Commerzbank testet neue Filialen Wenn Mitarbeiter Gastgeber werden

Von Sabine Marquard 

Die neue Videokasse der Commerzbank – getestet in einer Berliner Filiale. Die Mitarbeiterin wird per Video zugeschaltet. Foto: Commerzbank AG
Die neue Videokasse der Commerzbank – getestet in einer Berliner Filiale. Die Mitarbeiterin wird per Video zugeschaltet.Foto: Commerzbank AG

Mit einem neuen Filialkonzept will die Commerzbank neue Kunden gewinnen: Der Besuch in der Filiale soll zum Erlebnis werden. Dazu müssen allein in Stuttgart 100 Mitarbeiter 4000 Trainingsstunden absolvieren.

Mit einem neuen Filialkonzept will die Commerzbank neue Kunden gewinnen: Der Besuch in der Filiale soll zum Erlebnis werden. Dazu müssen allein in Stuttgart 100 Mitarbeiter 4000 Trainingsstunden absolvieren.

Stuttgart - Es klingt beinahe so, als wollte die Commerzbank die Filiale neu erfinden. Das neue Filialmodell der Commerzbank sei ein „Novum“ in Europa, sagt Bernhard Wenk, der für die Privat- und Geschäftskunden der Großbank in Württemberg verantwortlich ist. Im April wird mitten in Stuttgart auf der Königstraße eine Vorzeigefiliale eröffnet, ein so genannter Flagship Store – der bisher einzige bundesweit. Auch die kleinere Filiale auf der Rotebühlstraße wird entsprechend umgerüstet. Die rund 100 Mitarbeiter der beiden Filialen sollen dann „Gastgeber“ für die Kunden sein, sagt Wenk. Viel mehr mag der Vorsitzende der Geschäftsführung vor der Eröffnung noch nicht verraten. Nur so viel: Die Öffnungszeiten werden ausgedehnt – von acht bis 19.30 Uhr, die Selbstbedienungsterminals werden in die Filiale integriert und stehen nicht mehr im Vorraum. Es wird eine Videokasse geben, wo Kunden einen Ansprechpartner per Video zugeschaltet bekommen, falls sie Fragen haben. Mitarbeiter, die Kunden beraten, soll es nur noch in großen Filialen geben, in kleineren werden sie per Video zugeschaltet.

„Im Zeitalter des Internets hat die Filiale mehr Potenzial als viele denken“, ist Wenk überzeugt. Deshalb investiere die Bank in Filialen statt welche zu schließen. Bundesweit steckt die Bank 120 Millionen Euro in ihr Filialnetz. Das soll sich auszahlen. 70 Prozent der Kunden gewinnt die Commerzbank über die Filiale und 30 Prozent übers Internet.

Bisher würden nur acht Prozent der Kunden die Filiale für ein Beratungsgespräch aufsuchen und ansonsten den Selbstbedienungsbereich und die Kasse nutzen. „Vier von sechs Kundenwollen eine Bank, die Filiale und Direktbank in einem ist“, so Wenk. „Ende 2014 bieten wir alles, was eine leistungsfähige Direktbank kann.“

An den 60 Filialen in der Region Württemberg soll nicht gerüttelt werden, auch bundesweit soll die Zahl der 1200 Filialen erhalten bleiben. Der Personalabbau, den sich die Commerzbank im vergangenen Jahr bis 2016 verordnet hat, ist in Württemberg bereits abgeschlossen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Mitarbeiter im Bereich Privat- und Geschäftskunden sowie im Firmenkundengeschäft von 1563 auf 1442 gesunken. Dies geschah überwiegend durch Altersteilzeit und Abfindungen, teilweise wurden die Mitarbeiter auch für andere Geschäftsbereiche qualifiziert.

Im vergangenen Jahr hat die Commerzbank im Privatkundengeschäft 6000 neue Kunden unter dem Strich gewonnen. Die Zahl der Geschäftskunden mit einem Jahresumsatz bis 2,5 Millionen Euro ist um knapp fünf Prozent auf 49 500 gestiegen.

Das in der Mittelstandsbank gebündelte Firmenkundengeschäft zwischen 2,5 und 250 Millionen Euro Jahresumsatz ist im vergangenen Jahr „gegen den Trend gewachsen“, betont Markus Hahn, der das Großkundengeschäft der Region Südwest verantwortet. Die Commerzbank sei der größte Kreditgeber für den Mittelstand in Deutschland. Und das nicht wegen Kampfkonditionen, wie die Konkurrenz der staatlich gestützten Bank unterstellt. „Es gibt kein Preisdumping aufgrund der Staatsbeteiligung und es gab es noch nie“, betont Hahn. „Wir sind weder der Billigheimer noch der übermäßig Teure.“ Die Commerzbank hat ihre Kreditprozesse verschlankt. „Wir bewilligen heute einen Kredit bis zu fünf Millionen Euro innerhalb von drei Tagen“, sagt Hahn. Die Erträge der Mittelstandsbank in Württemberg sind 2013 vor Risikovorsorge um zehn Prozent gestiegen. Das Kreditvolumen habe sich um 300 Millionen erhöht.

Im Wealth Management, der Betreuung sehr vermögender Kunden, betreut die Commerzbank im Südwesten 7900 Kunden.

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