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Deutsche Bahn Die Tücke mit dem Anschlussticket

Jens Noll, 09.02.2013 10:00 Uhr

Filderstadt - In der Werbung sieht es verlockend aus. Ein Mann reist mit seiner Bahn-Card bequem von Tür zu Tür und benutzt dabei verschiedene Verkehrsmittel. Möglich macht es eine Neuregelung bei der Bahn-Card, der Rabattkarte der Deutschen Bahn (DB). Bahnkunden aus Filderstadt kommen jedoch nicht in diesen Genuss. Sie würden benachteiligt werden, moniert die Gemeinderatsfraktion Grüne/FFL.

Wie der Fraktionsvorsitzende Matthias Gastel in einer Pressemitteilung schreibt, gelte ein mit Bahn-Card gelöstes Anschlussticket an die Zugreise, das sogenannte City-Ticket, seit 9. Dezember 2012 nicht nur wie bisher am Zielort der Reise, sondern auch an deren Beginn. Demnach können Fahrgäste mit dem Ticket auch Busse und Bahnen des örtlichen Nahverkehrs nutzen, ohne einen weiteren Fahrschein kaufen zu müssen.

Keine Bus-Nutzung mit Fahrschein der Bahn

Filderstädter Bahn-Card-Inhaber sind da außen vor. „In der Region Stuttgart wird die Neuregelung so umgesetzt, dass sie nur in den beiden Tarifzonen der Stadt Stuttgart (Zonen 10 und 20) sowie in den Außenzonen 31 (Esslingen) und 34 (Ludwigsburg) greift“, schreibt Gastel. „Fahrgäste, deren Start- oder Zielpunkt in Filderstadt liegt (Zone 38) profitieren nicht davon.“

Gastel gibt ein Beispiel: Wenn ein Fahrgast aus Bonlanden einen DB-Fahrschein von Filderstadt nach Frankfurt gekauft hat, muss er zusätzlich ein Ticket des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS) lösen, um mit dem Bus zum S-Bahnhof zu fahren. Wohnt der Fahrgast hingegen in Esslingen-Zollberg, dann braucht er kein VVS-Ticket. Weil Esslingen in einer der begünstigten Zonen liegt, ist die Busfahrt zum Bahnhof im DB-Fahrschein inbegriffen.

„Bei der Bahn-Card 100 ist es besonders gravierend“, sagt der Stadtrat. Wer die Karte besitzt, kann seinen Ausführungen nach in den begünstigten Tarifzonen beliebig häufig alle VVS-Verkehrsmittel nutzen. Nicht so die Fahrgäste mit Bahn-Card 100 aus Filderstadt: Für die Nutzung des Busses in ihrem Wohnort benötigen sie laut Gastel zusätzlich einen VVS-Fahrschein.

„Spezielle Situation auf den Fildern“

Auf ihre Frage nach den Gründen für die Regelung hat die Fraktion vom VVS erfahren, dass nur Städte mit einer Einwohnerzahl von mindestens 50 000 und einem bestimmten Fahrtenvolumen als Orte in Frage kommen, in denen das City-Ticket gilt. Grüne/FFL fordern nun, dass die DB und der Tarifverbund die „spezielle Situation auf den Fildern“ berücksichtigen.

Zusammen haben die Städte Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt, die beide in der Tarifzone 38 liegen, rund 80 000 Einwohner, argumentiert Gastel. Außerdem befinden sich Flughafen und Messe ebenfalls in dieser Zone. Die Fraktion wünscht deshalb, die Tarifzone 38 in den Geltungsbereich des Anschlusstickets aufzunehmen. Dem VVS hat sie ihr Anliegen mitgeteilt. „Wir haben inzwischen die Zusage erhalten, dass unser Vorschlag in den Gremien geprüft wird“, berichtet Gastel.

Der Fraktionschef hat Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker gebeten, sich mit ihrem Amtskollegen aus Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk, ebenfalls für das attraktive Bahnangebot auf den Fildern einzusetzen. Wie viele Bahn-Card-Inhaber in L.-E. und Filderstadt von diesem City-Ticket profitieren könnten, weiß Gastel nicht. Schriftlich hat er Nutzerzahlen bei der Bahn angefragt.

 
 
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