Digitalisierung an Stuttgarter Schulen Mehr Tempo, bitte

Von Inge Jacobs 

Muss Normalität sein: Die digitale Welt im Klassenzimmer. Foto: dpa
Muss Normalität sein: Die digitale Welt im Klassenzimmer. Foto: dpa

Kreidetafel oder W-Lan und Tablets für alle? Das ist an Stuttgarter Schulen immer noch Glückssache – sollte es aber im Sinne der Chancengleichheit nicht sein, findet Redakteurin Inge Jacobs.

Stuttgart - Stuttgart hat Großes vor. Die Landeshauptstadt will allen städtischen Schulen einen digitalen Vollanschluss verpassen. Nicht gleich, sondern nach und nach. Bis in zehn Jahren, so der optimistische Plan, soll dann auch die letzte Schule komplett onlinefähig sein – so, wie es der Bildungsplan und die Multimedia-Empfehlungen seit 2016 vorsehen. Natürlich funktioniert das nur, wenn auch der Gemeinderat diesen Plänen folgt. Und immer noch fehlt eine verlässliche Förderzusage von Bund und Land.

Bis zum Ende der Ausbauphase wird es also zumindest in Stuttgart weiterhin Glückssache sein, ob eine Schule gut vernetzt ist oder nicht. Und damit auch Glückssache, wie selbstverständlich die internetgestützte Medienbildung für die Schüler sein wird oder nicht.

Zu Recht verlangen Stuttgarter Schulleiter schnelles Internet für alle Schulgebäude

Zu Recht haben die Stuttgarter Schul­leiter bereits vor mehr als zwei Jahren verlangt, alle Schulgebäude mit schnellem Internet zu versorgen – und somit die Ungleichheit zwischen den Schulen bei den Bildungsvoraussetzungen auszugleichen. Denn der Umgang mit digitalen Medien gehört längst zu den Kernkompetenzen und wird nicht ohne Grund von der Wirtschaft gefordert.

Ja, der Ausbau der Digitalisierung ist teuer. Und er kommt auf das ebenfalls umfangreiche Sanierungsprogramm der Schulen noch obendrauf. Denn bevor es W-Lan für alle geben kann, müssen viele Schulen erst noch eine leistungsfähigere Elektroversorgung beziehungsweise Anbindung ans Stuttgarter Breitbandnetz erhalten. Bisher hat es die Stadtverwaltung nicht einmal geschafft, das jährliche Sanierungsprogramm in Höhe von 50 Millionen Euro abzuarbeiten, weil zuvor zu viele Mitarbeiterstellen gestrichen worden waren und man nicht einmal mit der Planung hinterherkam. Verwaltungsspitze und Gemeinderat sind nun gefordert, bei den Stellen im Hochbau- und Schulverwaltungsamt schnell nachzulegen.

Doch mit internetfähigen Gerätschaften allein ist es noch nicht getan. Medienbildung braucht vor allem auch gute Pädagogen. Da ist das Land gefordert, aber auch das Engagement jedes einzelnen Lehrers.

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