Hans Peter Stihl wird 80 Ex-Stihl-Chef droht mit Abwanderung

Von Klaus Köster 

 Foto: PPFotodesign.com
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Hans Peter Stihl droht mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen, sollte sich Politik im Land nicht ändern.

Waiblingen - Kommende Woche wird Hans Peter Stihl, ehemaliger Chef des gleichnamigen Kettensägenherstellers und Ex-Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstags, 80 Jahre alt. Im Interview verrät er, wieso Sparen für ihn eine Schlüsseltugend ist, und wieso er mit Grün-Rot nicht so recht warm wird.


Herr Stihl, Sie waren über viele Jahre als Unternehmer und Arbeitgebervertreter bekannt, der vehement für Reformen wirbt. Ist der Südwesten mit seiner neuen Landesregierung auf einem guten Weg?
Ich habe mir zwar noch keine abschließende Meinung gebildet, bin aber schon skeptisch, vor allem was die grüne Seite der Regierung betrifft. Bisher habe ich den Eindruck, dass Verkehrsminister Winfried Hermann nicht allzu viel von den Bedürfnissen des Landes versteht.

Kritisieren Sie seinen Einsatz gegen Stuttgart 21?
Diese Auseinandersetzung ist ja nun entschieden, deshalb scheint er sich jetzt dem Herzensanliegen der grünen Partei zu widmen, den Verkehr so stark wie möglich zu behindern. Der Verkehr wird dadurch aber nicht sicherer, sondern nur langsamer. Das wird dem Land auf Dauer schaden. Wir müssen uns jetzt mit der neuen Situation arrangieren. Wenn die Regierung unsere Belange allzu stark missachtet, müssen wir eben mitsamt den Arbeitsplätzen woanders hingehen.

Für die Wirtschaftspolitik ist Superminister Nils Schmid zuständig, und der kommt von der SPD.
Ich habe mit ihm schon mehrfach gesprochen und den Eindruck gewonnen, dass er vernünftige Ansichten hat. Aber er ist in die Kabinettsdisziplin eingebunden und kann eine vernünftige Politik nicht im Alleingang durchsetzen.

Anders als im Land regiert im Bund die Parteienkonstellation, die die Wirtschaft sich immer gewünscht hatte: Schwarz-Gelb. Aber auch diese Koalition stößt bei vielen Firmen nicht gerade auf Begeisterung.
Die Wähler wollen eine Regierung, die ihren Auftrag erfüllt - und nicht eine, die sich durch interne Streitigkeiten profiliert. Die FDP hat enorme Probleme, als Partei verstanden zu werden, die den Gedanken der Marktwirtschaft hochhält; und die CSU sieht ihre Rolle vor allem darin, die Arbeit der Koalition zu stören. Gemessen daran, macht Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Aufgabe gut und mit einem erstaunlichen Durchhaltevermögen. Man sollte nicht vergessen, dass Deutschland wirtschaftlich sehr gut dasteht und in Europa inzwischen als Stabilitätsanker gilt. Nur eines stört mich an ihrer Politik massiv.

Und das wäre?
Dass sich die hervorragende wirtschaftliche Lage nicht im Staatshaushalt niederschlägt. Sobald ein Licht am Horizont aufscheint, denkt keiner mehr ans Sparen, sondern nur noch an neue Ausgaben. Da macht diese Regierung keine Ausnahme, und das kritisiere ich in aller Härte. Die vorzügliche wirtschaftliche Situation sollte stattdessen dazu führen, dass wir spätestens im kommenden Jahr einen schuldenfreien Haushalt hinbekommen. Etwas mehr Ehrgeiz in der Haushaltspolitik kann dieser Regierung nicht schaden.

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