Galerienrundgang Art Alarm Farbstarkes Plädoyer für den Kunststandort Stuttgart

Von Nikolai B. Forstbauer 

Stuttgarts Privatgalerien zeigen zum Art Alarm am 23. und 24. September die ganze Breite aktueller Kunst: vom Hans-Thoma-Preisträger Platino über Kunstmarktlieblinge wie Jochen Hein. 17 Galerien beteiligen sich an dem Rundgang. Die „Stuttgarter Nachrichten“ bieten am 23. September eine exklusive Führung an.

Stuttgart - Wer Erfolg haben will, darf drei Punkte nicht vernachlässigen: eine klare Zielorientierung, Geschlossenheit und Zuversicht. Das gilt auch in der Kunstszene auf allen Ebenen. Entsprechend energisch schüttelt man in der Metropolregion Stuttgart die Diskussionen über den Schwund der Privatgalerien in den vergangenen fünf Jahren ab. Vor ­allem die Landeshauptstadt selbst musste mit Galerieschließungen (Anja Rumig, ­Hollenbach, Franke) und Ortswechslern (Friese nach Berlin, Parrotta nach Köln) kämpfen. Und doch ist die Botschaft klar: „Der Kunststandort Stuttgart ist ­besser als sein Ruf“, verkündeten Thomas Fuchs (Galerie Thomas Fuchs) und Kay ­Kromeier (Galerie Schlichtenmaier) in unserer Zeitung.

Fuchs und Kromeier sprechen nicht nur für sich und ihre Galerien – sie stehen auch in der Verantwortung für den diesjährigen ­Galerienrundgang. Der Art Alarm eröffnet schon traditionell die neue Kunstsaison – in diesem Jahr am Samstag, 23. September, außerdem am Bundestagswahl-Sonntag, 24. September. Zwei Tage lang sind die Türen von 17 ­teilnehmenden Galerien weit geöffnet. „Der Art Alarm“, sagt Kay Kromeier, „bietet die Chance, sich umfassend zu informieren, sich selbst im besten Sinn ein Bild von der Kunst zu machen.“

Überraschungen sind beim Art Alarm Programm

Gerne verweist Thomas Fuchs auf die ­„besondere Neugierde“ des Kunstpublikums in der Region Stuttgart. Das Art-Alarm-Programm scheint wie gemacht für ­Überraschungen. Da wird ­etwa die Galerie Michael Sturm (Christophstraße 6) nicht nur zur Bühne für den etablierten Schweizer Maler Dave Bopp, sondern auch für die öster­reichische Künstlerforscherin Anna ­Kubelik, 2015 bis 2016 Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude.

Da überrascht die Galerie Andreas Henn (Wilhelmsplatz 8) mit Klangobjekten und musikalischen Grafiken von Nikola Lutz, und der Galerist Rainer Wehr zieht mit den Objekten und Installationen noch ­einmal alle Register einer Kunst, die ebenso heiter wie meinungsstark sein kann. Nicht minder eindringlich: das Engagement der Galerie Abt Art (Stuttgart-Möhringen, Rembrandt­straße 18) für die Fotografenlegende Walter Schels mit einer durch den nicht ­minder renommierten Klaus Honnef ­er­arbeiteten Schau. Eine besondere Rolle in den Art- Alarm-Ausstellungen spielt die Farbe. Nicht nur, weil ­Platino, für seine Installationen und ­Raumentwicklungen jüngst mit dem Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg geehrt, in der Galerie Schlichtenmaier (Kleiner Schlossplatz 11) seine „Red Space“-Folge aufscheinen lässt.

Für Furore dürfte der Aufritt von Jochen Hein in der Galerie Thomas Fuchs (Reinsburgstraße 68) sorgen. Was realistisch ­erscheint, erweist sich buchstäblich als ­Farbenmeer. Die Kunst ist unberechenbar. Wieder einmal. Und zum ­Neuantritt der Kunstregion Stuttgart genau zum richtigen Zeitpunkt.

Lesen Sie jetzt