Filder-Serie „Mein 2015“ Mit haarigen Seelentröstern auf Du und Du

Von Fatma Tetik 

Herbert Schweizer führt seit mehr als 20 Jahren den Kleintierzuchtverein Plattenhardt. Sein ehrenamtliches Engagement ist 2015 besonders gewürdigt worden. Foto: Fatma Tetik
Herbert Schweizer führt seit mehr als 20 Jahren den Kleintierzuchtverein Plattenhardt. Sein ehrenamtliches Engagement ist 2015 besonders gewürdigt worden.Foto: Fatma Tetik

Herbert Schweizer, der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins Plattenhardt, ist 2015 mit der Landesehrennadel geehrt worden.

Filderstadt -

Pokale, Medaillen, Urkunden: in der Wohnzimmerschrank-Vitrine von Herbert Schweizer stehen zahlreiche Auszeichnungen für sein tierisches Hobby. Im Keller des Wohnhauses bewahrt er noch weitere auf. Dann holt der Vereinsvorsitzende des Kleintierzuchtvereins Plattenhardt eine kleine Schachtel aus der Vitrine. Darin befindet sich eine Anstecknadel aus Silber mit dem Landeswappen und der Umschrift: „Für Verdienste im Ehrenamt“. Schweizer freut sich über die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg. Sie ist der absolute Höhepunkt in der Sammlung seiner Auszeichnungen.

Im vergangenen Sommer hat der Plattenhardter die begehrte Nadel von der damals noch amtierenden Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker erhalten. „Es hat mich sehr gefreut, dass die Oberbürgermeisterin die Auszeichnung trotzdem noch persönlich vorgenommen hat“, sagt Herbert Schweizer und blickt auf die kleine Nadel in seiner Hand.

Seit 50 Jahren im Verein aktiv

So ganz kann er immer noch nicht verstehen, weshalb er die Landesehrennadel verliehen bekommen hat. In der Tat bekommt niemand einfach so diese Ehrennadel verliehen. Nur wer eine mindestens 15-jährige ehrenamtliche Tätigkeit in einem Verein oder einer Organisationen nachweisen kann, hat eine Chance, mit der Auszeichnung geehrt zu werden.

Herbert Schweizer erfüllt diese Voraussetzung allerdings locker. Seit knapp einem halben Jahrhundert setzt sich der Plattenhardter unermüdlich für den Kleintierzuchtverein in seinem Stadtteil ein. Seine persönliche Faszination gilt Rassekaninchen, insbesondere den Rassen Kleinsilber-blau und Sachsengold. In seiner Anlage im Garten tummeln sich bis zu 60 Langohren. „Die sind sozial verträglich“, sagt er. „An einem krähenden Hahn stören sich viele Menschen eher.“ Die stillen Kaninchen faszinieren den heute 61-jährigen bereits seit dem Teenager­alter. Während seine Altersgenossen auf dem Bolzplatz dem runden Leder hinterherjagten, schmuste der damals 13-jährige Junge im Kleintierzuchtverein mit kuschelweichen Langohren und besuchte zahlreiche Ausstellungen.

1968 trat der junge Schweizer in den Plattenhardter Kleintierzuchtverein ein. Schmusen allein reicht dem Bub nicht mehr aus. Er wollte Verantwortung übernehmen, die Tiere versorgen. „Einen Fußball kann man weglegen, wenn man keine Lust mehr hat. Bei Tieren geht das nicht, um die muss man sich kontinuierlich kümmern“, erklärt Schweizer. „Man trägt Verantwortung für die Tiere.“

„Hervorragender Ausgleich nach einem stressigen Arbeitstag“

Mit 20 Jahren wurde Herbert Schweizer in die Bundeswehr eingezogen, danach gründete der gelernte Kfz-Mechaniker eine Familie und musste Kinder statt Kaninchen hüten. Nachdem die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, widmete sich Herbert Schweizer mit 30 Jahren wieder voller Elan seiner Leidenschaft im Verein. Nur kurze Zeit später landete er bereits im Ausschuss und setzte sich viele Jahre ehrenamtlich als Kassier ein.

1994 übernahm Herbert Schweizer das Amt des Vereinsvorsitzenden von Eugen Ballbach, der aus Altersgründen zurückgetreten war. Im selben Jahr konnte der Verein die lang ersehnte neue Kleintierzuchtanlage in Betrieb nehmen. Schweizer setzte sich zudem für eine aktive Jugendarbeit ein: In der Anlage entstand ein Haus für die Jugendgruppe, die sich auch heute noch dort trifft. 20 der 120 Mitglieder sind junge Menschen. „Die Zukunft des Vereins hängt vom Nachwuchs ab“, erklärt Herbert Schweizer. Deshalb sei es wichtig, junge Menschen für den Kleintierzuchtverein zu begeistern. „Es ist ein hervorragender Ausgleich, wenn man nach einem stressigen Arbeitstag mit den Tieren schmusen und sich um sie kümmern kann“, sagt Schweizer. Es sei ein schönes Gefühl die kleinen Tiere aufwachsen zu sehen. Zudem seien die friedlichen Kaninchen mit ihrem weichen, warmen Fell hervorragende Seelentröster, sagt Schweizer und streichelt ein hellbraunes Exemplar.

Die Kaninchen helfen Herbert Schweizer auch über den Verlust seiner Frau hinweg. „Sie strahlen Ruhe aus und schenken einem Lebensfreude in schwierigen Zeiten“, sagt der Vereinsfunktionär. Trotz der emotionalen Bindung zu den Tieren, gibt Herbert Schweizer den Kaninchen keine Namen. Das soll sich zumindest bei dem braunen Kaninchen bald ändern. Herbert Schweizer verschenkt es an seine Enkelin. Überhaupt sei es jetzt an der Zeit, der jüngeren Generation den Stab weiterzureichen, findet der langjährige Vereinsvorsitzende. Peu á peu will er seine Amtsübergabe im Kleintierzuchtverein Plattenhardt vorbereiten. „Wir haben viele junge Väter, die sehr gute Ideen für die Zukunft haben und den Verein sicher noch weiter voranbringen werden.“ Im Jahr 2017 endet die Amtszeit Herbert Schweizers. Privat will er seinem Hobby aber auch danach treu bleiben.

Serie
Alle Jahre wieder stellt die Redaktion der Filder-Zeitung in dieser Serie unterschiedliche Menschen vor, die in den zurückliegenden zwölf Monaten etwas Besonderes erlebt haben – sei es in positivem oder negativem Sinn.

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