An der Autobahn Rastanlagen werden zu Müllhalden

Gregor Preiss, 10.02.2013 14:00 Uhr
Immer mehr Wildpinkler und illegale Müllentsorger machen die Arbeit der Autobahnmeistereien zu einem schmutzigen Geschäft. Um illegale Abfallentsorger zu stoppen, werden auf Autobahnparkplätzen die Müllcontainer abgebaut

Freiburg/Stuttgart - Sie sind kein Ort zum längeren Verweilen. Autofahrer nutzen Raststätten und Parkplätze entlang von Autobahnen meist nur für die Kaffeepause oder zum Austreten. Dennoch wünscht man es sich sauber und behaglich – entsprechend der hohen Preise, die an den Raststätten für Essen und Toilettengang bezahlt werden.

Sauber ist es in der Regel aber nur in den Restaurants und Tankstellen. Drum herum sieht es meist aus wie im Saustall. Weggeworfener Abfall und überquellende Mülleimer zieren das Bild zwischen Parkbuchten und Grünanlagen. Von „verschissenen Landschaften“ spricht ein Mitarbeiter einer Autobahnmeisterei in Baden-Württemberg.

Es ist es ein schmutziges Geschäft, das er und seine Kollegen täglich zu verrichten haben. Das Beseitigen von Fäkalien und vollen Urinflaschen, die Lkw-Fahrer gern aus dem Fenster werfen, sind das eine. Das derzeit noch größere Problem ist aber der Müll. Gemeint sind nicht Reiseabfälle wie leere Coladosen und Pappbecher, sondern richtiger Sperrmüll – vom Bauschutt bis zum alten Kühlschrank.

„Es muss sich herumgesprochen haben, dass man an der Autobahn seinen Gewerbemüll kostenlos entsorgen kann. Wir haben auf den unbewirtschafteten Parkplätzen Müllmengen, das ist nicht mehr normal“, heißt es bei der Autobahnmeisterei Freiburg. Auf einzelnen Parkplätzen summierten sich die eingesammelten Mengen auf vier bis fünf Tonnen im Monat. Zwischen 2011 und 2012 hat sich die Gesamtmenge im Regierungsbezirk Freiburg um 50 Prozent ­erhöht.

Unter den Übeltätern sind sowohl Privatpersonen als auch Kleinunternehmer. Nur in seltenen Fällen wird mal einer erwischt. Intern wird über unklare Zuständigkeiten zwischen Polizei und Straßenbaubehörden geklagt – Anzeigen würden oft hin und her geschoben, bis sie versandeten.

Die A 5 ist ein besonders beliebter Müllabladeplatz

Um das Müllproblem in den Griff zu bekommen, ergreift das Regierungspräsidium (RP) nun ungewöhnliche Maßnahmen: Auf einigen Parkplätzen entlang der A 5 wurden bereits die ersten Müllcontainer entfernt, weitere sollen folgen. Wo kein Müll liegt, da wird auch keiner mehr abgeladen, lautet die Hoffnung der Behörde. Man will erreichen, dass die Autofahrer ihren Müll wieder mitnehmen, wenn sie kein geeignetes Behältnis vorfinden. Die normalen Mülleimer sollen dagegen stehen bleiben. Auch an den bewirtschafteten Rastanlagen soll es weiter Container geben. Vorbild ist Österreich, wo auf Parkplätzen schon länger keine größeren Mülleimer mehr stehen. Laut Freiburger RP hat sich der Versuch dort bewährt.

Die A 5 zwischen Karlsruhe und Basel scheint ein besonders beliebter Müllabladeplatz zu sein. Entlang der A 8 in Ost-West-Richtung stellt sich das Problem nach Auskunft der Autobahnmeisterei Kirchheim/Teck nicht ganz so schlimm dar. „Das Müllabladen hat sich auf einem hohen Level eingependelt, aber wir stellen zumindest keine weitere Zunahme fest“, erklärt Peter Szautner, Leiter der Meisterei.

Dennoch ist man auch hier aktiv geworden. Statt Container zu entfernen, ersetzt man sie durch sogenannte Unterflurcontainer, wie sie auch auf der Stuttgarter Königstraße zu finden sind. Die Behältnisse haben oben nur eine kleine Öffnung, der Abfalltank befindet sich unter der Erde. Der aufgeräumte äußere Eindruck soll vom illegalen Müllabladen abhalten. Die ersten Erfahrungen seien positiv, heißt es.

 
 
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