17 Städte wollen Fußball-EM Euro 2024: Stuttgart mit guten Chancen

Von Gunter Barner 

Die Mega-Sause von der Fußball-WM 2006 ist noch in bester Erinnerung. Und so wie die Dinge liegen, hat Stuttgart glänzende Aussichten, in sieben Jahren wieder Party zu machen. Die Experten sind sicher: Die Fußball-Europameisterschaft kommt an der Landeshauptstadt nicht vorbei.

Stuttgart - Wer dabei war, bekommt bis heute noch Gänsehaut. 7. Juli 2006: Vor das Steigenberger Hotel Graf Zeppelin rollt der Bus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. 6000 Fans fluten den Platz vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Sie feiern einen berühmten Sohn ihrer Stadt: Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Und sie jubeln einer Mannschaft zu, die am Tag darauf ihren grandiosen Schlusspunkt hinter das Sommermärchen setzt: Deutschland fegt im kleinen Finale der Fußball-Weltmeisterschaft die Portugiesen mit 3:1 aus dem Daimlerstadion. Noch einmal ist die Stimmung auf dem Siedepunkt, ein letztes Mal rockt die WM-Party die Stadt.

Wenn alles glatt läuft, könnte Stuttgart 2024 wieder zum großen Sommer-Ball bitten. Und Europa wäre zu Gast.

Alle Voraussetzungen erfüllt

Die Landeshauptstadt bewirbt sich mit 16 anderen Städten als Austragungsort für die Fußball-Europameisterschaft in siebeneinhalb Jahren. Und gemessen an dem, was solch ein Turnier an Voraussetzungen verlangt, liegt der Ball für Stuttgart fast schon auf dem Elfmeterpunkt. Denn eigentlich ist alles vorhanden, was die Festspiele brauchen. Ein zeitgemäßes Stadion, eine moderne Infrastruktur, der perfekte Standort im deutschen Südwesten, die Erfahrung mit Großveranstaltungen und ein begeisterungsfähiges Publikum.

Fehlt nur noch, dass die Europäische Fußball-Union (Uefa) im September nächsten Jahres den Daumen über der Bewerbung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) hebt. Wenn es stimmt, was die Propheten in Nyon und Frankfurt tuscheln, dann geht der DFB als Favorit ins Rennen gegen die Türkei. Zuletzt hatten Schweden, Dänemark und Norwegen noch den Finger gestreckt – aber die gemeinsame Bewerbung scheiterte am Abpfiff der Norweger.

Auch Karlsruhe am Ball

Mit welchen zehn Spielorten der deutsche Fußball ins Duell gegen die Türkei gehen wird, entscheidet sich im Laufe des Jahres. Bis dahin dürfte es noch die eine oder andere Rangelei unter den Bewerbern geben. Neben den zwölf WM-Spielorten 2006 (Berlin, Dortmund, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Köln, München, Nürnberg, Leipzig und Stuttgart) sind noch Dresden, Düsseldorf, Mönchengladbach, Bremen und Karlsruhe (mit dem neuen Wildparkstadion) am Ball.

Stefan Heim, Geschäftsführer der Stadion Neckarpark GmbH & Co. KG, geht dennoch mit großer Zuversicht ins Spiel. „Ich denke schon, dass Stuttgart Spielort wird – mit möglichst vielen attraktiven Partien.“ Jedenfalls ist den Funktionären die WM-Sause am Neckar noch in bester Erinnerung. Gerhard Mayer-Vorfelder, 2006 als DFB-Präsident in Amt und Würden, hatte das Spiel um Platz drei nach Stuttgart geholt. Es gab in der WM-Geschichte selten ein kleines Finale mit derart großen Gefühlen. „Darauf darf Stuttgart noch heute stolz sein“, sagt Ulrich Ruf, langjähriger Finanzchef des VfB Stuttgart, „Deutschland und unsere Stadt haben sich damals herausragend präsentiert.“ Ruf ist sicher: „Dass der VfB im Jahr darauf dann noch Deutscher Fußball-Meister wurde, das hatten wir ein Stück weit auch dem lange anhaltenden Flair dieser WM zu verdanken.“

Halbfinal-tauglich

Weil sich eine Bewerberstadt aber nicht nur mit dem Hinweis auf glanzvolle, aber vergangene Zeiten positionieren kann, preist VfB-Finanzvorstand und Neckarparkchef Stefan Heim die Mercedes-Benz-Arena als „eine der schönsten und komfortabelsten“. Mit 54 000 Sitzplätzen, Logen, dem großzügigen Businessbereichen und ausreichend Platz für die Medien sei sie allemal tauglich für ein Halbfinalspiel. Das Spiel um Platz drei gab es bei der EM 1980 zum letzten Mal. Die Uefa strich es danach aus dem Programm – zu unattraktiv.

Dass Stuttgart weiß, wie man internationalen Fußball organisiert und präsentiert, haben die Macher jedenfalls schon oft bewiesen. Thomas Weyhing, lokaler OK-Chef der WM 2006 und langjähriger Leiter der VfB-Geschäftsstelle, erinnert sich: „Wir waren immer einer der besten Austragungsorte. Wenn es anderswo Probleme gab, sagten sie beim Weltverband: Ruf in Stuttgart an.“

Zuschauerrekorde

Einen Eindruck, den die Stadt in den vergangenen beiden Jahren erneuerte. Das U-16-Länderspiel im Mai 2015 zwischen Deutschland und Frankreich sahen 35 000 Zuschauer. „Ein Rekord für diese Altersklasse“, sagt Stefan Heim. Im Sommer vergangenen Jahres war das Stadion sogar ausverkauft – beim Eröffnungsspiel der U-19-EM zwischen Deutschland und Italien. Am 4. September dieses Jahres bittet mal wieder die deutsche Nationalelf um Unterstützung: im WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen. Möglich ist auch, dass Stuttgart in zwei Jahren Gastgeber des Finales in der Europa League ist. Die Bewerbung läuft. „Wir haben in jeder Hinsicht gute Chancen“, sagt Stefan Heim. Von jetzt an gilt: Nur kein Eigentor mehr schießen.

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