Allianz-Ansiedlung in Stuttgart-Vaihingen Stadträte geben grünes Licht

Von Josef Schunder 

Der Unmut im Stadtbezirk Vaihingen wegen des Allianz-Projektes ist groß, doch die Stuttgarter Stadträte haben jetzt den Weg für den Architektenwettbewerb frei gemacht. Foto: Alexandra Kratz
Der Unmut im Stadtbezirk Vaihingen wegen des Allianz-Projektes ist groß, doch die Stuttgarter Stadträte haben jetzt den Weg für den Architektenwettbewerb frei gemacht. Foto: Alexandra Kratz

Der Entwurf der Wettbewerbsauslobung für die umstrittenen Allianz-Bauten in Stuttgart-Vaihingen ist auf umweltfreundlicher getrimmt worden. Das hat dem zuständigen Gemeinderatsausschuss die Zustimmung erleichtert. Der Bezirksbeirat bleibt auf Gegenkurs.

Stuttgart - Die Allianz-Versicherungen haben grünes Licht, um Planungsideen für Büroneubauten in Stuttgart-Vaihingen einzuholen. Dabei sollen die Architekten, die an dem geplanten Wettbewerb teilnehmen werden, nun aber doch eine 50 Meter breite Grünschneise an der Südgrenze des Areals einplanen und überdies eine große Eiche auf dem Baugelände erhalten. Um dennoch die geforderten Flächen zu erreichen, dürfen sie ein Gebäude an der Liebknechtstraße nun aber bis zu 67 Meter hoch planen.

Diese Korrekturen hatten die Stadtverwaltung und die Allianz in letzter Minute angepeilt, nachdem die Kritik im Stadtbezirk und im städtischen Umwelt- und Technik-Ausschuss an den Folgen der Baupläne für den Baumbestand und die Frischluftschneisen teilweise heftig gewesen war. Unter den neuen Vorzeichnen stimmte der Ausschuss am Dienstag der Auslobung des Wettbewerbs zu. Dabei setzte er sich – bei zwei Gegenstimmen von SÖS/Linke sowie einer Enthaltung des Stadtisten – über die Bedenken des Bezirksbeirats hinweg. Der hatte am Abend zuvor den Wettbewerb und das Bauvorhaben komplett abgelehnt: Man solle ein Grundstück suchen, das unter sozialen und stadtklimatischen Aspekten verträglich sei; eine Haltung, die Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt zu weit ging. Eine schweigende Mehrheit in Vaihingen sehe durchaus die Notwendigkeit, Arbeitsplätze in Stuttgart zu sichern, meint er.

Grüne sehen sich mit heftiger Kritik konfrontiert

Nicht im Grundsatz, aber wegen der Umweltfolgen hatte im Ausschuss besonders die SPD Bedenken. Jetzt lobte auch ihr Stadtrat Hans H. Pfeifer die Verwaltung für die Korrektur gemeinsam mit der Allianz. Er erkenne aber schon, sagte Pfeifer, dass die 50 Meter als planerisches Ziel formuliert würden, die Realisierung nicht garantiert sei. Insofern unterstütze man die Auslobung mit Vorbehalt. Man müsse die Ergebnisse abwarten. Ob die Schneise dann statt 40 Meter 45 oder 49 Meter breit sein könne, sei nicht unerheblich. Dass ein Teil des Gebäudekomplexes neuerdings 67 Meter hoch werden darf, versah er auch mit einem Fragezeichen. Doch Bürgermeister Peter Pätzold (Grüne) sagte, städtebaulich habe man sich an diesem Eingang zum Gewerbegebiet so eine Landmarke immer vorstellen können. Nun habe man in der Abwägung zwischen Bauprogramm, Gebäudehöhen und Schutz des Kleinklimas dieser Variante den Vorzug gegeben.

Froh über die Kurskorrektur zeigte sich auch Beate Schiener von den Grünen, denen ihr Kurs heftige Vorwürfe eingebracht hatte. Sie seien „keine Klimaschutzkiller“, betonte Schiener. Die Entscheidung falle nach dem Wettbewerb und liege in der Hand der Stadträte. Luigi Pantisano (SÖS) blieb seinem Verweigerungskurs bei diesem Projekt treu. Allianz würde die 4000 Arbeitsplätze, die momentan noch im Talkessel sind, keinesfalls aus Stuttgart wegverlagern, wenn der Bau neuer Büros in Vaihingen verweigert würde, behauptete er. Die Stadt habe durch das Bauvorhaben „zu 99 Prozent Nachteile“.

Der Wettbewerb soll vor den Sommerferien entschieden werden. Am 19. September will die Verwaltung dem Gemeinderat über das Ergebnis berichten und dabei eine Simulation der klimatischen Folgen vorlegen. Am 10. Oktober soll konkret entschieden werden, ob man die Realisierung zulässt.

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