Bordell-Razzien Fünf Haftbefehle im Paradies

Von Wolf-Dieter Obst 

Ungebetener Besuch im Paradise: Die Polizei durchsuchte das Wellness-Bordell Foto: 7aktuell.de/Eyb
Ungebetener Besuch im Paradise: Die Polizei durchsuchte das Wellness-Bordell Foto: 7aktuell.de/Eyb

Nach einer Razzia gegen ein Stuttgarter Großbordell-Unternehmen mit verschiedenen Etablissements in Deutschland sind am Montag gegen fünf Verdächtige Haftbefehle erlassen worden.

Stuttgart - Nach einer Razzia gegen ein Stuttgarter Großbordell-Unternehmen mit verschiedenen Etablissements in Deutschland sind gestern gegen fünf Verdächtige Haftbefehle erlassen worden. Unter ihnen befinden sich auch zwei 48 und 49 Jahre alte Geschäftsführer. Polizei und Staatsanwaltschaft werfen insgesamt 15 Beschuldigten vor, ein Netzwerk von Menschenhandel, ­Zuhälterei und gewerbsmäßigem Betrug aufgebaut zu haben. Herzstück des Unternehmens ist das Großbordell Paradise in Leinfelden-Echterdingen, in der Nähe der Messe und des Flughafens. Das Haus auf den Fildern galt über Jahre als Vorzeigeobjekt für politisch korrekte Prostitution.

Nach Erkenntnissen der Ermittler sollen Frauen unter 21 Jahren illegal der Prostitution zugeführt worden sein. Mehrere Beschuldigte werden der rockerähnlichen Bande United Tribuns zugeordnet, die im Rotlichtmilieu agiert und für die Rekrutierung und Überwachung der Frauen verantwortlich gewesen sein soll. Den Verdächtigen wird überdies vorgeworfen, Investitionen von Geldgebern für private Zwecke missbraucht zu haben.

Bei der Polizeiaktion waren 900 Beamte in vier Bordellen, fünf Geschäftsräumen und 28 Wohnungen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen, in Österreich, Bosnien und Rumänien im Einsatz. Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) wertete die ­Razzia als „beispielhaft, wie über die Grenzen erfolgreich gegen Kriminalität vorgegangen werden muss“. Der Schlag zeige, „dass die Null-Toleranz-Strategie gegen rockerähnliche Gruppierungen vollkommen berechtigt ist“.

Der Eigentümer des Bordell-Imperiums spricht dagegen von „Unterstellungen“. Der Betrieb laufe normal weiter. Alle Frauen in seinen Häusern würden registriert und den Behörden gemeldet.

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