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Joe Bauer in der Stadt Parkraub-Manager

Joe Bauer, vom 22.02.2011 12:27 Uhr
Abzocksäule Foto: Kern
Abzocksäule Foto: Kern
Siehe auch

Mich wundert, warum die Leute die neuen Wegelagerer-Säulen im Westen so klaglos hinnehmen. Schon die Bezeichnung "Parkraum-Management", dieser dumme, modisch aufgebrezelte Begriff, müsste stutzig machen. Das Wortmonstrum verschleiert nur die staatliche Abzocke. Wie Grenzpfosten stehen die Geldeintreiber-Böcke herum und verschandeln den schönen Westen. Die geschlossene Bauweise dieses großen Stadtteils hat man einst nicht zum Abstellen von Autos erfunden, das ist wahr. Aber erst recht nicht zum Aufstellen hässlicher Abgreif-Roboter.

Ich war ein paar Tage weg, jetzt bin ich zurück und weiß immer noch nicht, wo ich in Zukunft das Auto hinstellen soll, das mir nicht gehört, aber in der Absicht vorgefahren wurde, mich zu einer umweltfreundlichen Bahnreise zu bewegen. Beim nächsten Mal werde ich die Karre anzünden, damit alle das Fanal sehen: Vom 1. März an gibt es selbst bei der Bereitschaft zur Zahlung staatlicher Erpressungsgelder keine Chance, ein fremdes Auto über mehrere Tage hinweg legal im Westen abzustellen. Oder soll ich, als wäre ich Politikeradel mit Doktortitel, einen Livrierten anstellen, damit er in meiner Abwesenheit nachzahlt, wenn die Parkzeit abgelaufen ist?

Mögen diese Zeilen egoistisch klingen. Wahr ist: Andere Leute haben noch viel größere Probleme mit dem Parkraub-Management als ich, ein Spaziergänger.

Dann war ich in Berlin und dachte: Was ist wohl schwieriger - im Stuttgarter Westen für ein paar Tage sein Auto loszuwerden oder in Berlin pro Tag fünfzig Tonnen Hundekacke wegzuschaufeln?

Scheiße, wohin man sieht.

In der Kreuzberger Manteuffelstraße, unweit des Kottbusser Ufers, gibt es die Kneipe Intertank. Dort werden alle Spiele von Borussia Dortmund übertragen (unlängst war ich auch mal im Rössle in Neukölln, wo die VfB-Spiele zu sehen sind, aber das war langweilig und die Abstiegsgefahr noch nicht so groß wie heute).

Im Intertank setzte ich mich, unter dem Blechschild mit St. Paulis Totenkopf, an den Tresen. Ich hatte, das schwöre ich, noch kein Wort gesagt, weder Grüß Gott, Leck mich am Arsch noch sonst eine schwäbische Ehrerbietung, da ging es schon los. "Die Schwaben kaufen unsere Wohnungen weg", sagte der Kerl gegenüber, während er an seinem Joint zog, "die Schwaben machen ganz Kreuzberg kaputt."

Du Idiot, sagte ich, ich bin ein Parkraub-Management-Rebell aus Stuttgart, ich unterwandere nur meine eigene Stadt, weil ich mit eurer Hundekacke sowieso nicht fertig würde. Ich komme aus dem freien Westen, wir kämpfen gegen Parkplatz- und Eisenbahn-Imperialisten, wir haben den Aufstand bis in unsere Partnerstadt Kairo getragen. Wir sind die Graswurzelhauptstadt der Weltrevolution.

Der Typ auf der anderen Tresenseite verstand rein gar nichts, womöglich auch deshalb nicht, weil ich meinen Text nicht laut vorgetragen, sondern stumm in mich hineingedacht hatte. "Die Schwaben unterwandern uns total", sagte der Kiffer, "voll krass, schlimmer als die Türken."

Normalerweise sind Fußballkneipen-Kollegen überall gute Freunde (einmal kam ich in eine Dortmunder Kneipe, wo gerade eine Horde VfB-Fans saß. Einer erkannte mich als Kickers-Mann und brüllte: "Blaue raus!" Sein Nebenmann sagte: "Beruhige dich, das ist auch nur eine arme Sau."). 

In Berlin ist der Schwabenhass ungebrochen. Völlig wurscht, ob Iren, Spanier oder der fliegende Gutmensch-Milliardär Berggruen tonnenweise Euro in Berliner Immobilien pumpen. Am Ende waren es immer die Schwaben. Sie sind die Sündenböcke von der Spree. Schwaben, so glaubt man, sprächen jedes S (wie Seife) als Sch (wie Hundewürschtl) aus. In der Zeitung finde ich Schwaben so zitiert: "Wasch macht denn der Punk da?"

In aller Freundschaft, Berliner Dorfkiffer, ich habe nie zu einem Bullen gesagt: "Wasch macht denn die Parkraum-Management-Abzapfschäule da?" Bei uns sagt man nicht "wasch". Ich sage: Am Asch die Räuber. Und jetzt ist Sluss mit luschtig.

Kommentare (12)
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MRZ
07
17:44 Uhr, geschrieben von Jeeves
Berliner Kot
Die Schwaben? Immer noch? War das nicht in den Siebzigern, als ich da wegzog, nach 20 Jahren Kindheit in Kreuzberg? Oder kommen die nun schon wieder? Aber stimmt schon: Die Hundebesitzer hier (nun in B.-Lankwitz) sind eine Plage. Sogar die willigen Besitzer von Dackeln und Schäferhunden müssen da was missverstanden haben, denn sie packen zwar säuberlich (wenn der Adjektiv in dem Zusammenhang benutzt werden darf) den Schiss ihres Lieblings in eine kleine Platiktüte, werfen die allerdings nicht in einen Mülleimer, sondern neben den nächsten Straßenbaum (von denen es in Berlin sehr viele gibt - ich muss seeeehr lange überlegen bis mir eine Straße einfällt OHNE Bäume). Also: die Huundescheiße ist hier wirklich zum Kotzen. Und auch die kleinen Hundescheißbeutel. Sogar in Berchtesgaden in den letzten Jahren: alle Berliner scheinen ihre Köter mit in den Urlaub zu nehmen und die Eingeborenen, die ja auf Ihrer Ernährer Rücksicht nehmen müssen, heften hilflos Kackverbotsschilder an ihre Gartenzäune. In Meran allerdings = da gab's das nicht. Keine Hunde. Keine Scheiße. Meran ist schön. Fragt den Don Alphonso.
FEB
27
20:42 Uhr, geschrieben von Parkplatzschützer Stuttgart West
Schluss mit der Frechheit
Es muß wohl zuerst wieder über Alle hereinbrechen, der Parkraumhorror! Vielen wird erst nach dem 10ten Strafzettel oder nach dem 100sten mal an der kostenpflichtigen Parkuhr klar, hier wird nicht, wie suggeriert etws für die Anwohner gemacht, nein ganz im Gegenteil! Es wird insgesammt viel weniger Parkplätze für Alle geben! Noch viel weniger kostenlose Parkplätze! Die Stadt füllt den Stadtsäckel wieder mal auf kosten der Bürger! Die Damen und Herren im Rathaus schlafen in ihren Amtsstuben, anstatt den Bürgern Rede und Antwort zu stehen! Eins ist sicher, die Einzigen die diesen Schwachsinn gut finden, haben entweder eine Garage, wohnen in einem anderen Stadtteil oder sind Mitglied im Gemeinderat/Amt für öffentliche Ordnung! Ich lasse mir die Frechheit auf alle Fälle nicht gefallen. Weiter massiv beschweren: Email an poststelle.32@stuttgart.de parken-west@stuttgart.de oder auf Facebook Freund von Parkplatzschützer Stuttgart West werden!!!
FEB
24
11:24 Uhr, geschrieben von joe bauer
@ Bernie
Zu Ihrer Frage, Herr Bernie, von wem ich bezahlt werde: Früher von der DDR, heute von Frau Merkel.
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