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Fliegerbombe Stuttgart-Nord Bombenfund im Norden löst Chaos aus

Von Sascha Maier 

Eine Weltkriegsbombe, die bei Bauarbeiten für Stuttgart 21 entdeckt wurde, hat im Nordbahnhofviertel für Aufregung gesorgt. 1000 Menschen waren von einer Evakuierung betroffen. Zu spüren waren die Folgen auch in ganz Stuttgart: Der S-Bahn-Verkehr war massiv behindert.

Stuttgart - Gut, dass der Baggerfahrer genau hingesehen hat. Denn worauf er da am Dienstag gegen 13.50 Uhr während Bauarbeiten an Stuttgart 21 bei der Rosensteinstraße gestoßen war, hätte Hunderte Menschen in einem Umkreis von 350 Metern verletzen können. Erst um 18.55 Uhr wurde die US-amerikanische 500-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft. Zuvor mussten laut Polizei etwa 600 Anwohner und 200 Kindergartenkinder in Sicherheit gebracht werden.

Hier geht es zum Liveticker von der Bomben-Entschärfung.

Zuvor fünf Stunden Aufregung: Im Foyer des Kinos Ufa-Palast, der außerhalb der Gefahrenzone liegt, verharren zahlreiche Anwohner, die es warm haben wollen, bis die Gefahr gebannt ist. Unter ihnen Christin Gonsior. Die 19-jährige Studentin musste ihre Wohnung zusammen mit Mito verlassen. Mito ist ein zehn Monate alter Pinscher-Rüde, der in seinem Welpenbett – einem ausgepolsterten Karton – zittert wie Espenlaub. „Das ist ihm alles zu viel“, sagt Christin Gonsior. Auch Anwohnerin Maria Lopresti ist betroffen. Sie musste ihre Wohnung zusammen mit ihrer 83 Jahre alten Mutter verlassen, die nebenan wohnt. „Der Krieg ist doch vorbei!“, soll die Rollstuhlfahrerin gesagt haben, als sie erfuhr, warum sie ihre Wohnung verlassen muss.

Gehen oder nicht gehen: das ist nicht die Frage

Andere Anwohner werden mit Bussen abgeholt und in der Turnhalle der nahe gelegenen Werner-Siemens-Schule untergebracht. Auch Firmen und Geschäfte im Sprengradius von 350 Metern müssen komplett evakuiert werden. Die meisten der Kinder des evakuierten Kindergartens werden von ihren Eltern abgeholt.

Eine freiwillige Entscheidung war es für die Anwohner allerdings nicht, ihre Wohnungen zu verlassen. „Wer sich weigert, den zwingen wir mit einer Allgemeinverfügung der Stadt Stuttgart dazu“, sagt Polizeisprecher Thomas Geiger. Normalerweise wollen die Anwohner aber auch gar kein Risiko eingehen. Doch es kommt immer wieder zu Verzögerungen: „Manche Betroffene können nicht selbstständig laufen. Oder sie machen ihre Wohnung aus unerfindlichen Gründen nicht auf. Das zieht sich eben“, sagt Polizeisprecher Geiger. So beginnt die Entschärfung der Bombe mit eineinhalb Stunden Verspätung – und muss immer wieder unterbrochen werden, weil wieder Personen im Gefahrenbereich entdeckt werden.

Die Tücken des Zünders

Dann haben die Feuerwerker vom Kampfmittelbeseitigungsdienst unter Einsatzleiter Christoph Rottner die Gefahr beseitigt. Die 500-Kilo-Bombe hatte zum Glück einen mechanischen Zünder – der ist weniger tückisch als ein chemischer Langzeitzünder.

Bis zum Ende der Bombenentschärfung kam es zu massiven Störungen des S-Bahn-Verkehrs, da die Gleise auf der Trasse zwischen dem Nord- und dem Hauptbahnhof teilweise im Sperrgebiet lagen. Viele Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel machten ihrem Ärger über die Zugausfälle Luft. „Gestern heult die Stadt noch rum, dass keiner aufgrund des Feinstaubalarms auf den ÖPNV umsteigt. Und heute: Überquellende Bahnen, einige Fahrgäste müssen sogar auf die nächste warten, weil nicht alle reinpassen!“, berichtet eine Nutzerin.

Viele Fahrgäste in den S-Bahnen und Stadtbahnen glauben, dass der Alarm gezeigt habe, dass die Bombe den öffentlichen Nahverkehr auf seine Belastungsgrenzen hin geprüft hat – und dieser dabei krachend durchgefallen ist. „Da verpasse ich ja jeden Anschluss“, meint eine ältere Dame, die in der U 12 Richtung Vaihingen sitzt. Zehn Minuten Verspätung sind freilich noch nicht das Schlimmste.

Die über einen Meter lange Bombe mit 50 Zentimeter Durchmesser am Nordbahnhof ist nicht die erste, die durch Bauarbeiten in Stuttgart zu Tage gefördert wurde. Im November 2014 wurden binnen weniger Tage gleich zwei Fliegerbomben entdeckt. Erst in Feuerbach, dann im Stuttgarter Westen. Dort mussten sogar 2800 und 5000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

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