Szene in einem Tafelladen – auch Frau Z. ist Ehrenamtliche in einem Tafelladen. Foto: Lg/Leif Piechowski

Frau Z. hat in ihrer Kindheit unter dem Alkoholismus ihres Vaters gelitten – und griff später selbst zur Flasche. Seit etwa fünf Jahren ist sie trocken. Sie engagiert sich im Tafelladen und pflegt ihre Mutter. Nun ist ihr Bett durchgelegen. Ein Fall für die „Aktion Weihnachten“.

Stuttgart - Draußen friert es, aber Frau Z. trägt keine Jacke, als sie zum vereinbarten Treffen kommt. Sie hat sich zwei Pullover übereinander gezogen. Bisher habe sie keine Winterjacke in der Kleiderkammer des Tafelladens, in dem sie hilft, entdeckt, erklärt die 59-Jährige. Aber sie klagt nicht. Das ist nicht ihre Art. Frau Z. ist Frühaufsteherin. Um drei Uhr nachts, wenn alles schläft, steht sie auf, trinkt eine Tasse Kaffee. Um sechs verlässt sie das Haus, um pünktlich bei ihrem Ehrenamt zu sein. Sie richtet die Waren in einem Tafelladen in der Region. „Mir macht das Spaß, und ich komme raus“, sagt sie. Den Vormittag verbringt sie dort, den Nachmittag bei ihrer Mutter.

Frau Z. unterstützt ihre jüngere Schwester, die nie zu Hause ausgezogen ist, bei der Pflege der Mutter, die „wie ein kleines Kind“ sei. Im Gegenzug hilft ihre Schwester ihr mit der Post. Frau Z. hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und nur eine Förderschule besucht. „Schreiben kann ich gar nicht, ich verwechsele immer die Buchstaben“, sagt sie. Ihre Mutter bedeutet Frau Z. viel, sie sei eine gute Frau. Acht Kinder hat diese geboren, vier davon großgezogen. Zwei Geschwister sind jung gestorben. „Die anderen sind bei der Oma aufgewachsen“, sagt Frau Z. Ihre Kindheit war belastet. Ihr Vater, ein Gerüstbauer, war Alkoholiker und habe sie geschlagen. Als er nach einem Sturz vom ­Gerüst berufsunfähig wurde, wurde es noch schlimmer. Mit 17 Jahren zog sie aus, ­verrichtete einfache Hilfsjobs. Sie arbeitete zum Beispiel in einem Pflegeheim in der Küche und richtete das Essen für die Bewohner. Doch dann fand sie nichts mehr.

Sie brauchte den Tiefpunkt, um mit dem Alkohol aufzuhören

Bewerbungen schreiben konnte sie nicht – und sie trank zu viel. Die Flasche hatte sie von Jahr zu Jahr mehr im Griff. Bis ihr alles egal war. Miete, Strom, Rechnungen – sie zahlte nichts mehr. Dann kam der Tag, an dem sie ihren Schlüssel ins Schloss steckte und er nicht mehr passte. Auch das sei ihr gleichgültig gewesen. Zwei Jahre lang war sie obdachlos und schlief „überall, wo es warm ist“, wie im Vorraum einer Bank.

Ihre „Kumpeline“, wie sie eine Freundin nennt, die sie über das Sozialunternehmen Zora kennengelernt hatte, war ihre Rettung. Sie glaubte an sie und vermittelte ihr eine Wohnung. Seit rund zehn Jahren hat sie ein festes Dach über dem Kopf – Miete und Strom werden per Dauerauftrag abgebucht. Das mit dem Trinken sei auch vorbei. „Ich brauchte den Tiefpunkt“, glaubt sie.

Sie zahlt monatlich Raten an den Insolvenzverwalter

Die meisten ihrer Möbel sind vom Sperrmüll. Nun ist ihr Bett kaputt, die Matratze durchgelegen. Sie hat versucht, die Matratze auf den Boden zu legen, aber da sei sie am nächsten Morgen wegen ihrer Arthrose fast nicht hochgekommen. „Ich schlafe jetzt auf der Seite neben der Kuhle.“ Kein Zustand, wie wir finden. Frau Z. wünscht sich zudem einen Fernseher und ein Sofa. Ihr Röhrengerät gibt gerade den Geist auf – „es sind Streifen auf dem Bild“, das Sofa ist ebenfalls alt. Sie kann sich die Anschaffungen nicht leisten, da sie nach abgeschlossener Privatinsolvenz noch Gebühren an den Insolvenzverwalter per Ratenzahlung begleichen muss. Die „Aktion Weihnachten“ würde die Wünsche gerne erfüllen und bittet um Spenden.

Sie wollen spenden? Die Spendenkonten der „Aktion Weihnachten“ lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden soll, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: