Asien-Aufenthalt: Warum Alice Weidel sechs Jahre in China verbrachte

Weidel mit selbstbewusster Geste bei einem Parteitag.
IMAGO/Revierfoto/IMAGO/RevierfotoDerzeit führt Alice Weidel ein Leben zwischen Deutschland und der Schweiz. Nachdem sie als promovierte Volkswirtin eine Zeit lang als selbstständige Unternehmensberaterin tätig war, hat sie sich ganz der Politik verschrieben - was nicht immer ohne Peinlichkeiten für Weidel abgeht. Eine prägende Zeit verbrachte die AfD-Kanzlerkandidatin, die am 6. Februar ihren 46. Geburstag feiert, in Asien.
Nach dem Studium arbeitete Alice Weidel unter anderem für die Investmentbank Goldman Sachs und im Vorstandsbüro der Vermögensverwaltungsgesellschaft Allianz Global Investors an Orten wie Frankfurt am Main, Shanghai und Hongkong. „Eine ihrer Auslandsstationen war China, wo sie insgesamt sechs Jahre tätig war“, heißt es in der Munzinger-Biografie.
Managerin und Unternehmensberaterin Alice Weidel
Ab 2013 war Weidel dann im Management des Nahrungsmittelkonzerns Heristo AG in Bad Rothenfelde angestellt, ehe sie sich 2014 als Unternehmensberaterin für Start-ups selbstständig machte.
Weidel spricht Chinesisch
Aus der Zeit in China besitzt sie Mandarin-Kenntnisse, und ein Verständnis für die asiatische Wirtschaft. Parallel zu ihrer Beratertätigkeit bei der Allianz promovierte sie an der Universität Bayreuth zum chinesischen Rentensystem.
Die Dissertation, die sie als Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung verfasste, wurde 2011 mit „magna cum laude“ ausgezeichnet. Spätere Prüfungen von Plagiatsjägern verliefen weitgehend ergebnislos. Allerdings war die Rede von möglichen „fragmentierten Plagiaten“ in der Arbeit. Ihren Doktortitel durfte Weidel behalten.
Alice Weidel im biografischen Handbuch des Bundestags
Im biografischen Handbuch des Bundestags schreibt Weidel über sich selbst: „Als Analystin und Vice President in der Kapitalanlageberatung und im Vorstandsbüro von führenden Finanzunternehmen beschäftigt; Leitung Beteiligungsmanagement und Erschließung neuer Märkte für eine international tätige Unternehmensgruppe der Nahrungsmittelindustrie; mehrjährige Auslandserfahrung in Asien mit Fokus auf China sowie in Europa und USA; Mitgründung, Beratung und Aufbau von Start-up-Unternehmen.“
"Weidel ist Standortrisiko"
Weidels vermeintliche Wirtschaftskompetenz stößt in Unternehmerkreisen indes auf wenig Gegenliebe. „Die AfD hat ihren wahren Kern gezeigt: Sie ist wirtschaftlich schädlich, völkisch und realitätsfremd“, sagte Nikolas Stihl, der Beirats- und Aufsichtsratsvorsitzende von Stihl im Rems-Murr-Kreis einmal im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Austritt aus der EU oder dem Euro hätte laut Nikolas Stihl verheerende Folgen für Arbeitsplätze und Wohlstand in Deutschland.
Gerade auch in der Auto-Industrie als deutscher Schlüsselbranche schlechthin wird die AfD als Standortrisiko gesehen - vor allem wegen der Gefahr eines EU-Austritts ("Dexit"). "Für Deutschland wäre das eine wirkliche Katastrophe", meint Hildegard Müller vom Verband der Automobilindustrie (VdA).
Fakten zu Alice Weidel
Was sagt Alice Weidel zu China?
Alice Weidels außenpolitische Positionen zu China sind von einer gewissen Ambivalenz geprägt. Einerseits warnt sie vor zu großer wirtschaftlicher Abhängigkeit Deutschlands von China und kritisiert chinesische Übernahmen deutscher Unternehmen und Infrastruktur. Sie fordert mehr Schutz für deutsche Technologie und Know-how und thematisiert auch Menschenrechtsverletzungen in China.
Andererseits vertritt sie auch pragmatische Positionen: Sie spricht sich gegen einen kompletten Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen aus und betont die Bedeutung Chinas als Handelspartner für die deutsche Wirtschaft. Dabei befürwortet sie einen „realistischen“ Umgang mit China statt einer ideologischen Konfrontation und warnt vor einer zu starken Anlehnung an die US-amerikanische China-Politik. Inzwischen nimmt Weidel skeptischere Position gegenüber China ein als früher – zeigt sich jedoch zunehmend unkritischer gegenüber den USA mit Donald Trump und Elon Musk.