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Buch wirft Millionen ab Sarrazins neuer Reichtum

Claudia Lepping, vom 17.12.2010 18:01 Uhr
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Berlin - Beim Geld versagt sich Thilo Sarrazin jedes Risiko. "Ich sage immer: Das kommt aufs Konto und dann warten wir mal in Ruhe ab." Ein Honorar in Millionenhöhe soll bereits auf das Konto des ehemaligen Berliner Finanzsenators und früheren Bundesbank-Vorstands gegangen sein, seit der SPD-Politiker Ende August mit seinem umstrittenen Buch "Deutschland schafft sich ab" ein vernichtendes Urteil über Integrationsdefizite vor allem von türkisch- und arabischstämmigen Zuwanderern in Deutschland auf den Markt warf. Auch das laufende Weihnachtsgeschäft wird dem 65-Jährigen das Buchführen versüßen. Die aktuelle Druckauflage liegt inzwischen bei etwa 1,2 Millionen Exemplaren. Der Verlag schweigt selbstredend über Honorare seiner Autoren, doch Branchenexperten rechnen vor, dass Sarrazin dann mehr als drei Millionen Euro vor Steuern daran verdienen wird.

Während die SPD versucht, Thilo Sarrazin aus der Partei zu werfen. Nach Informationen unserer Zeitung hat Hamburgs früherer Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) eine mehr als 100 Seiten starke Erklärung für Thilo Sarrazin an das Schiedsgericht geschickt und vertritt ihn damit anwaltlich. Sowohl Sarrazins Ortsverband als auch die Zentrale im Willy-Brandt-Haus rechnen damit, dass das Parteiordungsverfahren die volle Länge von sechs Monaten überdauern wird. Die Genossen sind gespalten: Die einen meinen, die SPD sollte auf dieses Spektakel verzichten, weil Sarrazins Thesen nicht grundfalsch seien und die Partei ihn deshalb aushalten müsse. Die anderen werfen ihm wegen genetischer Ableitungen von Intelligenz reinen Sozialdarwinismus vor und wollen ihn möglichst bald hinauswerfen. Gemein indes ist allen die Sorge, dass sich der Prozess gegen den Rebellen über Monate hinzieht und vor allem den Berliner Landtagswahlkampf des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit überschattet. "Thilo Sarrazin wird uns noch viel Freude bereiten und freut sich vermutlich schon darauf", sagen führende SPD-Politiker. "Er schickt sich an, nicht nur der Aufreger des Jahres 2010 zu sein."

So wird die Auflage seines Buches wohl weiter steigen, während die SPD darum kämpft, das Ausschlussverfahren nicht zu verlieren. Entsprechend ist niemand zu Späßen aufgelegt, vom Noch-Parteifreund Sarrazin angesichts etwa augenzwinkernd Schmerzensgeld einzufordern - als Gegenleistung könne er ja in der SPD bleiben. Sehr wohl aber kann sich die Arbeitsgruppe Migration der Berliner SPD vorstellen, "dass Herr Sarrazin die hunderttausende Euro, die er durch den Verkauf seines Buches verdient, für die Bildung der Kinder aus einkommensschwächeren Schichten spendet". Die Landesparlamentarierin und AG-Vorsitzende Ülker Radziwill sagt: "Schließlich hat er die Gewinne aus dem Buchverkauf auf dem Rücken der Einkommensschwachen und sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen und durch Diskriminierung von Migrantengruppen erzielt. Daher ist es nur folgerichtig, dass er, wenn er Berlin etwas Gutes tun will, diese Gelder in die Bildungs- und Aufstiegschancen der Kinder steckt." Die Berliner Schulen warteten auf seine Spenden. Sie, Radziwill, könne ihm gerne Schulen empfehlen.

Doch Sarrazin hat noch nicht gefragt. Bei einem Fernsehauftritt betonte er sogar, dass seine Einnahmen aus dem Buchverkauf noch höher lägen als vermutet, da er besser mit seinem Verlag verhandelt habe als von vielen angenommen. Insider sind überzeugt, dass kein anderes politisches Buch je solche Aufmerksamkeit und mithin vergleichbare Verkaufszahlen erreicht hat.

"Der plötzliche Reichtum hat mein Leben nicht verändert", antwortet Ex-Banker Sarrazin, der voll pensionsberechtigt seit Oktober eine monatliche Altersversorgung von rund 10.000 Euro erhalten soll. Diese decke auch seine zuvor Ansprüche als Finanzsenator, Landes-Staatssekretär und Beamter im Bundesfinanzministerium ab. Seinen "freiwilligen Rückzug" aus dem Bundesbank-Vorstand soll er sich nach Vermittlung des Bundespräsidialamts mit weiteren 1000 Euro pro Monat vergüten lassen. Auch nach dem Erscheinen seines Buches mischt sich Sarrazin in die Migrationsdebatte ein. Notorischen Integrationsverweigern sollten Sozialleistungen so stark gekürzt werden, "dass sie unter das sozioökonomische Existenzminimum fallen".

 

Kommentare (12)
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DEZ
27
22:33 Uhr, geschrieben von Dieter Machmüller
@ Herr/Frau Th. Melber-Liebknecht: Sarrazin als zweiter Fehler...
Sie haben recht mit dem Hahn auf dem großen Misthaufen der da heisst Multikulti. Jahrzehntelang hat man allen Dreck aus der Totgeburt Multikulti mit Islamischen Zugereisten auf diesen Misthaufen gekehrt ohne sich darum zu kümmern. Die Probleme die das Volk seit Jahren ventiliert und von Sarrazin thematisiert wurden werden von der Meschpoke aus Gutmenschen und politischem Mainstream nicht aufgegriffen. Gutmenschen wie Sie rücken die Problemgruppe der Muslime und die mit Ihnen einhergehenden Gefahren in die Nähe der Opfer des Nazitums. Das ist eine Verhöhnung der Opfer der Shoa. Die Muslime sind alles andere als Opfer! Und schon garnicht vergleichbar mit Opfern des Nazi-Terrors! Kein Muslim der es nicht verdient hat wird in Deutschland verfolgt.
DEZ
23
12:18 Uhr, geschrieben von Th. Melber-Liebknecht
Sarrazin und der "Hauch einer neuen Epoche".
Wer gehofft hatte, Sarrazins Provokation gegen den Sozialstaat mit seinem dümmlichen Krampfbucht würde als das Krähen eines in die Jahre gekommenen eitlen Gockels abgetan, hat sich getäuscht. Der Hahn krähte offenbar auf einem großen Misthaufen, auf dem sich die selbsternannten Zeitgeistinterpreten wonnig suhlen und den Gestank der Jauche als Hauch einer neuen Epoche verkünden. Deutschland ist anscheinend bereit, Fehler zum zweiten Mal zu begehen. Lernen ist trotz PISA nicht angesagt.
DEZ
21
09:57 Uhr, geschrieben von Heinz
Nicht meckern
selber ein Buch schreiben. Der Erfolg dieses Buches zeigt wieder einmal wie anfällig unsere Gesellschaft gegenüber vermeintlichen Heilsbringern ist. Das "Mitläufer-Gen" hat sich seit der Zeit der Keule schwingenden Fell- und Geweihträger-Häuptlinge munter in uns gehalten. Man kann das auch jeden Montagabend in Stuttgart beobachten.
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