Bankenfusion in Fellbach Von Veraudunus zu Württemberg

Von Dirk Herrmann 

Die Grabkapelle auf dem Württemberg aus der Vogelperspektive. Foto: -Achim Mende
Die Grabkapelle auf dem Württemberg aus der Vogelperspektive.Foto: -Achim Mende

Der Historiker Reinhold Scheel findet den neuen Namen Volksbank am Württemberg nach der Fusion der Fellbacher und der Untertürkheimer Bank durchaus sinnvoll. Das erklärt er anhand der Geschichte der Grabkapelle.

Fellbach - Und wo bleibt unser Fellbach? Etliche ratlose Gesichter gab es jüngst beim Fellbacher Bank Forum in der Schwabenlandhalle, als Vorstandssprecher Ingolf Epple den Namen des neuen Instituts nach der Fusion von Fellbacher Bank und Untertürkheimer Bank verkündete: Volksbank am Württemberg. Hat der Kappelberg gar als Orientierungshügel für Fellbächer, Schmidener und Oeffinger ausgedient?

Der Fellbacher organisiert Führungen durch die Grabkapelle

Einer, der sich in der Materie auskennt wie kaum ein zweiter und den Sachverhalt speziell aus Fellbacher Sicht nicht ganz so dramatisch sieht, ist Reinhold Scheel. Der 69-jährige Fellbacher ist studierter Historiker und organisiert seit zehn Jahren Führungen durch die Grabkapelle auf dem Württemberg. Bei einem Kurzausflug hinauf bis Rotenberg lotst Scheel seinen Begleiter auf die Nordseite der Kapelle – und deutet hinab ins Tal und auf die andere Hangseite: „Schauen Sie, da unten ist fast alles noch Fellbacher Markung.“ Aus seiner Stofftasche zückt er eine detailreiche Landkarte: „Die besten Fellbacher Weinlagen, Hinterer und Vorderer Berg, Goldberg, Lämmler, liegen da unten mit idealem Blick auf den Württemberg.“ In der Ferne ist die 100 Meter lange Alte Kelter an der Untertürkheimer Straße zu erkennen, hinter dem Kappelberg lugt die gelbe Spitze der Baustelle des neuen Super-Hochhauses hervor. „Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Sie von den oberen Stockwerken des Wolkenkratzer auch hierher zum Württemberg sehen können.“

Der Württemberg liegt genau in der Mitte

Nicht nur aus diesen Gründen kann sich Scheel, selbst Mitglied der Fellbacher Bank, mit dem Namen nach der Fusion anfreunden. „Der Württemberg liegt doch genau in der Mitte, hat Bezugspunkte zu Untertürkheim wie zu Fellbach. Und irgendeinen Namen mussten sie ja nehmen – und Fellbacher-Untertürkheimer Bank wäre vielleicht doch etwas lang geraten.“

Scheel zeigt zur Schrift über dem Eingang der Grabkapelle: „Die Liebe höret nimmer auf.“ Damit würdigte 1824 König Wilhelm I. von Württemberg seine früh im Alter von 31 Jahren verstorbene zweite Frau, die Zarentochter Katharina Pawlowana. Aus Anlass ihres Todes ließ er 1819 die auf dem äußersten westlichen Ausläufer des Schurwalds gebaute Stammburg Wirtemberg abtragen und ein prachtvolles Mausoleum errichten.

Der Name Verdun hat den selben Ursprung

Scheel, der als Museumspädagoge zum Team der Gästeführer in der Grabkapelle gehört, hat noch etliche historische Schmankerl parat. Beispielsweise: Woher kommt der Name des Berges, der seit 1907 offiziell „Württemberg“ lautet? Scheel verweist auf den Historiker Harald Schukraft: Der vermutet, dass der Name des Berges auf eine keltisch-römische Gottheit Veraudunus zurückgehen könnte. In einigen Gegenden Europas ist Veraudunus ebenfalls Namenspatron: Wirdenberg/Widdebierg in Luxemburg, Verdun in Frankreich, Virton in Belgien. Oder in Deutschland Werden an der Ruhr und Verden an der Aller – allesamt keltische Siedlungsgebiete.

Dass man den Württemberg und die Grabkapelle erst sieht, wenn man aus dem Ortskern von Alt-Fellbach heraustritt, ist für Scheel kein Hinderungsgrund für die Namensgebung der neuen Bank, „denn in Untertürkheim hat man ja das gleiche Phänomen.“

Und der Historiker listet noch ein paar weitere Argumente auf. Bereits vor einigen Jahren haben sich die Weingärtner Uhlbach und Rotenberg zum Collegium Wirtemberg zusammengeschlossen. Der Name Volksbank am Württemberg sei also „gar nicht so weit hergeholt und ist halb so großspurig, wie er auf den ersten Blick erscheinen mag“, gibt Scheel eine sanfte Replik auf den Kommentar in unserer Zeitung. Im Übrigen habe das international vernetzte Haus Württemberg noch nie Schwierigkeiten mit dem „Ü“ gehabt. Denn, so sein trockener Kommentar: „Im Notfall wurden die Tüpfelchen einfach weggelassen.“

Lesen Sie jetzt