Herrenberg: Stadträtinnen greifen Verwaltung an Kritik an der Kita-Betreuung

Von Günter Scheinpflug 

Der Bedarf an Ganztagsbetreuung wird in den Ortsteilen nicht gedeckt. 
Foto:factum/Granville Foto:  
Der Bedarf an Ganztagsbetreuung wird in den Ortsteilen nicht gedeckt. Foto:factum/Granville

Stadträte monieren das fehlende Konzept für Ganztagsangebote in den sieben Ortsteilen. Die Verwaltungsspitze verweist auf finanzielle Probleme im Haushalt.

Herrenberg - Eine heftige Auseinandersetzung gab es am Montag in der Verwaltungsausschusssitzung des Herrenberger Gemeinderats um die Kinderbetreuung, die viele Kommunalpolitiker für unzureichend halten. In den meisten der sieben Teilorte fehlt es für die Ganztagesbetreuung in den Kindergärten an Ruheräumen und Küchen. Deshalb müssen Eltern, die Vollzeitjobs haben, ihren

Nachwuchs in die Einrichtungen der Kernstadt bringen. Die Stadt wollte schon längst Abhilfe schaffen und im vergangenen Herbst ein Konzept vorlegen. „Das, was Sie uns nun im Februar geliefert haben, ist nicht das, was wir wollten“, erklärte die Stadträtin Annegret Stötzer-Rapp (Grüne). In der präsentierten Drucksache vermisse sie ein Handlungskonzept. Stattdessen werde lediglich der Status quo dargestellt. Der genaue Bedarf an Plätzen werde jedoch in keiner Weise erhoben. Die Verwaltungsspitze brachte das in Erklärungsnot. Der Jugendamtsleiter Johannes Roller bekannte: „Wir haben das aus finanziellen Gründen zurückgestellt.“

Der Grund ist ein Loch in der Haushaltskasse. Weil die Firma IBM als Gewerbesteuerzahler wegfällt, fließen in diesem Jahr 1,5 Millionen Euro weniger. Zudem sind insgesamt zwei Millionen Euro höhere Personalkosten errechnet worden, gleichzeitig erwartet die Stadtverwaltung weniger Zuschüsse aus dem Topf des kommunalen Finanzausgleichs. Unter dem Strich ergibt sich im Etatansatz für dieses Jahr ein Defizit von vier Millionen Euro. Um den Haushalt ausgleichen zu können, sollen überall die Gebühren erhöht werden.

Kita-Gebühren sollen um zehn Prozent steigen

Für die Kitas sind zehn Prozent mehr geplant, die Stadt möchte jährlich 150 000 Euro zusätzlich einnehmen. Das Plus decke jedoch nur gut ein Drittel der zu erwartenden Tariferhöhungen von 2,5 Prozent, sagte Roller. Er rechtfertigte den Vorstoß auch damit, dass man mit der Erhöhung der Elternbeiträge auf einen Kostendeckungsgrad von wenigstens 15 bis 16 Prozent komme. Gleichzeitig werde das Personaltableau aber um acht auf 189 Vollzeitstellen erhöht. Die Personalkosten steigen auf mehr als zehn Millionen Euro. Die Grünen waren damit jedoch nicht zufrieden. Sie plädierten dafür, mit einer fünfprozentigen Gebührenerhöhung auszukommen und wollen Vorschläge liefern, wie das Geld an anderer Stelle hereingeholt werden kann.

Dabei werden die Kita-Kosten weiter steigen, weil Herrenberg künftig 200 Plätze mehr benötigt. Derzeit werden insgesamt 979 Kinder in den städtischen Horten betreut. Lediglich 258 genießen eine Ganztagesbetreuung. Für Brigitte Binder-Kirn (Frauenliste) ist das Angebot eindeutig zu dürftig. Auch für die älteren Kinder. „Immer mehr Eltern aus den Teilorten schicken ihren Nachwuchs an Schulen außerhalb Herrenbergs, weil sie dort ganztags unterkommen“, stellte sie fest. Das bedeute langfristig, dass die eine oder andere Grundschule eines Tages geschlossen werden müsse, weil sie zu wenig Schüler habe.

Eltern bringen ihre Kinder in die Kernstadt

In Gültstein zum Beispiel seien 50 schulpflichtige Kinder zur Kernzeitbetreuung von 7.30 Uhr bis 8.30 Uhr und von 12 Uhr bis 14 Uhr angemeldet. Für viele Eltern sei das eine Notlösung, Sie könnten nur halbtags einer Beschäftigung nachgehen. Und für Alleinerziehende sei dies zumeist erst recht keine Lösung. Zwölf Gültsteiner Kinder von insgesamt 44 aus den Stadtteilen besuchten deshalb eine Schule in der Kernstadt. Weil es in Gültstein wie andernorts kein Ganztagesangebot gebe, gingen auch neun Kinder in einen Hort in die Kernstadt. Dabei sei in Gültstein bis in zwei Jahren von einer höheren Nachfrage auszugehen, erklärte der Ortsvorsteher Gerhard Kauffeldt. „In unserem neuen Wohngebiet erwarten wir 150 weitere Familien."

„So geht das nicht“, kritisierte Stötzer-Rapp das fehlende Handlungskonzept für die sieben Teilorte, wo es überall Betreuungsbedarf gebe. Der Oberbürgermeister Thomas Sprißler versprach, im Frühjahr ein neues Papier vorzulegen.

Lesen Sie jetzt