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Hygiene im Supermarkt Finger weg vom Handschuh

Angela Stoll, vom 20.02.2012 08:00 Uhr
  Foto: ddp
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Ingolstadt - Nicht nur beim Zahnarzt, auch bei vielen Bäckern und Metzgern trägt das Personal sie konsequent: die dünnen, weißen Handschuhe. „Der Gebrauch nimmt stark zu“, bestätigt Wolfgang Lutz von der Geschäftsleitung des Deutschen Fleischer-Verbands. Die Betriebe wollten damit die Kunden zufriedenstellen: „Kunden lieben die Handschuhe. Sie verbinden sie mit ­Rein­lichkeit, wie sie sie vom Arzt ­kennen.“

Doch die Kunden irren sich: Die Handschuhe sehen sauber aus, mehr aber auch nicht. „Das Tragen von Einmalhandschuhen bei Tätigkeiten an Frischetheken bietet keinen hygienischen Vorteil“, ­lautet das ernüchternde Fazit eines ­Forschungsprojekts des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA).

Ob ein Verkäufer beim Hantieren mit Wurst oder Käse Handschuhe trägt, spielt den Untersuchungen zufolge keine Rolle: Nach fünf Minuten finden sich an Händen, Handschuhen und Geräten etwa gleich viele Bakterien. „Nur wenn man die Handschuhe bei jedem Kunden wechselt und jeden Tag eine frische Packung anbricht, sind sie hygienisch“, sagt Studienleiterin Annette Kolk.

Hygienischer wären Handschuhe nur, wenn der Verkäufer sie ständig wechselt

Auch Alexander Friedrich, Professor für Mikrobiologie an der Universität Groningen in den Niederlanden sagt: „Wenn man sie nicht richtig anwendet, ist es sogar ­ge­fährlicher, Einmalhandschuhe zu tragen als sie wegzulassen.“ Denn eigentlich müsste ein Verkäufer bei jedem Kontakt mit Fleisch frische Handschuhe anziehen und sie sofort wieder wechseln. „Das schafft er nicht“, sagt Friedrich. In der falschen Annahme, durch die Handschuhe genug zur Sauberkeit ­beizutragen, läuft ein Verkäufer Gefahr, bei der Hygiene nachlässig zu werden.

Deshalb betont Lutz vom Fleischer-Verband: „Saubere Hände sind besser als ­Handschuhe.“ Da außerdem die Haut in dem Kunststoff nicht atmen könne und deshalb leide, empfehle der Verband, „die Finger von den Handschuhen zu lassen“.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält nicht viel von der Handschuhmode: „Verkäufer sollten besser darauf ­ach­ten, die Ware nicht direkt anzufassen, sondern Gabeln oder Zangen benutzen“, sagt BfR-Sprecher Jürgen Thier-Kundke. Andernfalls könnten Keime etwa vom Käse auf den Schinken übertragen ­werden: „So eine Verunreinigung braucht nicht gesundheitsgefährdend zu sein. Aber sie kann sich negativ auf die Haltbarkeit der Ware auswirken.“

Kaum ein Kunde wird wegen schlechter Supermarkt-Hygiene krank

Das Risiko für den Kunden, wegen schlechter Hygiene im Supermarkt ­tat­sächlich krank zu werden, sei „sehr ­gering“, sagt Peggy Braun, Professorin für Lebensmittelhygiene an der Veterinärmedizinischen ­Fakultät der Universität Leipzig. Die ­meisten Keime, die über Lebensmittelgeschäfte verbreitet werden, sind für den ­Menschen ­unbedenklich oder werden beim Kochen zerstört.

Kommentare (2)
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FEB
20
14:44 Uhr, geschrieben von Lukas
Geld und Lebensmittel gehören getrennt
Ja eben! Was bringt der tolle Handschuh wenn die Verkäuferin dann mit dem selbigen abkassiert? Gar nix!
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FEB
20
09:19 Uhr, geschrieben von Kai-Uwe Bevc
Nebenschauplatz
Handschuhe sind doch nur ein Nebenschauplatz. Solage ich immer wieder beobachten muss, dass eingetrockneter und angeranzter Aufschnitt einfach nur umgdeht wird, kauf ich da eh nix offen. Da wirds einem ja beim Zuschauen schon schlecht. - Die Haltbarkeit der Supermarktware ist auch dementsprechend unterirdisch - oft muffelt die Wurst schon nach einem Tag, während die vom Metzger tagelang durchhält.
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