Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

Hotel Silber "Ohne Täterorte kein Opfergedenken"

Jürgen Lessat, vom 19.07.2010 13:55 Uhr
  Foto: Piechowski
Foto: Piechowski

Stuttgart - Geballter Sachverstand, rege Bürgerbeteiligung, leidenschaftliche Appelle: Die Anhörung zur einstigen Gestapo-Zentrale endete am Samstag mit widersprüchlichen Empfehlungen der Experten. Im Publikum forderten die meisten den Erhalt des Hotels Silber, das einem Einkaufs- und Bürokomplex weichen soll.

Nach sieben Stunden Vorträgen stand vielen der 300 Teilnehmer die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Eine klare Aussage, wie es mit dem Hotel Silber in der Dorotheenstraße 10 weitergehen soll, konnten die Befürworter einer Gedenk- und Erinnerungsstätte in der einstigen Zentrale der Geheimen Staatspolizei vom Anhörungsmarathon nicht mit nach Hause nehmen. Wie berichtet, planen Land und das Unternehmen Breuninger an seiner Stelle einen Ministeriums- und Dienstleistungsneubau. Nur auf einer Teilfläche des künftigen Quartiers am Karlsplatz soll es Erinnerung an Nazi-Verbrechen geben.

Position der Stadtverwaltung. Stuttgart besitze bereits zahlreiche Gedenk- und Erinnerungsstätten, unterstrich OB Wolfgang Schuster. Dennoch wollten Rathausspitze und Gemeinderat ausführlich über das Hotel Silber diskutieren. "Wir wollen die Erfahrung anderer Städte nutzen", begründete er die Einladung angesehener Historiker. Zugleich betonte Schuster den begrenzten Einfluss der Stadt: "Wir sind weder Eigentümer noch Bauherr, wir haben nur das Planungsrecht beim Quartier."

Unterschiedliche Expertenmeinungen. Für Konrad Pflug, Gedenkstättenreferent der Landeszentrale für politische Bildung, ist das Hotel zwar ein verbürgter historischer Ort. "Seine Authentizität erschließt sich aber nicht ohne weiteres, weil es mehrfach umgebaut und verändert wurde." Menschliches Geschichtsbewusstsein lasse sich durch authentische Orte besser ansprechen als durch Replikationen in neu gestalteten Museumslandschaften, meinte Micha Brumlik.

Kommentare (4)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
AUG
10
10:24 Uhr, geschrieben von Theo Fischer
Hotel Silber
Das Hotel Silber ist in der heutigen zeit so gut wie nicht veankert. Warum auch?. Es ist unterirdisch kein Mensch sieht es. Der oberirdische Teil ist nicht mehr vorhanden. Also warum nicht die Säulen aus Bad Canstadt nehmen diese in die Fassade integrieren und wir haben ein sehr sehr gute Gedenkstätte genau im Herzen von Stuttgart. Dort wo jetzt die Säulen sind werden sie eh nicht wahrgenommen. In Mitten von Stuttgart ist die viel besser. Gruß Theo Fischer
JUL
23
11:49 Uhr, geschrieben von Stuttgarter Bürger
Bitte keine Legenden!
@Helmut Schalk: (...)denn das schöne Hotel Silber wurde im zweiten Weltkrieg durch Bomben völlig zerstört und nach dem Krieg im jetzigen Zustand wieder aufgebaut." Diese Ihre Aussage ist nachweislich falsch! Von "völliger Zerstörung" kann keine Rede sein. Rund 70 % des Gebäudes sind erhalten. Richtig ist: das Gebäude wurde, wie dies nach dem Krieg leider oft geschah, seiner Verzierungen beraubt und vereinfacht wiederhergestelllt. Bitte keine Legenden in die Welt setzen!
JUL
20
10:16 Uhr, geschrieben von Helmut Schalk
Übertriebene Historie?
Wer das Altehrwürdige Gebäude des Hotel-Siber noch gekannt hatte und ich habe es noch gekannt, der erinnert sich an diesen wirklich prächtigen Türmchen beladenen Sandsteinbau. Dass dort einmal die Gestapo ihre grausamen Verhöre durchgeführt hatte, erinnert an diesem jetzigen Gebäude nichts mehr, denn das schöne Hotel Silber wurde im zweiten Weltkrieg durch Bomben völlig zerstört und nach dem Krieg im jetzigen Zustand wieder aufgebaut. Grausame Historie muss man an diesem Gebäude nicht sehen und auch noch pflegen.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  2
nächste


Zwei Millionen Euro für bessere Kita-Bildung
Eine Studie bescheinigt Stuttgarts Einrichtungen wenig Exzellenz und viel Mittelmaß.
Aktion Stadtwerke widerspricht Gutachten
Bürgerbegehren zur Energie- und Wasserversorgung zulässig? Gemeinderat soll am Donnerstag entscheiden.

 

Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
22:01   Lafontaine verzichtet auf Kandidatur für Parteivorsitz
21:50   Amokalarm an Schule: 14-Jähriger auf Sportplatz festgenommen
20:55   US-Passagiermaschine wegen Bombenverdachts umgeleitet
20:47   Nach Amokalarm an Schule - Schütze auf Sportplatz festgenommen
20:27   Schütze von Memminger Schule gefasst
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Prospekte

Interaktiv
  • Umfrage
VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen

Der Vertrag von Arthur Boka beim VfB läuft aus und Bobic/Labbadia überlegen nun doch, den Linksverteidiger zu behalten. Soll Boka weiter für den VfB spielen?

 
Ja sicher, Boka hat sich einen neuen Vertrag beim VfB verdient
Nein. Boka hatte so viele Chancen, ist aber einfach nicht gut genug
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise