Daimler Zetsches Verdienst sinkt, sein Ansehen auch

Petra Otte, 26.02.2013 14:09 Uhr

Stuttgart - Der Premiumautobauer Daimler zahlt Topmanagern Topgehälter. Das lässt sich nicht nur an den rund 8,3 Millionen Euro ablesen, auf die Konzernchef Dieter Zetsche Anspruch hat – auch der neue China-Vorstand Hubertus Troska kommt auf ein beachtliches Salär. Er hat laut dem nun veröffentlichten Geschäftsbericht 89.000 Euro verdient. Zum Vorstandsmitglied ernannt wurde Troska am 12. Dezember, diesen Tag mitgezählt blieben ihm bis Jahresende zehn Arbeitstage.

Die übrigen Vorstände kommen auf 3,1 bis 3,7 Millionen Euro. Wie auch Zetsche bekommen sie nur einen Teil davon sofort, nämlich das Grundgehalt plus den halben Jahresbonus. Beide Komponenten machen jeweils 29 Prozent der Gesamtvergütung aus, der Bonus bemisst sich als eine Art Erfolgsbeteiligung am operativen Gewinn sowie an der Erreichung persönlicher Ziele. Nach oben hin ist der Bonus beim Doppelten des Grundgehalts gedeckelt und wird in zwei Teilen ausgeschüttet. Dabei kann die zweite Hälfte binnen eines Jahres noch steigen oder sinken – je nachdem, wie sich die Daimler-Aktie entwickelt.

Zum Vergleich: 2011 hatte sich Zetsche angesichts des damaligen Rekordgewinns einen Bonus von gut 200 Prozent seines Grundgehalts gesichert, für 2012 bekommt er im Zuge des gesunkenen Konzerngewinns 142 Prozent seines Grundgehalts als Bonus aufgeschlagen. Forschungschef Thomas Weber kommt auf 137 Prozent Bonus, Finanzchef Bodo Uebber auf 146 Prozent. China-Vorstand Hubertus Troska erwirtschaftete binnen zehn Tagen einen zusätzlichen Bonus von 130 Prozent seines Grundgehalts.

Langfristige Vergütungskomponente hat an Wert verloren

Mit Ausnahme von Troska haben die Vorstände zudem Anspruch auf Aktienoptionen – die dritte, langfristige Vergütungskomponente bei Daimler. Basis dafür sind eine Zahl virtueller Aktien und Ziele für die nächsten drei Jahre. Danach wird bilanziert, wie sich Daimler im Vergleich mit ausgewählten Wettbewerbern in puncto Profitabilität geschlagen hat.Im besten Fall sind bis zu 200 Prozent des Werts der in Aussicht gestellten Aktien drin, schlimmstenfalls nichts. In den vergangenen Jahren hat die langfristige Vergütungskomponente an Wert verloren.

Gleiches gilt für das Ansehen, das das Management beim Betriebsrat genießt: Wurde der Vertrag von Zetsche Anfang 2010 fast geräuschlos verlängert, sorgte die jüngst beschlossene Fortschreibung hinter den Kulissen mächtig für Zoff mit den Betriebsräten. Letztere werfen Zetsche vor, immer öfter Neuerungen gegen den Willen des Betriebsrats durchdrücken zu wollen. Dagegen bewege sich bei Themen, die der Betriebsrat vorantreiben will, jahrelang nichts. Erzürnt hat die Arbeitnehmerseite 2012 insbesondere, dass Zetsche sein Sparprogramm „Fit for Leadership“ erstmals bei einem Werkbesuch von Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann angekündigt hat – neben dem Betriebsrat wurden davon auch die Börsen kalt erwischt. Kurz darauf beklagte der Daimler-Betriebsrat eine „neue Qualität“ der Konfliktlösung, als ein Streit um neue Schichtpläne in der S-Klasse-Montage eskalierte.

Aufgrund solcher Vorkommnisse wollten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat Zetsches Vertrag gar nicht verlängern – haben dann aber eine Rochade im Vorstand zur Bedingung einer Verlängerung um drei Jahre gemacht. In der Folge tauschen Lkw-Chef Andreas Renschler und Produktionschef Wolfgang Bernhard ab April die Plätze. Um erfolgreich zu sein, müsse Daimler seine Strategie gemeinsam mit dem Betriebsrat entwickeln, meint Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm. „Die jetzt beschlossenen Änderungen im Vorstand erleichtern diesen Dialog.“

 
 
Kommentare (3)
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentar schreiben
Anzeigen
FEB
26
Kein Daimler-Fahrer, 20:02 Uhr

Kann mir mal jemand den Inhalt des Artikels erklären?

Das Gehalt sink und damit auch das Ansehen! Soll denn Zetsche bis ans Ende seiner Jahre Vorstandsvorsitzender bleiben - Daimler ist nicht die katholische Kirche? In drei Jahren ist er 62 Jahre alt. In den Daimler-Werken gibt es vermutlich keinen Beschäftigten mehr, der noch so alt ist. Die wurden alle zwangsweise in den Vorruhestand entlassen. Weshalb soll man beim Vorstandsvorsitzenden anders verfahren?

FEB
26
rapozuff, 17:52 Uhr

Zetsche, Schrempp ...

sind für den Konzern DAIMLER und für die Firma MERCEDES BENZ katastrophal. Weit entfernt von den Arbeitern, von 'ihrem' Betrieb fälen diese Entscheidungen über Wohl und Wehe von hunderttausenden Arbeitern und Angestellten. Eigene, persönliche, kriminelle Tätigkeiten werden durch die jeweilige B-W-Landsregierung (inzwischen SCHWARZ und GRÜN) ignoriert, ja sogar honriert. Die Arbeiter und Angestellten der DAIMLER/MERCEDES-Firmen verdienen eine seriöse Firmenleitung - nicht eine solche kriminelle Energie durch 'Könige'.

FEB
26
Albert Seitzer, 17:47 Uhr

kein Zusammenhang

Die Überschrift und der Artikel suggerieren einen Zusammenhang zwischen der Höhe der Vergütung und dem Ansehen. Dieser Zusammenhang ist verloren gegangen. Stattdessen hängt die Leistung bzw. sogar Fehlleistung und das Ansehen zusammen. Die Vergütung ist, wie bei allen DAX-Vorständen eine Mondvergütung und ergibt sich aus dem korrupten Verhältnis von Vorstand und Aufsichtsrat. Auch jetzt hat der Aufsichtsratsvorsitzende die Verlängerung des Anstellungsvertrags von Herrn Zetsche durchgedrückt ohne das Wohl des Unternehmens im Blick zu haben. Auch die Arbeitnehmervertreter, denen das Wohl des Unternehmens näher liegen sollte, denn es geht da um die Sicherheit der Arbeitsplätze, haben sich kaufen lassen. Für eine Premiummarke zählt vor allem eine überragende Qualität und genau diese wird durch dubiose Sparpakete sabotiert. Will der anspruchsvolle Kunde wirklich elektronische Spielereien und will er tatsächlich ein ökologisches Fossil kaufen? Rettet China tatsächlich das Unternehmen? Da befürchte ich etwas anderes!

  1. (Logout)
  2. Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich.

Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.