Seine Hunde sind das Wichtigste im Leben von Herrn S. Foto: Privat

Der psychisch Kranke Herr S. wäre beinahe wegen Mietschulden obdachlos geworden. Den Winter hätte er nicht überlebt, ist man sich beim Gemeindepsychiatrischen Dienst sicher. Die Aktion Weihnachten konnte die Räumung abwenden.

Stuttgart - Das Zelt hatte er schon besorgt. „Ich dachte, es bleibt nur noch die Straße“, erzählt Herr S., ein großer Mann mit noch größeren Problemen. Der um die 50-Jährige hat Mietschulden, die Räumung drohte. Zwar gibt es Sozial- und Fürsorgeunterkünfte. Aber in die dürften seine Lieblinge nicht mit: Loki und Coco. Doch seine Hunde sind seine Familie. „Sie sind mein Halt.“ Da wäre er eher obdachlos als hundelos.

„Das würden Sie keinen Winter überleben“, ist sich Wolfgang Swobodnik vom Gemeindepsychiatrischen Zentrum (GPZ) sicher. Herr S. ist körperlich und psychisch schwer krank, leidet unter anderem an Epilepsie und Depressionen. Seit einem halben Jahr steht Swobodnik dem schwerbehinderten Mann zur Seite, ist auch beim Gespräch dabei. Der Sozialpädagoge ist immer noch fassungslos, warum nicht früher jemand Alarm geschlagen hat. Doch erst nach einem Suizidversuch wurde das GPZ kontaktiert.

Er wurde abhängig von Schmerzmitteln

Herr S. sitzt auf dem Sofa, neben ihm lehnen Krücken an der Wand. Auf seinem Schoß hat es sich Loki gemütlich gemacht. Herr S. streichelt den Terrier, während er erzählt. Sein rechter Ringfinger fehlt. Er verlor ihn vor 15 Jahren bei einem Autounfall. Seither hat er eine künstliche Hüfte und so starke Schmerzen, dass er Opioide verschrieben bekommen hat, von denen er abhängig wurde. Sein letzter Job war Staplerfahrer. Das habe ihm Spaß gemacht. Doch wegen der Medikamente schlief er am Steuer ein – und wurde entlassen. „Ich hatte mich aufgegeben“, erzählt Herr S. von der dunkelsten Zeit in seinem Leben. Da war er schon länger arbeitslos und gefangen in der Depression. Der Gang zum Briefkasten war zur Qual geworden. „Jeder Brief war negativ.“ Deshalb öffnete er die Post nicht mehr. Das Jobcenter stoppte daraufhin die Zahlungen und zahlte keine Miete mehr. 13 Monate lebte Herr S. ohne Unterstützung. „Das Hundefutter war das Wichtigste“, erzählt er. Nachbarn liehen ihm Geld, steckten ihm Lebensmittel zu. Er aß kaltes Dosen­essen. Der Strom war abgestellt.

Den Problemen von Herrn S. liegt ein Kindheitstrauma zugrunde. Er wurde vom Vater schwer misshandelt. Wenn der ihn mit dem Rohrstock schlug, habe seine Mutter zugeschaut, erzählt Herr S.. Weinte er, bekam er „eine Plastiktüte über den Kopf“. Mit 15 flüchtete er ins Elternhaus seiner Freundin. Die Beziehung zerbrach. Aus einer späteren Beziehung hat er einen Sohn, der heute Teenager ist. Der Junge sei lange fünf Tage die Woche bei ihm gewesen. Doch als er vor rund vier Jahren den Wunsch äußerte, ganz zu ihm zu ziehen, habe seine Ex-Frau den Kontakt abgebrochen, was ihn bis heute sehr belastet. Er liebe seinen Sohn.

Ein Betreuer kümmert sich nun um die Finanzen

Dass der Hilfsbedarf derart groß ist, habe er in den 28 Jahren seiner Tätigkeit fast noch nie erlebt, sagt Wolfgang Swobodnik, der lobt, dass Herr S. die Hilfe auch annimmt. Eine Dame vom Tierschutz unterstützt ihn mit den Hunden. Herr S. ist inzwischen offiziell erwerbsunfähig und hat eingewilligt, dass ein rechtlicher Betreuer sich um seine Finanzen kümmert, damit es nicht wieder zu solch einer Misere kommt. Das zuständige Jobcenter ist jedoch nicht gewillt, die Miete komplett rückwirkend zu übernehmen. Herr S. drohte deshalb zum Jahresende obdachlos zu werden. Die Aktion Weihnachten übernimmt den noch ausstehenden Betrag. Er kann in der Wohnung bleiben. Als er das erfährt, bricht Herr S. in Tränen aus. „Sie sind meine Rettung“, bedankt er sich bei allen Unterstützern.

So können Sie spenden

Konten
Die Aktion Weihnachten freut sich über Spenden. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden darf, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung. Die Konten lauten: Baden-Württembergische Bank, Iban DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, Iban DE85 6002 0100 0000 0063 00. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen.