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Florist und Künstler Rote Rosen im Höhenrausch

Von Claudia Bell 

Heinz Schick neben einer seiner Skulpturen Foto: Gerhard Brien
Heinz Schick neben einer seiner SkulpturenFoto: Gerhard Brien

Die Wiedereröffnung des Fernsehturms war für Heinz Schick ein besonderes Fest. Hat der Gärtner, Florist und Künstler aus Fellbach doch seine Meisterarbeit zum Floristen 1958 der Dekoration des Turmrestaurants gewidmet.

Fellbach/Stuttgart - Das Buch hat einen grau-grünen Einband, die Schrift stammt aus einer alten Schreibmaschine: die Meisterarbeit des Fellbacher Gärtners, Floristen und Künstlers Heinz Schick aus dem Jahr 1958. Anlässlich der Wiedereröffnung des Fernsehturms hat er das Buch wieder herausgezogen.

Denn der heute 82-Jährige hatte sich für seine theoretische Meisterprüfung zum Floristen das Thema ausgedacht: „Dekoration des Fernsehturm-Höhenrestaurants anlässlich des Kameradschaftsabends des Stuttgarter ADAC“. Eine fiktive Feier sollte dort oben in schwindelerregender Höhe mit Pflanzen gestaltet werden. Der damals 25 Jahre alte Heinz Schick nahm sich dafür viele Wochen Zeit. Akribisch werden in der Arbeit die Raum- und Lichtverhältnisse auseinandergenommen und dargestellt, filigran und detailgenau wird die ausgedachte Dekoration mit Tusche in den entsprechenden Farben zeichnerisch umgesetzt. „Ach wissen Sie, wenn man als junger Geselle in so einem kleinen Zimmerchen wohnt und eh kein Geld hat – was soll man denn dann anderes machen als eine gute Arbeit herzustellen?“, erzählt der Senior und schmunzelt.

Jeden Zentimeter des wachsenden Fernsehturms mitverfolgt

Also überlegte und plante er, damals, in seinem Zimmerchen in Friesdorf nahe Bonn. Weil man in den nicht ganz einfachen Lichtverhältnissen oben im Turm nicht jede Pflanze oder Blume einsetzen könne, spielte zunächst die Farbwahl eine wichtige Rolle. „Ich werde hauptsächlich Farben um den mittleren Helligkeitswert verwenden“, schreibt Schick in seiner Arbeit.

Immerhin treffe die Wirkung der Farbe die Seele des Menschen und beeinflusse damit auch sein Gemüt, weshalb „bei Fest- beziehungsweise Blumenschmuck die Wechselwirkung auf Auge und Gemüt berücksichtigt werden“ müsse. Welche Blumenart er damals wählte? „Natürlich Rosen!“, sagt er. Schließlich fand die fiktive Feier damals im „rosenreichsten Monat“ Juni statt.

Im unteren Teil des Restaurants sollten goldgelbe Rosen den Kontrast zum blauen Teppichboden bilden, während im oberen Teil mit leuchtend roten Polyantharosen gearbeitet werden sollte. Denkt Schick heute über seine Planungen nach, schüttelt er den Kopf. „Heute wäre so etwas undenkbar, bei meinen geplanten Blumengebinden am Treppengeländer würde die Security Purzelbäume schlagen“, sagt er. Weshalb er damals ausgerechnet den Fernsehturm für seine Meisterarbeit ausgesucht habe? „Ich bin als Junggärtner in Sonnenberg jeden Tag zwei Mal am wachsenden Turm vorbeigelaufen und habe jeden Zentimeter mitverfolgt. Ein anderes Gebäude kam für mich gar nicht infrage!“

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