Abzocke im Ausland Italien: 500 Euro für einen –

Gregor Preiss, 15.08.2012 08:00 Uhr

Rom/Stuttgart - Wer im Ausland mit dem Auto unterwegs ist, weiß, dass er sich besser nichts zu Schulden kommen lässt. Bußgelder sind meist um ein Vielfaches höher als hierzulande. Italien ist da keine Ausnahme. Wer 20 km/h zu schnell fährt und erwischt wird, berappt mindestens 160 Euro (in Deutschland kostet dasselbe Vergehen 35 Euro).

Die 160 Euro für zu schnelles Fahren sind aber nichts im Vergleich zu den 500 Euro, die Carabinieri einem deutschen Autofahrer für einen unzulässigen Bindestrich im Fahrzeugschein abgeknöpft haben. Zumindest wabert diese Geschichte seit Tagen durch diverse Verkehrsforen im Internet. Andere Urlauber wollen ähnliche Erfahrungen in Italien und in Österreich gemacht haben.

Neue Euro-Kennzeichen haben keinen Bindestrich

Doch was hat es mit dem Bindestrich auf sich? Die Polizisten bemängelten demnach die mangelnde Übereinstimmung zwischen dem im Fahrzeugschein eingetragenen und dem am Fahrzeug angebrachten Kennzeichen. Im Fahrzeugschein war ein Bindestrich zu viel – bzw. auf dem Nummernschild einer zu wenig. Die Erklärung: Die zwischen 1994 und 2000 eingeführten Euro-Kennzeichen werden ohne Trennstrich ausgeliefert. Zum Beispiel S  TN 1234. Bei den alten Kennzeichen waren Ortskennzeichnung und die nachfolgende Buchstabenkombination noch mit einem „–“ getrennt.

Auf Grund automatischer Erfassung wird der Bindestrich jedoch noch immer in den Fahrzeugschein mit aufgenommen, erklärt das Landratsamt Tübingen stellvertretend für alle anderen Zulassungsstellen in Deutschland. Seit man um die Vorfälle aus Italien wisse, wird der Bindestrich nicht mehr eingedruckt. Das Landratsamt empfiehlt deshalb allen Autofahrern einen Blick in den Fahrzeugschein. Änderungen werden zum Kulanzpreis von einem Euro vorgenommen. Andere Zulassungsstellen verlangen hingegen den vollen Umschreibungspreis in Höhe von 9,70 Euro.

Die 500 Euro sind laut ADAC nicht rechtens

Doch immer noch besser als 500 Euro – unter dem Vorbehalt, dass es sich bei den Abzock-Berichten nicht um Urlauber-Garn handelt. Die Automobilclubs ADAC und ACE konnten die Vorfälle bislang nicht verifizieren. Abfragen bei ihren Partnerclubs in Österreich und Italien hätten keine Aufklärung erbracht. Ausschließen will aber ­niemand etwas.

ADAC wie ACE raten Autofahrern in solchen Fällen, erst einmal zu zahlen. Auf jeden Fall sollten sie sich aber einen Beleg geben lassen und sich danach einen Anwalt nehmen oder sich an ihren Auslandsrechtsschutz wenden. Das Vorgehen der Polizisten ist nach Ansicht des ADAC auf keinen Fall rechtens – das Auto wurde schließlich ordnungsgemäß zugelassen.

Italienische Behörden geben sich zurückhaltend

Die Geschichte hat sich bis zu italienischen Einrichtungen in Deutschland her­umgesprochen. Bei der Zentrale für Tourismus in Frankfurt spricht man verlegen von einem „heiklen Fall“. Man stehe „mit dem Verkehrsministerium in Rom in Kontakt“. Was aber dauern könne. Die Botschaft in Berlin verweist ebenfalls auf die Behörden in Italien, von denen noch keine Informationen vorlägen. Gestern war Ferragosto – einer der höchsten Feiertage Italiens.

 
 
Kommentare (5)
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SEP
04
Ralf, 10:06 Uhr

Selbsterfüllende Prophezeiung oder Urban Legend?

Hi, da es in keinem Forum auch nur im Entferntesten Nachweise zu dem Thema gibt fällt das für mich klar in die Kategorie der urbanen Legenden. Nur: Warum sollte sich nicht ein Österreichischer Polizist diese Legende zu Nutzen machen und das Geld einfordern? Dort wird es ja (nachgewiesenermassen) mit dem Gesetzt nicht ganz so genau genommen wenn es darum geht Autofahrer aus dem angrenzenden Ausland abzuzocken.

AUG
21
Snowman, 22:26 Uhr

Beweise?

Und wo ist der Beweis? Wenn einem so etwas passiert, gibt es einen Leitfaden des ADAC, nachdem man in einem vorliegenden Fall diesen sofort der Juristischen Zentrale des ADAC melden sollte. Bitte mit handfesten Beweisen wie einem Strafmandat in dem der Grund dafür festgehalten ist. Mündlich ausgedrückt, kann es sich um eine Ente handeln, denn mündlich kann man vieles sagen. Eine derartige Beanstandung wäre darüberhinaus illegal und würde keiner juristischen Überprüfung standhalten. Sollte man aber selber angehalten werden, auf jeden Fall ein Dokument verlangen, in dem der Grund festgehalten ist. Ansonsten ist eine juristische Anfechtung unmöglich. Auf keinen Fall bar und gleich bezahlen. Wenn gefordert, stinkt das Ganze nach Schwarzgeld und Polizei-Wilkür - was es auch so ist. Vor allem aber gilt: Ruhe bewahren und nicht voreilig 10,20 Euro aus dem Fenster werfen.

AUG
17
Armin, 20:46 Uhr

Leider keine Sommerloch-Geschichte

Ein Nachbar hat eben völlig aufgelöst das Gleiche erzählt. 500 Euro musste er berappen. Ein Skandal. Man hatte ihn in Österreich angehalten und mit Stillegung des Fahrzeugs gedroht weil er nicht zahlen wollte. Er kam gerade vom Landratsamt, wo er jetzt seinen Fahrzeugschein hat umschreiben lassen. Deswegen habe ich gerade nach Berichten recherchiert. Ist ja in Österreich nicht das erste mal, dass deutsche Autofahrer abgezockt werden. Ich muss demnächst auch durchfahren. Jetzt werde ich wegen den Ösis wohl meinen Fahrzeugschein abändern lassen. Der Strich ist bei mir natürlich auch drin. Das nervt. Langsam muss man sich überlegen, ob man überhaupt noch nach Österreich fährt.

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