Beispiellose Serie in Filderstadt Einmal im Monat sind Einbrecher zu Besuch

Von Sascha Schmierer 

„Wer kann denn auch ahnen, dass das so oft passiert?“ – Renate Tielesch zeigt auf die jüngsten Einbruchsspuren an der Eingangstüre. Foto:  
„Wer kann denn auch ahnen, dass das so oft passiert?“ – Renate Tielesch zeigt auf die jüngsten Einbruchsspuren an der Eingangstüre.Foto:  

Ein kleiner Zeitschriftenkiosk im Filderstädter Ortsteil Sielmingen wird von einer beispiellosen Einbruchsserie heimgesucht: Seit August 2015 setzten Langfinger bereits fünf Mal das Stemmeisen an. Jetzt gibt es eine Alarmanlage.

Filderstadt - Ihren Humor hat Renate Tielesch noch nicht ganz verloren – auch wenn es der 55-jährigen Geschäftsfrau manchmal eher zum Heulen zumute ist. Denn ihr kleiner Laden für Tabak und Zeitschriften am Rathausplatz im Filderstädter Ortsteil Sielmingen ist in den vergangenen Monaten zum Ziel einer fast schon grotesk anmutenden Einbruchsserie geworden. Sage und schreibe fünf Mal setzten Langfinger seit August 2015 das Stemmeisen an, um im Schutz der Nacht schnelle Beute zu machen. „Wer kann denn ahnen, dass das so oft passiert“, sagt die fassungslose Kioskbesitzerin.

Vier der fünf Einbruchsversuche in der Ortsmitte verliefen erfolgreich, nur einmal wurden die Täter gestört, weil eine aufmerksame Zeugin die Polizei alarmierte. Unter den Nagel rissen sich die Einbrecher stangenweise Zigaretten, auch der Verlust bei Energy-Drinks und Alkohol, Süßigkeiten und Feuerzeugen summiert sich in mittlerweile schwindelerregende Höhen. Allein beim bisher letzten Einbruch, kurz vor dem Jahreswechsel verübt, erreicht der Wert des Diebesguts nach Schätzung der Polizei eine bis zu fünfstelligen Betrag. Hinzu kommt ein Schaden von mindestens tausend Euro am mit roher Gewalt aufgehebelten Eingang.

Vier der fünf Einbruchsversuche waren erfolgreich

Das ist viel Geld für einen kleinen Kiosk – zumal wenn es sich nicht um einen Einzelverlust, sondern um eine beispiellose Diebesserie handelt. Der Verdacht, dass der Kiosk zu schlecht gesichert ist, trifft laut Tielesch höchstens auf die aus vergleichsweise dünnem Blech bestehende Eingangstür zu. Doch auch durchs Fenster und die stählerne Sicherheitstür auf der Rückseite des Pavillons sind Täter schon erfolgreich eingedrungen. „Ganoven haben einen Blick für so etwas“, hat der von der Versicherung nach Sielmingen geschickte Gutachter der resoluten Kioskbesitzerin im Herbst erklärt. Aufs Geld für die Reparatur der Tür wartet Renate Tielesch noch.

Dabei hatte die 55-Jährige sich Anfang Dezember leise Hoffnungen gemacht, dass die regelmäßigen Diebstähle ein Ende haben. Nach einem Einbruch im Kiosk fiel einer Polizeistreife ein 24-Jähriger auf, der um 3.30 Uhr in einem in der Mühlwiesenstraße abgestellten Polo saß. Weil am Auto nicht nur das Licht brannte, sondern auch mit Tabak im Wert von 6000 Euro gefüllte Säcke auf dem Rücksitz standen, kam der aus dem Kosovo eingereiste Verdächtige in Untersuchungshaft – und Renate Tielesch frohlockte schon, dass endlich Ruhe ist.

Im Dezember hoffte die Kioskfrau, dass endlich Ruhe ist

Doch nicht mal vier Wochen später schlugen unbekannte Täter jetzt wieder zu – und räumten den Kiosk am Rathausplatz erneut aus. Renate Tielesch hat deshalb nun eine Alarmanlage installieren lassen. Und will mit dem Vermieter reden, ob sich die ruinierte Eingangstür durch ein einbruchssicheres Modell ersetzen lässt. Denn aufgeben will die Kioskbesitzerin nicht. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, sagt sie – und berichtet von treuen Kunden, die sie ermuntert hätten, den kleinen Laden bitte nicht zu schließen. Deshalb räumen Tochter Sandra und Ehemann Bernd am Donnerstag wieder mal Regale ein. Übung, das steht nach fünf Einbrüchen in einem halben Jahr fest, haben sie ja inzwischen.

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