel auf die Wasserwirtschaft auswirkt und reagieren auf die neuen Herausforderungen“, sagt Eva des Haas. Die Basis dafür bilden Symposien, zu denen der Klimaverbund „Kliwa“ der Länder Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz im Zweijahres-Rhythmus lädt. Ein Ergebnis dieser Treffen ist das Kommunale Starkregenrisikomanagement. Wenn die Fluten kommen, will man auf lokaler Ebene gerüstet sein.

Das klingt einfacher, als es tatsächlich ist. Denn wo sich die flüssige Fracht entlädt, lässt sich nicht vorhersagen. „Das sind lokale, punktuelle Ereignisse, die im Prinzip jede Gemeinde treffen können“, sagt die Böblinger Amtsleiterin. Die Gleichung enthält viele Unbekannte. Welchen Weg sich das Wasser sucht und welche Schäden es dabei anrichtet, ist nur bedingt berechenbar. „Anders als beim Hochwasser lassen sich die Überschwemmungen bei Starkregen nicht an einem Bach oder einem Fluss festmachen“, erklärt Eva de Haas.

Nicht mehr länger rätseln, was geschehen könnte

Auf Städte und Gemeinden kommen deshalb neue Herausforderungen zu. 2015 ist das Land Baden-Württemberg in die Förderung des Starkregenrisikomanagements eingestiegen. 2016 hat der Landkreis Böblingen das Projekt Klimafolgenanpassung gestartet. Dazu gehört auch die Unterstützung der Kommunen bei der Erstellung von Gefahrenkarten für Starkregen, Risikoanalysen und Handlungskonzepten. Noch ist die Zahl der Teilnehmer überschaubar. Leonberg hat den Anfang gemacht. Waldenbuch hat als zweite Gemeinde die Hand gehoben. Die Schönbuchstadt liegt im Tal und ist von steilen Hängen umgeben. Außerdem durchziehen mit der Aich und dem Seitenbach zwei Gewässer das Stadtgebiet, die für erhöhte Hochwassergefahr verantwortlich sind. Eva de Haas sieht das kritisch: „Waldenbuch hat eine extreme Situation. Trotz der beiden großen Regenrückhaltebecken Sulzbach und Segelbach gibt es bei Überschwemmungen nur begrenzte Reserven. Gegen ein 50-jähriges Ereignis ist man gewappnet. Gegen ein 100-jähriges hingegen nicht.“ Darüber, was passiert, wenn das System durch einen Starkregen zusätzlich belastet wird, kann man bisher nur rätseln. Das soll sich nun ändern. Sobald der Förderbescheid des Landes vorliegt, beginnt ein externes Ingenieurbüro mit der Erarbeitung der Starkregengefahrenkarte.

Eva de Haas erklärt, wie’s funktioniert: „Die Kommunen in Baden-Württemberg werden in regelmäßigen Abständen überflogen. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz erstellt daraus ein Geländemodell, das am Computer mit verschieden starken Regenereignissen abgeprüft wird.“ Die Ergebnisse der Simulation fließen in eine animierte Karte ein, die zeigt, wie hoch das Wasser steigt, in welcher Geschwindigkeit es fließt und welchen Weg es voraussichtlich nehmen wird.

Kritische Bereiche unter die Lupe nehmen

Die Analyse ist nur der erste Schritt. Liegen die Überflutungsmodelle vor, werden die kritischen Bereiche genauer unter die Lupe genommen. „Wir wissen dann, welche Gebäude und Infrastruktureinrichtungen besonders gefährdet sind und welcher Schaden im Ernstfall zu erwarten ist“, sagt die Bauingenieurin. Auf dieser Basis wird von der Gemeinde gemeinsam mit betroffenen Bürgern, Fachplanern sowie Rettungs- und Einsatzkräften ein Handlungskonzept entwickelt. „Wir hatten zum Beispiel in Leonberg den Fall, dass ein Kindergarten durch die Erhöhung einer benachbarten Straße geschützt werden konnte“, berichtet Eva de Haas.

Für Unternehmen und private Haushalte sollen die Starkregengefahrenkarten ebenfalls abrufbar sein. „Manchmal genügen bauliche Veränderungen, wie die Erhöhung eines Lichtschachts, der Einbau von Rückstauklappen oder Verwallungen“, sagt die Amtsleiterin. Doch sie weiß auch: „Gegen Starkregen gibt es keinen hundertprozentigen Schutz.“ Ein Schwachpunkt ist die Kanalisation, die auf solche Niederschlagsmengen nicht ausgerichtet ist. Das wird so bleiben. „Eine Anpassung ist nicht bezahlbar“, sagt Eva de Haas. Ob die Bürger aktiv werden oder nicht, bleibt ihnen überlassen. „Anders als bei den Hochwassergefahrenkarten gibt es bei den Starkregengefahrenkarten keinen Zwang zum Handeln“, erklärt die Leiterin des Wasserwirtschaftsamts. Sie empfiehlt jedoch: „Wer feststellt, dass sein Gebäude im möglichen Überschwemmungsgebiet liegt, sollte es nicht versäumen, mit seiner Gebäudeversicherung darüber zu reden.“

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