Innenstadt im Umbruch Rasant verändert eine Stadt ihr Gesicht

Götz Schultheiß, 07.11.2012 10:30 Uhr

Stuttgart -Stuttgart, so scheint es, ist die Hauptstadt der Baustellen. Kaum eine andere Stadt in Deutschland geht mit so großen Schritten neue Wege. Wie rasant sich das Gesicht von Stuttgart verändert, zeigt ein neues Buch, über das im Internet  hitzig debattiert wird.

StuttgartEs ist der Reiz der Betrachtung von einst und jetzt, der das Buch „Stuttgart – Eine Stadt verändert ihr Gesicht“ von Uwe Bogen (Text) und Thomas Wagner (Fotos) ausmacht. Gekonnt unterstreicht der Stuttgarter-Nachrichten-Redakteur Bogen mit knappen Erklärtexten die Aussagekraft der Archivbilder und Wagners exzellenter Fotografien. Die Zeitreise reicht weit zurück.

Am 28. Januar 1841 geht es auf dem Schlossplatz zu wie heutzutage auf einem Popkonzert. Aus ganz Württemberg sind Menschen angereist, um König Wilhelm I. zu feiern. Anlass: der 60. Geburtstag des Monarchen. Eine zeitgenössische Lithografie zeigt in dem Buch das Geschehen, mit einer provisorischen Festsäule anstelle der späteren aus Stein mit der bronzenen Göttin Concordia. Es ist also anders als von vielen vermutet, keine Siegessäule, denn solche wurden in Deutschland ja eh selten gebraucht. Die Ära der Könige ist seit 1918 vorbei, und Wagners Foto zeigt die bürgerliche Nutzung des Platzes, „wo Stuttgarts Herz schlägt“.

An sonnigen Tagen wird der Rasen zur ­Liegewiese junger Leute. Viele der älteren Leser haben den oft mit Hilfe der Abrissbirne bewältigten städtebaulichen Wandel der Landeshauptstadt je nach Standpunkt entweder erleben dürfen oder erleiden müssen. An einigen Stellen der Stadt leidet nahezu jeder Betrachter: Bretterbuden und Baracken, Vereinigte Hüttenwerke genannt, prägten noch in den 70er Jahren das Areal zwischen der Hauptstätter Straße und heutigen Eberhardstraße.

„Der Wandel gehört zu einer Stadt wie zum menschlichen Leben“, schreiben Wolfgang Kraft, der Direktor des Landesmedienzentrums, und Johannes Gienger, der Leiter des Stadtmedienzentrums Stuttgart, im gemeinsamen Vorwort. Beeindruckend ist etwa der Vergleich der Besucherterrassen des Stuttgarter Flughafens. 1960 wäre es kinderleicht gewesen, über den Zaun aufs Rollfeld zu springen. An Flugzeugentführungen dachte damals keiner, als es noch genügend Öl gab. Heute gleicht die Besucherterrasse mit spitz verlaufenden Gittern einem Hochsicherheitstrakt. Thomas Wagner hat das heutige Stuttgart in beeindruckenden Perspektiven in Szene gesetzt. Das Archivmaterial stammt aus dem rund eine Million Bilddokumente umfassenden Archiv des Landesmedienzentrums. Bei Facebook gibt es dazu die Seite Stuttgart-Album mit über 20 000 Besuchern in der Woche.

Das Buch „Stuttgart – Eine Stadt verändert ihr Gesicht“ von Uwe Bogen und Thomas Wagner wird vom Stadtmedienzentrum Stuttgart herausgegeben, ist im Sutton-Verlag erschienen, Preis: 19,95 Euro.

Weitere Informationen auch auf http://www.uwe-bogen.de/fotografische-schatze/

 
 
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Kommentare (18)
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NOV
08
Manfred , 13:37 Uhr

Innenstadt im Umbruch

Seid froh , daß ihr in einer Stadt seid, wo sich was tut...wo gebaut wird. Aber dies wird sich ja ab Januar 2013 dann ändern....???? Wird dann nicht mehr gebaut? Oder gräbt sich jeder eine eigene Höhle? Kostet dann nichts, bringt auch keine Steuern. Sozialleistungen werden dann bald wegfallen....Super Zukunft! Viel Spass in Stuttgart , einer sicher untergehenden Stadt ! Aber ihr habt es ja so gewollt.

NOV
08
L. März, 10:07 Uhr

Schusters neue Stadt ist bereits Vergangenheit! Aufs falssche 'Pferd' gesetzt und nichts gedacht!

Die „!Autogerechte!!!“ Stadt ist Vergangenheit http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/06/Stadt-Mobilitaet

NOV
07
lustig, 15:37 Uhr

gerbern

es gab zwar immer die paar schreihälse21, die behaupteten in stuttgart könne nichts neues gebaut werden, aber auch da haben sie völlig unrecht. niemand bedauert den kahlschlag beiderseits der kriegsbergstrasse, beiderseits der paulinenstrasse, an der dorotheenstrasse. die zukunft der architektur ist in stuttgart schon längst eingezogen - gerbern - einfach alle 40 jahre alles plätten. und die ganzen denkmäler? stiftskirche? lächerlich, schon mal reingeschaut? neues schloss? nachkriegsneubau, rathaus? wilhelmspalais? vielleicht kommt mal eine generation die etwas mehr - sprich überhaupt - kultur hat und baut die alten dinge wieder auf. in polen, tschechien, hessen gehts ja auch.

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