DTB-Pokal in Stuttgart Hambüchen: Flugschau ohne Happy End

Von Marco Seliger 

Enttäuscht: Fabian Hambüchen Foto: Pressefoto Baumann
Enttäuscht: Fabian HambüchenFoto: Pressefoto Baumann

Der DTB-Pokal, bei dem Turnstar Fabian Hambüchen einen Podestplatz verpasst, findet fortan in der Porsche-Arena im März statt – obendrein soll dann im Jahr 2019 noch die WM in Stuttgart steigen.

Stuttgart - Fabian Hambüchen versuchte alles. Er zählte nach jedem Gerät mit den Fingern seinen persönlichen Countdown herunter – noch fünf, noch vier, und so weiter. Zwischendurch schnappte er sich einen schwarzen Kaffee gegen die Müdigkeit, und vor dem Finale am Reck „habe ich nochmal alles reingelegt“, wie der Turnstar aus Wetzlar sagte. Allein – all das reichte nicht, um einen Podestplatz beim DTB-Pokal vor 4500 Zuschauern in der Porsche-Arena zu erreichen. Hambüchen wurde Vierter, eine überragende Reckübung zum Schluss reichte nicht mehr für den Sprung auf Platz drei. „Ich bin platt“, sagte Hambüchen, und weil er das schon vorher gespürt hatte, sagte er die Teilnahme bei der letzten Station des Weltcups am kommenden Wochenende in Glasgow ab. „Die Saison war kräftezehrend“, sagte Hambüchen, „da wäre die Verletzungsgefahr zu groß gewesen.“

Hambüchen hat also Winterpause nach seinem Finale in Stuttgart, wo der Ukrainer Oleg Wernajew seinen Mehrkampf-Titel verteidigte. „Es lief alles so, wie ich es gewollte habe“, sagte Wernajew, „es hat gepasst.“ So einfach kann Turnen manchmal sein – schwieriger ist die Lage, wenn es um die politischen Bedingungen in Wernajews ukrainischer Heimat geht. „Das Geld fehlt“, sagte Wernajew über die Verhältnisse im Krisengebiet, „am Boden konnte ich zuletzt zum Beispiel überhaupt nicht trainieren.“

Einige seiner Landsmänner haben die Ukraine verlassen und trainieren in anderen Ländern. Wernajew plant diesen Schritt noch nicht. „Man muss aber sehen, wie sich die Situation entwickelt“, sagte er. Fabian Hambüchen spendete bereits drei Kartons mit Magnesia; selbst die Grundausstattung gibt in diesen Wochen nicht im ukrainischen Spitzenturnen – umso höher ist Wernajews Sieg einzuordnen, und umso besser kann Wernajew seiner Siegprämie in Höhe von 15 000 Schweizer Franken nun gebrauchen.

Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turnerbundes (DTB), zog indes eine „positive Bilanz“ für den DTB-Pokal. Insgesamt 17 500 Zuschauer kamen an den drei Veranstaltungstagen in die Porsche-Arena, was eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr bedeutet (17 000).

Wie die Fans den neuen Veranstaltungstermin annehmen, ist noch offen – im nächsten Jahr wird es keinen DTB-Pokal in der Porsche-Arena geben, der Weltcup wird fortan regelmäßig im Frühjahr jedes Jahres stattfinden. Vom 18. bis 20. März 2016 wird es erstmals so weit sein – Stuttgart wird dann die letzte Station des Weltcups sein. Hintergrund der Verlegung: Künftig will der Weltverband keine Weltcups mehr nach Großereignissen wie einer WM stattfinden lassen, weil die Athleten die Teilnahme vermehrt absagen könnten. Fortan bildet die Serie quasi den Auftakt der Saison, was noch bessere Teilnehmerfelder garantieren soll.

Bei einer WM ist die Dichte an Weltklasse-Athleten ohnehin hoch – nachdem schon seit einigen Monaten klar ist, dass Stuttgart sich um die Ausrichtung der WM 2019 bewirbt, ging Wolfgang Drexler, Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, am Rande des DTB-Pokals nun auf Details ein. „Wir wollen für die WM keinen Gigantismus“, sagte er, „wenn es morgen losginge, könnten wir mit unseren Hallen und den perfekten Trainingsmöglichkeiten in der Nähe schon loslegen.“ Stuttgarts Konkurrenten sind Perth (Australien), Rotterdam (Niederlande) und Orlando (USA), die Entscheidung über die Vergabe fällt am 15. und 16. Mai im nächsten Jahr. Das Land Baden-Württemberg bezuschusst die Stuttgarter Bewerbung mit bis zu zwei Millionen Euro, wie Drexler sagte.

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