Welche Produktionen kommen am besten an?
Shakespeares "Sommernachtstraum" ist in mehreren Inszenierungen und Wiederaufnahmen das beliebteste Stück mit knapp 10.000 Zuschauern. Danach folgt Schillers "Kabale und Liebe". Der Klett-Verlag war von unserer Bearbeitung überzeugt und hatte diese den Informationsmaterialien für Lehrer beigelegt, da kamen viele Schulklassen. Zu "Arsen und Spitzenhäubchen" gab es ein immens gutes Wetter, sechs Wochen lang waren die Vorstellungen ausverkauft. An vierter Stelle der Publikumsfavoriten steht Molieres "Geiziger" mit 6500 Zuschauern.
Wie wichtig ist die Musik in den Produktionen?
Sie ist immens wichtig, und mit John King haben wir einen ganz herausragenden Bühnenmusiker, der international sehr gefragt ist. Bei uns hat er "Faust", "Steppenwolf" und "Der Process" gemacht, das sind unheimlich schöne Arbeiten. Aber auch in anderen Produktionen ist die Musik sehr wichtig. Denn es gibt bei uns keinen Vorhang, und es ist nie wirklich still. Die Musik stellt Stimmungen her und unterstützt Intensität. Auch beim Kindertheater kommen viele auf uns zu und loben die Musik.
Was hat sich an der Konzeption in den vergangenen 20 Jahren geändert?
Durch den kontinuierlichen Erfolg und unsere gewachsene Erfahrung werden die Produktionen immer größer. Grundsätzlich ist es unsere Konzeption, möglichst große Stücke mit möglichst wenig Leuten zu machen. So entsteht eine hohe Dichte mit viel Wärme. Anfangs waren wir zu uns da sehr streng, dass jeder eine sinnvolle Kombination von Doppelrollen spielt. Auf diese Weise wird die Psychologie einzelner Charaktere vielfältiger, und es entstehen neue Sehweisen. Üblicherweise werden solche Stücke nicht mit nur vier oder fünf Schauspielern besetzt. Hesses "Steppenwolf" durfte lange nicht aufgeführt werden, dann war die Uraufführung in Wien an der Volksbühne mit 25 Schauspielern, wir haben das zu dritt gemacht. Das gilt auch für Komödien wie den "Diener zweier Herren". Inzwischen ist aus der Not eine Tugend geworden. Im Film "Purple Rose Of Cairo" tauchen 20 bis 30 Figuren auf, wir spielen das mit fünf Schauspielern.
Erinnern Sie sich noch an die Anfänge?
Vor 20 Jahren war der Garten eine richtige Wildnis, durch die man kaum durchkam. Nur in der Mitte war eine kleine Lichtung, und wir haben beschlossen, genau dort Theater zu machen. 1900 Zuschauer kamen im ersten Jahr zu "Venus und Adonis", gerade mal 80 Zuschauer konnten eine Vorstellung sehen. Zunächst war das ein Geheimtipp, später hat sich das in Stuttgart herumgesprochen. Nach fünf Jahren gab es die Landesförderung, von da an ging es steil bergauf. Inzwischen ist jeder Zentimeter im Garten durchkultiviert, genutzt und gepflegt. Wir haben ja aus England die Technik importiert, mit der sich die mit Efeu überwachsenen toten Bäume erhalten lassen, die sonst üblicherweise gefällt werden. Da entstehen unheimliche Skulpturen, die den Garten prägen.
Gab es denn mal Überlegungen eines Umzugs oder eines Ausbaus?
Mit 11.500 Zuschauern wie im vergangenen Jahr ist der Garten sehr gut ausgelastet, das kann die Infrastruktur gerade noch meistern. Es ist so wunderschön und einmalig - wo gibt es sonst noch ein Freilufttheater mitten in der Stadt mit so viel Grün? Das ist wie ein Urlaubsabend. Wir sind froh, wenn wir weitermachen können wie gehabt. Ich glaube, auch die Stadt Ludwigsburg ist sehr froh, dass dieser Ort so genutzt wird. Ein Umzug steht also nicht an, da würde viel kaputt gehen, es ist ja sehr intim für Freilufttheater. Maximal 250 Besucher können pro Aufführung kommen, das ist ein ganz nahes Theatererlebnis. Es ist eine feine und kleine Sache.