E-Learning-Plattformen Der gläserne Schüler

Von Christiane Schulzki-Haddouti 

Clouds können den Unterricht bereichern – wenn sie richtig eingesetzt werden. . Foto: Andreas Weise/factum
Clouds können den Unterricht bereichern – wenn sie richtig eingesetzt werden. . Foto: Andreas Weise/factum

Immer mehr Schulen verwenden Clouds. Datenschützer warnen jedoch vor den E-Learning-Plattformen.

Stuttgart - Unterrichtsmaterialien nicht aus Büchern kopieren, sondern direkt per E-Mail an die Schüler schicken – das wäre mit einer onlinebasierten Schuld-Cloud möglich. Die Schüler könnten wiederum ihre Hausaufgaben auf der Plattform abgeben – und möglicherweise bereits bei der Bearbeitung noch Tipps vom Lehrer erhalten. Die Lehrer könnten auch Kurse und Tests im Internet anbieten. Auf die Cloud könnten Schüler und Lehrer mit unterschiedlichen Geräten zugreifen, womit auch verschiedene private Geräte zum Einsatz kommen könnten.

Dank des Digitalpakts zwischen Bund und  Ländern  sollen  Schulen  Cloud-basierte Dienste künftig für einen modernen Unterricht nutzen können. Datenschützer warnen aber davor, dass Schulen die ­Kontrolle über die Daten verlieren könnten. Einige Bundesländer wie Nord­rhein-Westfalen haben bereits Schul-Clouds in Betrieb. Dort beteiligen sich schon 400 Schulen freiwillig an dem ­Pilotversuch auf der Plattform „Logineo“. In anderen Bundesländern wie zum Beispiel Baden-Württemberg werden verschiedene Lösungen eingesetzt. Bis Ende Dezember wollen Bund und Länder eine Vereinbarung zum Digitalpakt finden. Fünf Milliarden Euro könnten ab nächstem Jahr in die Schulen fließen.

Der Bund setzt mit Unterstützung des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) eine Bundes-Schul-Cloud auf. Getestet wird sie an 26 Schulen, die zu dem „Exzellenznetzwerk mathematisch-naturwissenschaft­liche Schulen“ gehören. Mit dabei aus Baden-Württemberg sind unter anderem das Stiftsgym­nasium in Sindelfingen und das Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch-Gmünd. Die HPI-Wissenschaftler schlagen vor, dass jeder Schüler in der Cloud sein persön­liches Lernprofil anlegen könnte, das sämt­liche Ausbildungsschritte von ­Beginn an protokolliert.

Datenschützer halten die Daten für „besonders sensibel“

Wie die Rechte der Schüler dabei gewahrt werden sollen, macht Datenschützern jedoch Bauchschmerzen. Denn die immer beliebter werdenden Online-Plattformen erheben viele leistungs- und verhaltensspezifische Daten, die auch Inter­aktionen abbilden können.

Der thüringische Landesdatenschützer Lutz Hasse ist Vorsitzender des Arbeitskreises „Datenschutz und Bildung“ der deutschen Datenschutz-Aufsichtsbehörden. Er macht eine klare Ansage an die Schulen: „Die Flüsse personenbezogener Daten von Schülern enden nach bisheriger Rechtslage grundsätzlich in der Bildungseinrichtung und nicht in einer darüber schwebenden Cloud, die Daten nicht nur speichert, sondern auswertet.“

Je intensiver der Unterricht auf ­virtuellen Lernumgebungen basiert, desto umfassender werden dort aber leistungs- und verhaltensspezifische Daten generiert. Die Datenschützer halten die Daten für „besonders sensibel“, da sie Auskunft über Interessen und Fähigkeiten der Lernenden, ihre Merkfähigkeit, ihre Schnelligkeit bei der Aufgabenbearbeitung und ihre Lernbereitschaft umfassen. Bestimmte Lernplattformen können aus den Daten bereits auf eine mögliche Lese-Schreib-Schwäche schließen. Die Datenanalysen könnten aber auch Prognosen zur beruf­lichen Zukunft treffen.

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