In der Region Jagd nach dem Auto-Brandstifter

Wolf-Dieter Obst, 20.11.2012 09:35 Uhr
Immer öfter werden Autos in Brand gesetzt. Eine Serie dürfte auf einen unbekannten Luxuswagen-Hasser zurückzuführen sein. In einem anderen Fall war es die Rache eines gewalttätigen Pärchens an einem Autofahrer.

Böblingen/Ludwigsburg - Der Opel ­Signum ist nicht mehr zu retten. Der 35-jährige Besitzer hatte den Wagen in der Nacht zum Sonntag vor seinem Haus im Schützenweg in Böblingen-Dagersheim abgestellt, wenig später ging er in Flammen auf. 3500 Euro Totalschaden. Wieder mal das Werk eines Brandstifters, der diesmal eine Plastikflasche mit Spiritus mit einer Lunte versehen und angezündet hatte. Der Böblinger Fall gehört nicht nur zu einer Reihe von immer häufiger begangenen Brandstiftungen an Autos in der Region Stuttgart. Er ist auch Beispiel für eine zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr.

Im Gegensatz zu den Brandstiftungen, die derzeit die Besitzer hochwertiger Fahrzeuge im Landkreis Ludwigsburg in Atem halten, konnte der Anschlag in Dagersheim von der Polizei schnell geklärt werden – dank aufmerksamer Zeugen und einem Abschlepperfahrer. Alle zusammen brachten die Ermittler auf die Spur eines weißen Audi, der in Tatortnähe aufgefallen war. Der Abschlepper, der das ausgebrannte Wrack zur Polizei zur Polizeidirektion Böblingen transportiere, konnte der Polizei sogar das Kennzeichen nennen. Er war auf der Fahrt von den Insassen des weißen Audi verfolgt worden.

Die Ermittlungen führten zu einem ­Pärchen in Gärtringen. Zur 24-jährigen Audi-Besitzerin, die dort mit ihrem 22-jährigen Lebensgefährten wohnt. Die beiden verstrickten sich so lange in Widersprüche, bis sie ein Geständnis ablegten. Sie hatten sich an dem 35-Jährigen rächen wollen, nachdem sie mit ihm zuvor auf der Fahrt von Sindelfingen nach Böblingen aneinandergeraten waren. Man hatte sich am Überholen gehindert und dann auf offener Straße gestritten. Für den 35-jährigen Opel-Fahrer war der Fall dann erledigt – nicht aber für das ­Pärchen, das den Widersacher verfolgte.

Die beiden sind bei der Polizei keine ­Unbekannten. Die 24-Jährige ist mehrfach wegen Körperverletzungsdelikten anhängig gewesen. Der 22-Jährige war wegen Nötigung im Straßenverkehr, Verstößen gegen das Waffengesetz und Diebstählen aufgefallen. Warum sie aus Rache gleich Feuer legten, ist unklar. Dass sie überdies eine Flasche Spiritus griffbereit hatten, macht die Polizei stutzig. „Wir ermitteln natürlich, ob die beiden noch für weitere Straftaten infrage kommen könnten“, sagt der Böblinger ­Polizeisprecher Frank Natterer. Dass sie ­womöglich mit Brandstiftungen in Gärtringen Ende September und Ende Oktober zu tun haben könnten, mochte Natterer nicht bestätigen. Dort war unter anderem ein Ford Focus in Brand gesteckt worden.

Vermutlich Grillanzünder verwendet

Gleichwohl ist die Böblinger Polizei mit ihren Erkenntnissen weiter als Ermittler im Landkreis Ludwigsburg. Dort gibt es seit Oktober eine Brandserie, bei der hochwertige Fahrzeuge abgefackelt werden. Autos stehen in Flammen – fast wie Trophäen: Tatort war am frühen Sonntagmorgen Kornwestheim. Und wieder entkam der Unbekannte. 150.000 Euro Schaden entstand vor einer Lagerhalle beim Rangierbahnhof, als ein neuer Porsche gegen 4.30 Uhr in Flammen aufging und ein weiterer Sportwagen durch Hitzeeinwirkung beschädigt wurde. Die Fahrzeuge ­standen auf dem Freigelände, die Halle mit Dutzenden Neufahrzeugen wird von Sicherheitsleuten bewacht.

Etwa 20 Minuten später brannte es in der Friedenstraße auf dem Gelände einer Autowerkstatt, die Gebrauchtfahrzeuge renoviert. Dabei gingen vier Fahrzeuge in Flammen auf, drei weitere wurden beschädigt. Bei den betroffenen Autos handelte es sich um zwei Audi, einen VW Golf und einen VW Passat. Der Schaden wird auf mindestens 80.000 Euro geschätzt. „Vieles spricht dafür, dass diese jüngsten Brände mit der Serie in Tamm, Bietigheim-Bissingen und Asperg zu tun ­haben“, sagt der Ludwigsburger Polizei­sprecher Peter Widenhorn.

Vermutet wird, dass der oder die Unbekannten Grillanzünder verwendet haben – allerdings konnte bisher die Art des Brandbeschleunigers „nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden“, so Widenhorn. Die Motive des Brandstifters seien unklar. Die Ermittler vermuten, dass der oder die Unbekannten es generell auf hochwertige Fahrzeuge abgesehen haben – der Hass richtet sich aber nicht gegen eine spezielle Automarke.

Ob die relative Nähe zu Autobahnen und Bundesstraßen den Tatort bestimmt, darüber kann die Polizei bisher nur spekulieren. Der Blick richtet sich jedenfalls über die Landkreisgrenzen hinweg bis in den Großraum Karlsruhe. Auch dort brennen hochwertige Fahrzeuge vor Autohäusern. In Bretten ging ein Pkw im Wert von mehr als 100.000 Euro in Flammen auf. In Bruchsal traf es zwei Autos der gehobenen Preisklasse, wobei 150 000 Euro Schaden entstand. Später brannten auf dem Gelände eines Autohauses gleich 30 Fahrzeuge samt Werkstatt. Schaden: drei Millionen Euro.

 
 
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