Seite 7Erziehungsrat Mit Jogginghosen in die Schule

Von Lisa Welzhofer 

Frage:

In der Klasse meines zehnjährigen Sohnes ist es gerade Mode, in Jogginghosen zur Schule zu gehen. Ich finde eigentlich, dass man mit ordentlicher Kleidung aus dem Haus gehen sollte. Soll ich meinen Sohn zwingen, etwas anderes anzuziehen?

Unverzagt:

„Mit Zehnjährigen ist schon gut verhandeln! Man kann sich zusammensetzen, ein ernstes Gesicht machen und sagen, hör mal, wie machen wir das jetzt? Für und Wider der Kleiderordnung abzuwägen kann zu schönen Kompromissen führen: Zweimal gehst du in die Schule, wie du willst – und dreimal so, wie du sollst.“

Renz-Polster:

„Ja, das sollten Sie unbedingt. Allerdings nur, wenn Sie wirklich ein Kind haben wollen, das in Ihren Augen ordentlich ­herumläuft – und wenn Sie dafür in Kauf nehmen, dass aus Ihrer Familie eine Art Anstalt wird. Echte Beziehungen sehen anders aus, als dass der eine Befehle gibt und der andere schluckt. Vielleicht stellen Sie sich besser dem erzieherischen Dilemma: Wenn Kinder genau das machen, was wir von ihnen wollen, sind sie oft noch ­keinen einzigen Schritt in ihrer Entwicklung weiter. Oft ist das Gegenteil der Fall.“

Drust:

„Wenn Sie in den Kleiderschrank meines Sohnes gucken könnten, würden Sie nichts sehen, weil alles verstreut auf dem Boden liegt. Und dort: fast nur Jogging­hosen. Im Gegensatz zu Ihnen finde ich nicht, dass meine Kinder ordentlich aussehen müssen. Wofür denn? Sie müssen ja nur spielen und nicht bei der Bank fragen, ob ihr Dispo erhöht wird. Ich musste als Kind Kleidung tragen, die für meine Eltern ­ordentlich, für mich jedoch Höchststrafe waren. Deshalb können meine Kinder tragen, was sie wollen, solange es klimatisch hinhaut.“

Rogge:

„Jogging-Hosen zieht man zu Hause oder im Sportunterricht an. Gehen Sie in das Gespräch mit Ihrem Sohn. Bestehen Sie auf Ihrer Auffassung. Er wird Sie peinlich oder uncool finden. Aber ich denke das können Sie aushalten.“

 

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