Bundestagskandidat Jürgen Braun (AfD) Kein Freund von „falscher Harmonie“

Von Annette Clauß 

Der AfD-Kandidat für den Wahlkreis Waiblingen, Jürgen Braun, wählt für das Treffen das Geburtshaus von Gottlieb Daimler in Schorndorf. In unserem Video verrät er warum und in unserem Text, ob er dessen Verbrennungsmotor noch für zukunftsfähig hält.

Schorndorf - Schorndorf, Höllgasse 7: Ein schmuckes Fachwerkhaus mit roten Fensterläden und bunten Blumen vor dem Eingang. Nebenan wird getafelt und Kaffee getrunken. In der Gasse herrscht so reger Fußgängerverkehr, dass der Fotograf, der Jürgen Braun vor dem Gebäude ablichten soll, mehrere Anläufe braucht, bis er die Bilder im Kasten hat. „Daimlers Geburtshaus zeigt, dass unsere Region eine stolze Vergangenheit hat, aus der sie lebt und die auch die Gegenwart prägt“, begründet Jürgen Braun, der AfD-Kandidat im Wahlkreis Waiblingen, wieso das Haus mit der Nummer 7 ein Herzensort für ihn ist.

„Erbe nicht verfrühstücken“

Braun ist überzeugt: „Der Verbrennungsmotor wird auf absehbare Zeit unsere Zukunft bleiben. Wir sollten unser Erbe nicht verfrühstücken.“ Dann schiebt der selbstständige Kommunikationsberater einen Satz nach, der insbesondere Fahrer von Dieselautos freuen wird: „Ich bin strikt gegen Fahrverbote.“

In Sachen Feinstaub werde auch der Elektromotor nichts bringen und was die Stickoxidbelastung angehe, so dürfe diese an Arbeitsplätzen in geschlossenen Räumen weit höher sein als im Freien: „Da sagt keiner was.“ Doch was soll die Landeshauptstadt Stuttgart tun, um die von der EU vorgegeben Grenzwerte einhalten zu können? „Da müsste auf EU-Ebene nachjustiert werden“, sagt Jürgen Braun.

Im Jahr 2013 ist der in Kirchberg an der Murr lebende, 1961 geborene Familienvater in die „Alternative für Deutschland“ (AfD) eingetreten. Vor der Bundestagswahl, wie er betont. Er sei immer ein politischer Mensch gewesen, bereits als Schüler habe er sich in der CDU engagiert. Dann aber irgendwann „die Schnauze voll gehabt von Parteipolitik und den Intrigen um Posten – ich war immer ein Mensch des Inhalts“. Seine Rückkehr habe eine Partei wie die AfD gebraucht, erklärt Braun und sagt, er sei „gegen das Berufspolitiker-Dasein“. Wie passt das zur Tatsache, dass er als Direktkandidat im Wahlkreis Waiblingen ein Bundestagsmandat anstrebt? Er denke an den Typ Berufspolitiker, „der nichts anderes als Parteipolitik gemacht hat“, präzisiert Braun.

Die AfD charakterisiert er als eine „Bürgerbewegung mit ganz verschiedenen Menschen“, unter ihnen „viele Idealisten, die in Sorge sind um unser Land“. Auch er sorge sich – um die Meinungsvielfalt, mit der es nicht mehr weit her sei, gerade in den Medien, die Braun als „Lückenpresse“ bezeichnet, denn „wesentliche Dinge werden nicht berichtet“. Stattdessen werde eine „falsche Harmonie“ beschworen, die ihm suspekt sei und daher brauche es eine bürgerlich-freiheitliche Opposition im Bundestag – die AfD.

„Bekloppte gibt es in jeder Partei“

Für ausgeprägte Harmonie ist die Partei tatsächlich nicht bekannt. Braun sagt, die AfD sei eben „eine breite Bewegung“, nun müsse man aber sehen, „dass es nicht zu breit wird“. Vielfalt an Meinung halte er für positiv, sie habe jedoch ihre Grenzen, „wo das Grundsatzprogramm nicht mehr beachtet wird“. Extremistische Ansichten möge er persönlich nicht. „Es gibt bei uns solche und solche“, sagt Braun, und: „Bekloppte gibt es in jeder Partei.“

Früher habe er sich um politisch Verfolgte in der DDR gekümmert, die ihn wegen seiner Kontakte zu Oppositionellen mit einem Einreiseverbot belegt habe, erzählt Jürgen Braun. „Menschenrechte“ nennt er als ein Lieblingsthema: „Wenn ich im Bundestag bin, will ich in den Menschenrechtsausschuss, weil man da vieles steuern kann.“ Er sei für eine „qualifizierte Zuwanderung“, Einwanderung und Asylverfahren müssten getrennt werden.

„Ziegenhirten nur begrenzt einsetzbar“

„Wer qualifiziert ist, sollte wie beim kanadischen oder australischen Modell überprüft werden“, findet Jürgen Braun, anders Anwärter mit dem „Beruf des Ziegenhirten, denn der ist begrenzt einsetzbar in Deutschland“. Menschen ohne Bleibeperspektive müsse man daher befähigen, „dass sie mit einem Rucksack guter Ideen in die Heimat zurückkommen“. Dafür habe seine Partei das Programm „Fit for return“ entwickelt, das eine Ausbildung in gesuchten Berufen bieten solle. Und das einige Kritik ausgelöst hat. In einem AfD-Flyer heißt es: „Das höchste Ziel ist die Rückführung in die Heimatländer der Flüchtlinge. Eine Zwangsintegration in die deutsche Gesellschaft ist deshalb nicht erforderlich“. Asylsuchende hätten „die Pflicht, ihnen angebotene Hilfe zur Beendigung ihres Asylstatus anzunehmen“, andernfalls werde der Asylstatus aberkannt. „Hier können wir ja vielen keine Perspektive geben“, argumentiert Jürgen Braun.

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