Börsen-Rekord Dax knackt magische 13 000-Punkte-Marke

Von Barbara Schäder 

Der Dax hat erstmals in seiner Geschichte die Marke von 13000 Zählern durchbrochen. Foto: dpa
Der Dax hat erstmals in seiner Geschichte die Marke von 13000 Zählern durchbrochen. Foto: dpa

Nach mehreren Anläufen hat der Deutsche Aktienindex einen weiteren Meilenstein geschafft. Analysten erwarten jetzt erst einmal eine Verschnaufpause.

Frankfurt - Immer wieder kratzte der Deutsche Aktienindex in den vergangenen Tagen an der magischen Marke von 13 000 Punkten. Nun hat der Dax den Rekord geknackt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Kursrallye:

Wieso wurde der Rekord gerade jetzt erreicht?

Angeführt wurde der Index von der Lufthansa-Aktie. Die Fluggesellschaft schloss am Donnerstag die zähen Verhandlungen um die Übernahme von Teilen der insolventen Air Berlin ab. Grundsätzlich geht es mit dem Dax aber schon seit Ende August steil bergauf. Neben der Rückkehr vieler Investoren aus der Sommerpause trug dazu wohl auch die Europäische Zentralbank (EZB) bei: Auf ihrer letzten Ratssitzung Anfang September verzichtete sie auf klare Signale für eine Abkehr von ihrer lockeren Geldpolitik. Viele Beobachter hatten für diesen Termin einen Fahrplan für einen Ausstieg aus den umstrittenen Anleihekäufen der Notenbank erwartet. Dass die Entscheidung darüber verschoben wurde, sorgte zwar bei vielen deutschen Ökonomen für Enttäuschung. Für Aktienkäufe ist es aber von Vorteil, wenn Geld noch lange billig bleibt.

Welche Rolle spielte die Bundestagswahl?

Vielen Deutschen bereiten die Stimmenverluste der großen Volksparteien Sorgen. So mancher internationaler Investor habe aber mit noch dramatischeren Verschiebungen gerechnet – und reagiere nun erleichtert, analysiert Christoph Ohme von DWS Investments, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. „Dass weder in Frankreich noch in den Niederlanden noch in Deutschland Extremisten an der Regierung beteiligt sind, hat außerhalb Europas für Erleichterung gesorgt – dort gab es vor den Wahlen durchaus größere Bedenken.“ Jetzt kehrten Investoren von anderen Kontinenten auf die europäischen Märkte zurück. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der spanischen Region Katalonien lassen die internationalen Börsen bislang kalt.

Die Kurse steigen nun schon seit Jahren – wie kommt das?

Die deutsche Wirtschaft hat sich nach der Finanzkrise 2008 relativ schnell erholt, schon im zweiten Quartal 2009 begann sie wieder zu wachsen. Befeuert wurde die Rally am Aktienmarkt in den Folgejahren durch die Zinssenkungen der großen Notenbanken, nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und Japan. Selbst die Euro-Krise trübte die Stimmung am deutschen Aktienmarkt nur kurz: 2011 knickte der Dax kräftig ein, seither hat er aber jedes Jahr mit Gewinn abgeschlossen. Dazu trug auch das Bekenntnis von EZB-Chef Mario Draghi bei, „alles Nötige“ zu tun, um den Euro zu retten. Mittlerweile wächst die Wirtschaft auch im krisengebeutelten Süden Europas wieder.

Wird nach dem jüngsten Höhenflug die Luft dünn?

„Wir gehen davon aus, dass mittelfristig – das bedeutet: über die nächsten zwei Jahre – der Aufwärtstrend bestehen bleiben sollte. Dafür spricht unter anderem das nach wie vor sehr niedrige Zinsumfeld“, sagt Hendrik König, Aktien-Analyst beim Bankhaus Metzler. „Nichtsdestotrotz könnte der DAX in naher Zukunft erst einmal eine Verschnaufpause einlegen. Gegenwind gibt es durch die jüngste Aufwertung des Euros.“ Eine starke Gemeinschaftswährung verteuert deutsche Aktien für Anleger aus anderen Weltregionen. Außerdem könnte der Höhenflug des Euro deutsche Unternehmen zur Senkung ihrer Exportpreise zwingen und damit Zweifel an den Gewinnerwartungen der Dax-Konzerne wecken.

Was passiert, wenn die EZB ihre Geldpolitik strafft?

Laut einem vergangene Woche veröffentlichten Sitzungsprotokoll hat die EZB Anfang September hinter verschlossenen Türen bereits darüber diskutiert, wann die Notenbank ihre umstrittenen Anleihekäufe zurückfahren könnte. Eine konkrete Entscheidung darüber soll auf der nächsten Ratssitzung am Monatsende fallen. Wenn die EZB wie erwartet bekannt gibt, ihre monatlichen Ausgaben für Staatsanleihen und andere Wertpapiere von derzeit 60 Milliarden Euro im nächsten Jahr allmählich zu reduzieren, wäre das für die Börse wohl unproblematisch. Denn die Zinsen auf Anleihen dürften dann nur langsam steigen. Aktien blieben damit für viele Vermögensverwalter noch lange die einzige Möglichkeit, höhere Renditen zu erzielen, meint Robert Halver von der Baader Bank: „Der Not gehorchend steigen die Aktienkurse.“ DWS-Fondsmanager Ohme meint, selbst bei moderaten Leitzins-Erhöhungen durch die EZB bliebe der Aufwärtstrend intakt: „Der Niedrigzins ist nicht mehr der Haupttreiber. Heute ist es vor allem das Gewinnwachstum der Unternehmen. Es hat sich seit Mitte letzten Jahres beschleunigt, unter anderem dank steigender Nachfrage aus Asien.“

Welche Risiken bleiben?

Metzler-Analyst König verweist auf „die bevorstehende Parlamentswahl in Italien, bei der sich ein Erstarken euroskeptischer Parteien abzeichnet“. Auch nach Ohmes Einschätzung gehen die größten Gefahren derzeit von der Politik aus: „Man muss die geopolitischen Risiken im Auge behalten. Der Streit zwischen den USA und Nordkorea ist noch nicht bereinigt, ebenso wenig der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, hinzu kommen die Krisenherde Nordafrika und Mittlerer Osten.“ Grundsätzlich aber gelte: „Von der fundamentalen Entwicklung der Unternehmen deutet derzeit nichts auf einen Abbruch des Bullenmarktes hin.“ Auch König betont: „Große Gewitterwolken, die eine Gefahr für den mittelfristigen Aufwärtstrend des DAX sein könnten, sehen wir derzeit nicht.“

Sind Aktien für Zukäufe jetzt nicht zu teuer?

Anzeichen für eine Blase sieht DWS-Fondsmanager Ohme nicht: „Die Bewertung deutscher Aktien liegt zwar leicht über dem langfristigen Schnitt, ist aber nicht irrational hoch und noch weit entfernt von historischen Höchstständen.“ Metzler-Analyst König empfiehlt, auf dem aktuellen Preisniveau besonders genau hinzuschauen: „Wir würden auf vereinzelte Themen setzen wie Digitalisierung, Erneuerbare Energien und Elektromobilität sowie auf Unternehmen, die von einer Jamaika-Koalition profitieren könnten.“

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