Nele Bonner (links) organisiert die Feier in Dürrlewang, die Ehrenamtliche Regine Stover hilft. Foto: vv

Für alleinstehende, ältere Menschen richtet die Arbeiterwohlfahrt in ihren Begegnungsstätten an Heilig Abend Feiern aus – und die „Aktion Weihnachten“ gibt einen großzügigen Zuschuss.

Stuttgart - Weihnachten ist gerade für Alleinstehende eine Herausforderung – viele fühlen sich an den Feiertagen besonders einsam. „Das ist der Zeitpunkt, an dem alles hochkommt“, sagt die Leiterin der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Dürrlewang, Nele Bonner. Die Awo richtet deshalb in ihren Stuttgarter Begegnungsstätten an neun Standorten Heiligabend-feiern für alleinlebende, ältere Menschen aus. Allein in Dürrlewang werden rund 40 ältere Mitbürger zusammenkommen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. „Das ist der wichtigste Tag im Jahr bei uns“, sagt Bonner.

Um 14 Uhr geht es auch an diesem Dienstag los. Wer nicht in der Lage ist, den Weg zur Feier selbstständig zu bewältigen, wird von Fahrern abgeholt. Wie zum Beispiel eine ältere Dame, die in einem Pflegeheim wohnt. Der Fahrdienst bringt in ihrem Fall nicht nur sie zur Awo, sondern auch ihren erwachsenen Sohn, der eine geistige Behinderung hat. Die beiden feierten schon seit Jahren ihr Weihnachtsfest bei ihnen, erzählt Nele Bonner. Manchen ihrer Gäste merke man durchaus an, dass sie in Einsamkeit leben. Da könne es durchaus auch vorkommen, dass der Fahrdienst daran erinnert, sich noch einmal umzuziehen. Die meisten der Gäste lebten von einer geringen Rente.

Alleinerziehende kommt mit ihren Kindern zum Helfen

Für Nele Bonner ist die Feier mehr als Arbeit – sie ist, das spürt man, eine Herzensangelegenheit. Sie hat die vergangenen zwölf Jahre jedes Weihnachtsfest bei der Awo verbracht. An diesem Dienstag wird sie erstmals von einem Kollegen vertreten, aber die Organisation lag in ihrer Hand. Auch viele Ehrenamtliche sind der Feier lange verbunden. Ein Ehepaar kommt zum Beispiel immer, um im Anschluss zu spülen. „Es steckt ganz viel Liebe hinter dieser Feier“, sagt die Ehrenamtliche Regine Stover. Sie und ihre Kinder gehören seit 2015 zum Helferteam. Von den erwachsenen Kindern sind auch in diesem Jahr drei von vieren dabei. Die älteste Tochter verbringt Weihnachten mit der Familie ihres Mannes.

Ein persönlicher Verlust hat dazu geführt, dass die Familie ihre Weihnachtstradition änderte. Im November 2015 sei ihre Mutter gestorben, erzählt die Physiotherapeutin, ein Jahr nach ihrem Vater. „Weihnachten hatten wir immer mit meinen Eltern gefeiert“, erzählt Regine Stover, die alleinerziehend ist. Da kam sie über eine andere Ehrenamtliche darauf, dass man „Weihnachten auch so verbringen kann“, in der Begegnungsstätte, in der sie auch Gymnastikgruppen leitet. „Wie wäre es, wenn wir die Tradition auf andere Omas und Opas übertragen?“, fragte sie damals ihre Kinder – und die waren sofort dabei. Eine Tochter ist gelernte Köchin, eine andere bringt sich als Fotografin ein, ihr Sohn und die dritte Tochter haben im Service geholfen. Regine Stover wird sich auch diesmal wieder ans Klavier setzen. Musik spielt eine zentrale Rolle bei der Feier. „Das Singen geht einfach direkt ins Herz“, meint Nele Bonner. Aber auch für den Magen wird es natürlich etwas geben – Ente, Rotkraut und Klöße, ein echtes Festmahl also.

Sie gebe nicht nur, sie profitiere auch selbst, meint die Ehrenamtliche

Die Gäste seien sehr dankbar. „Ein Herr hat mal zu mir gesagt, ohne uns säßen sie alle allein neben ihren Tannenzweigen“, erzählt Regine Stover. Sie findet es als „bekennende Christin“ schön, Nächstenliebe auf diese Art authentisch zu leben. Aber sie gebe nicht nur, sie profitiere auch selbst. „Mich hat die Feier 2015 auch ein bisschen gerettet in meiner Trauer“, sagt die 55-Jährige.

Die „Aktion Weihnachten“ gibt einen kräftigen Zuschuss, damit die Heiligabend-feiern in den Awo-Begegnungsstätten auch in diesem Jahr stattfinden können – inklusive Abendessens, Fahrdiensten und kleiner Geschenke für die Gäste.

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