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Die Linke und Piratenpartei Allianz gegen teuren Nahverkehr

Von Götz Schultheiss 

Können sich Geringverdiener und Arbeitslose die Fahrt in der S-Bahn bald nicht mehr leisten? Linke und Piratenpartie fordern vom Verkehrsverbund Stuttgart einen Stopp der Fahrpreiserhöhungen Foto: dpa
Können sich Geringverdiener und Arbeitslose die Fahrt in der S-Bahn bald nicht mehr leisten? Linke und Piratenpartie fordern vom Verkehrsverbund Stuttgart einen Stopp der FahrpreiserhöhungenFoto: dpa

Der öffentliche Nahverkehr in der Region Stuttgart muss attraktiver, nicht teurer werden. Die Fraktion der Linken und die Piratenpartei fordern ein Aussetzen der Preisspirale für die Tickets.

Stuttgart - Die Fraktion der Partei Die Linke in der Regionalversammlung und die Piratenpartei wollen in der Region für das Jahr 2017 Fahrpreisherhöhungen im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) verhindern. In den zehn Jahren zwischen 2006 und 2016, stellen Regionalräte beider Parteien fest, hätten sich die Ticketpreise um rund 32 Prozent, also durchschnittlich 2,9 Prozent pro Jahr erhöht. Sie lägen damit deutlich über der Reallohn- und Preisentwicklung.

„Angesichts von täglichen Störungen, Verspätungen und Zugausfällen wäre eine weitere Preiserhöhung nicht zu rechtfertigen“, sagt Wolfgang Hoepfner (Die Linke), Mitglied im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung Stuttgart. Die Fahrgäste „zahlen jetzt schon Preise für ein Premium-Produkt, das sie gar nicht haben“, bilanziert Hoepfner. Außerdem seien höhere VVS-Tarife für Geringverdiener und Arbeitslose unbezahlbar. „Der andauernde jährliche Preisanstieg schneidet immer mehr Menschen vom öffentlichen Personennahverkehr ab“, sagt Hoepfner. Häufig werde der Eindruck erweckt, die ÖPNV-Unternehmen würden die Preiserhöhungen wegen gestiegener Personal- oder Energiekosten quasi vorgeben. „Die Entscheidung darüber, ob die Zusatzkosten auf die Fahrpreise umgelegt oder aus öffentlichen Mitteln gedeckt werden, liegt aber allein beim Verband Region Stuttgart, beim Stuttgarter Gemeinderat und bei den Kreistagen der Region und deren Vertretern im Aufsichtsrat des VVS.“

Wien als das große Vorbild

Weil es auch in anderen Fraktionen der Regionalversammlung Unzufriedenheit über die Tarifentwicklung des VVS gebe, stoße die Initiative von Linken und Piraten vielleicht auch bei anderen Parteien auf offene Ohren, so Hoepfner. Eine Sitzung der Regionalräte mit dem VVS zu den Tarifen 2017 sei im April geplant, die endgültige Entscheidung falle im Juli.

In ihren verkehrspolitischen Zielen für die Region sind sich Die Linke und die Piratenpartei einig. „Der ÖPNV muss attraktiver werden. Wir haben mit dem Feinstaub in Stuttgart ein gravierendes Problem. Ich dränge auf eine regionsweite Umlage für den ÖPNV, die jeder bezahlen muss. Damit entfallen Fahrkarten“, sagt Stefan Urbat (Piraten), Mitglied im Verkehrsausschuss des Stuttgarter Gemeinderats.

Fahrkartenfreier Nahverkehr ist auch das Ziel der Fraktion der Linken. Das Paradebeispiel in diesem Zusammenhang ist die österreichische Hauptstadt Wien. „Dort zahlt man eine Pauschale von 365 Euro im Jahr, das ist ein Euro pro Tag für die Nutzung des ÖPNV in der ganzen Stadt“, sagt Wolfgang Hoepfner. Allerdinges funktioniere der ÖPNV in der Donaumetropole vorbildlich: „Schon wenn in einem neuen Stadtteil die ersten Bewohner einziehen, ist die ÖPNV-Verbindung fertig.“

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