Stuttgarter Schiedsrichter zum Videobeweis „Sicherheit geht vor Schnelligkeit“

Von Jürgen Frey 

Leitet seit 2003 Spiele in der ersten Liga: Der Stuttgarter Markus Schmidt. Foto: dpa
Leitet seit 2003 Spiele in der ersten Liga: Der Stuttgarter Markus Schmidt. Foto: dpa

In vielen Sportarten ist der Videobeweis längst eingeführt. Nun zog der Fußball nach – und der Stuttgarter Unparteiische Markus Schmidt erklärt im Interview, warum die Vorteile für ihn klar überwiegen.

Stuttgart - Jahrelang wurde der Videobeweis im Fußball gefordert. Nun gab es beim Confed-Cup die viel diskutierte Premiere. „Er ist eine Hilfe, aber kein Allheilmittel“, sagt der Stuttgarter Unparteiische Markus Schmidt (43).

Herr Schmidt, wie haben Sie die Premiere des Videobeweises beim Confed-Cup erlebt?
Das war der Sprung ins wahre Leben. Man hat schon viele Vor- und Nachteile, die die Arbeit mit Videoassistententen bringt, gesehen.
Was überwiegt?
Eindeutig die Vorteile. Durch den Videoassistenten können klare Fehlentscheidungen herausgefiltert werden, das Gerechtigkeitsgefühl bei allen Beteiligten steigt.
Zumal es in der abgelaufenen Bundesligasaison laut er einer Statistik 165 krasse Fehlentscheidungen gab, die den Spielausgang entschieden haben.
Der Video-Assistent stellt zweifelsohne eine Entlastung dar. In strittigen Situationen muss sich der Unparteiische nicht nur auf seine Wahrnehmung in Echtzeit verlassen, sondern der Videoassistent liefert einen zusätzlichen, TV-gestützten Input in Zeitlupe. Für den Schiedsrichter ist das zwar eine große Hilfe, aber kein Allheilmittel.
Womit wir bei den Nachteilen wären.
Zunächst muss man unterscheiden, um welche Art einer strittigen Szene es geht. Eine Abseitsentscheidung kann zwar äußerst knapp sein, aber entweder war es Abseits oder nicht. Bei einem Foul oder Handspiel wird es schwieriger, da dem Schiedsrichter ein Interpretationsspielraum zusteht.
Beim Confed-Cup am Sonntag dauerte die Entscheidungsfindung in allen vier Fällen sehr lange und stiftete viel Verwirrung.
Bestimmt geht es künftig etwas flüssiger vonstatten, aber grundsätzlich gilt: Sicherheit vor Schnelligkeit.
Wann genau und wie oft kann denn der Videoassistent benutzt werden?
Der Videoassistent ist im Hintergrund permanent im Einsatz und checkt jede Szene. Eingriffe sind nur bei klaren Fehlern rund um Torerzielung, Strafraumsituationen, Roten Karten und Spielerverwechslungen möglich und können vom Schiedsrichter wie auch vom Assistenten initiiert werden.
Wird sich der Videobeweis durchsetzen?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja. Der politische Wille ist da. In der kommenden Saison wird der Videoassistent in allen Spieler der esten Liga eingesetzt.

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