Berliner Staatsballett Malakhov: Abschied wider Willen

Nikolai B. Forstbauer, 01.02.2013 18:45 Uhr

Berlin - Die Nachricht ist nur wenige Zeilen lang. Vladimir Malakhov habe am Freitag den Tänzerinnen und Tänzern sowie den weiteren Mitarbeitern des Berliner Staatsballetts mitgeteilt, er werde das Haus „auf eigenen Wunsch“ zum Ende der Spielzeit 2013/2014 verlassen. Von „neuen Herausforderungen“ ist noch die Rede – und: „Einem alten russischen Sprichwort folgend möchte er sich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu konkreten Plänen äußern.“

2002 war Malakhov nach Berlin gegangen, nach sieben erfolgreichen Jahren als Starsolist des Stuttgarter Balletts. Intendant Reid Anderson hatte ihn aus Wien nach Stuttgart geholt. Der virtuose Techniker Malakhov und der im Ausdruck bestechende Robert Tewsley interpretierten die männlichen Hauptrollen der Ballette John Crankos neu.

Wie agierte Malakhov, zunächst Ballett­direktor an der Staatsoper, in Berlin? ­Unbestritten sind seine Verdienste um die technische Qualität der Kompanie. Wohl auch diese waren 2004 Voraussetzung für die Gründung eines eigenständigen Staats­balletts Berlin – mit Vladimir Malakhov als Intendant. Doch dieser Höhepunkt der eigenen Laufbahn markiert zugleich den Ausgangspunkt der schleichenden Zerrüttung zwischen Malakhov und der Berliner Kulturpolitik. Der Intendant als sein eigener Startänzer – damit füllt Malakhov die Vorstellungen. Der Intendant als mittel- und langfristig denkender Planer eines vielfältigen Programms – hier machen Beobachter schon früh ein Fragezeichen. Und so liest sich etwa eine Einordnung des Berliner „Tagesspiegel“ vom Oktober 2012 als eher ernüchtertes Fazit: „Das Staatsballett Berlin tanzt heute auf hohem Niveau und hat eine Garde von tollen Solisten. Auch wenn Polina Semionova nicht zu ersetzen ist.“ Wie berichtet, hatte Semionova, von Malakhov als 18-Jährige für die internationale Spitze entdeckt, vergangenes Jahr überraschend ihren Rückzug aus dem Ensemble des Berliner Staatsballetts bekanntgegeben. Der „Tagesspiegel“ fährt fort: „Aber jetzt zeigen sich auch deutlich Versäumnisse. Malakhov hat es in seinen acht Jahren als Chef des Staatsballetts nicht geschafft, ein interessantes und vielfältiges Repertoire aufzubauen. Dabei hat er freie Hand, seit das Ballett autonom ist. Bei seiner Spielplanpolitik lässt er sich zu sehr von den eigenen Interessen und ästhetischen Vorlieben leiten. Das Staatsballett Berlin droht zum Tanzmuseum zu werden, man denke an verstaubte Abend wie ,Glories of the Romantic Ballet’ oder Ausgrabungen wie ,Sylvia’.“

So wurde – und wird auch jetzt – viel ­spekuliert in Berlin. Offen warb man um Martin Schläpfer (der in Düsseldorf verlängerte), und aktuell glaubt mancher, die Berliner Kulturverwaltung sei sich bereits mit Nacho Duato einig. Sprach der Name Schläpfer für das Ziel einer künstlerischen Neuausrichtung, würde Duato eher die klassische Linie Malakhovs fortsetzen. Der Noch-Intendant zeigt sich derweil selbstbewusst. Er freue sich auf die neue Saison und die Feiern zum zehnjährigen Bestehen des Staatsballetts. Und ja, er werde auf der Bühne stehen – mit einem Programm seiner Wahl, mit dem man Vladimir Malakhov wohl bald als Reisenden erleben wird: „Malakhov & Friends“.

 
 
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