Abfangjäger in Stuttgart Oft Funkstille bei Passagierjets

Von Wolf-Dieter Obst 

Die Aufregung war groß, als zwei Abfangjäger am Samstagabend eine Passagiermaschine zur Landung am Stuttgarter Flughafen aufforderten. Die Besatzung hatte Probleme mit der Funkverbindung – ein Phänomen, das in Deutschland offenbar immer häufiger auftritt.

Stuttgart - Der Einsatz von Abfangjägern der Bundeswehr, die am Wochenende eine Passagiermaschine aus Seoul (Südkorea) zum Stuttgarter Flughafen lotsen mussten, macht ein Problem in der Luftfahrt offenkundig: Immer öfter herrscht bei Passagiermaschinen verdächtige Funkstille. Das Bundesamt für Flugsicherung verzeichnete im vergangenen Jahr 277 Fälle, bei denen die Kommunikation abbrach – ein absoluter Rekordwert.

Offenbar war der Defekt an der Funkanlage der Boeing 777 der Korean Air schnell behoben. „Die Maschine ist am Sonntag gegen 12 Uhr leer nach Zürich gestartet“, sagt die Stuttgarter Flughafensprecherin Beate Schleicher. Die 211 Passagiere waren in Bussen zu ihrem Ziel gebracht worden. Über den Defekt an der Funkanlage und die mögliche Ursache gibt es keine Angaben.

Am Vorabend hatte erheblich mehr Aufregung geherrscht – kaum jemand in der Region, der nicht aufmerksam wurde: Zwei Abfangjäger der Bundeswehr hatten die Passagiermaschine von Seoul nach Zürich von Neuburg/Donau aus einholen müssen und mit Überschallgeschwindigkeit einen doppelten Knall ausgelöst. Bei der Polizei gingen besorgte Anrufe ein: Beim Polizeipräsidium Reutlingen 150, beim Präsidium Aalen etwa 100 und in Stuttgart 15.

Die Zahlen in der Statistik steigen

Die Luftwaffe wird jährlich in 20 bis 30 Fällen alarmiert, weil andauernde Funkstille als sicherheitsrelevante Gefahr gilt. „Dabei handelt sich um keine militärische Aktion“, betont Pressestabsoffizier Roman Ladenko. Vielmehr gehe es um einen freiwilligen Mitflug in einem Luftnotfall.

Der Abbruch einer Funksprechverbindung ereignet sich derweil immer häufiger – meistens, weil die Besatzung die falsche Frequenz eingestellt hat. „Solche Vorgänge müssen seit 2014 gemeldet werden“, heißt es beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung. Gab es 2012 noch 41 Fälle eines andauernden Verlustes der Kommunikation, waren es im vergangenen Jahr 277.

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