Zu wenig Schatten
: 7 misslungene Projekte beim Hitzeschutz in Stuttgart

Stuttgart dürfte eine der heißesten Städte Deutschlands werden. Trotzdem sind Gegenmaßnahmen aktuell kaum zu erkennen. Beispiele in Stuttgart, die nach einer Lösung schreien.
Von
Judith Sägesser
Stuttgart
Quartiersplatz im NeckarPark: Marga-von-Etzdorf-Platz

Hat immer noch schwierigkeiten mit den Besucher.

Auf der Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs in Bad Cannstatt entsteht das 22 Hektar große Wohn- und Gewerbegebiet NeckarPark. Ein zentraler Teil des NeckarParks ist der Marga-von-Etzdorf-Platz. Der Platz bildet als "steinerne Mitte" das Komplementär zum Veielbrunnenpark als „grüne Mitte“ des NeckarParks. Beide öffentlichen Freiräume sind gestalterisch aufeinander abgestimmt. Die Fläche des künftigen Quartiersplatzes umfasst in der Summe rund 10.000 Quadratmeter. Das Projekt wird mit Mitteln der Städtebauförderung bezuschusst.

 

Gestaltung des Marga-von-Etzdorf-Platzes

Der neue, dreieckige Quartiersplatz zwischen Stadtarchiv, altem Zollamt und dem noch zu bauenden angrenzenden Bildungshaus im Neubaugebiet NeckarPark markiert den Übergang vom bestehenden Veielbrunnenquartier zum neuen Wohngebiet. Der Entwurf des Platzes orientiert sich an den Bedürfnissen der Nutzer. Das sind insbesondere die Anwohner des NeckarParks, ebenso wie die Besucher.

Der Marga-von-Etzdorf-Platz in Stuttgart im Sommer 2025: Die kleinen Schirme links haben auf dem Platz wenig bis nichts gebracht. In diesem Jahr stehen keine da. Eine bezahlbare Lösung kann die Stadt aktuell nicht nennen.

Archiv Lichtgut/Max Kovalenko
  • Stuttgart gilt in Hitzephasen als besonders belastet, doch wirksame Gegenmaßnahmen fehlen.
  • Marga-von-Etzdorf-Platz: Hitzeschutz wurde übersehen, ein Pavillon ist geplant, aktuell aber zu teuer.
  • Marktplatz und Pariser Platz bleiben ohne Lösung – Nutzungskonflikte und fehlender Schatten prägen beide Orte.
  • Marienplatz testet erstmals Ecotriis und mobile Schattenspender, der Bezirksbeirat finanziert mit.
  • Südheimer Platz und Mini-Schirmchen: teures Leihkonzept, kurze Wirkung – Budget für schnelle Lösungen gekürzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Stuttgarter City läuft Gefahr, wegen der Kessellage in Hitzephasen zu einem unerträglichen Ort zu werden. An konkreten und wirksamen Gegenmaßnahmen mangelt es bisher. Und noch mehr liegt im Argen: hiesige Stadtplanung hat sich offenbar noch nicht auf die drohenden Heißzeiten wegen des Klimawandels eingestellt. Das zeigen besonders misslungene Projekte in Stuttgart in Sachen Hitzeschutz.

Marga-von-Etzdorf-Platz: Lösung aktuell zu teuer

Der Quartiersplatz am neuen, innovativ gebauten Neckarpark-Viertel in Bad Cannstatt musste schon viel Häme einstecken. Als „steinerne Mitte“ wurde der Marga-von-Etzdorf-Platz angelegt und erst vor fünf Jahren eröffnet. Ein Pendant zur grünen Mitte im daneben liegenden Neckarpark; dabei handelt es sich bezeichnender Weise im Stuttgarts erstes Schwammstadt-Viertel - und das ist ziemlich genau das Gegenteil von der Ausprägung des Marga-von-Etzdorf-Platzes. Ein womöglich in der Theorie spannender Widerspruch, der allerdings konkret schwer in diese Zeit passt. Die Sommer werden heißer, steinerne Wüsten sind das, was man nicht mehr braucht.

Die Stadt Stuttgart hat eingeräumt, dass der Hitzeschutz an dem Platz in Bad Cannstatt leider unter den Tisch gefallen ist. Es wurde daraufhin eine Machbarkeitsstudie in Auftrag ergeben; aktuell sei laut einem Stadtsprecher allerdings kein Geld in der Kasse, um die Idee eines Pavillons umzusetzen.

Marktplatz: Bisher keine Lösung

Um die Beschattung des Stuttgarter Marktplatzes wird bereits seit langer Zeit gerungen. Es gab bereits diverse Vorschläge, auch sehr innovative, wie der zentrale Platz in Stuttgart besser verschattet werden könnte. Die Stadtklimatologen hätten dort am liebsten weitere echte Bäume. Allerdings ist die Gemengelage verzwickt.

Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus ist Wochenmarkt, später im Jahr dann auch das Weindorf und der Weihnachtsmarkt. Zudem befindet sich unter dem Marktplatz ein Bunker. In Summe haben die Experten bisher keine Lösung gefunden. In der lokalpolitischen Diskussion bleibt dieser Ort sicher weiterhin ein Thema, was den Hitzeschutz angeht.

Pariser Platz: Bisher keine Lösung

Auch noch recht neu - und schon zu heiß: Der Pariser Platz im Europaviertel. Er war als Veranstaltungsort konzipiert. Daher die große Freifläche, wegen der allerdings der Schatten fehlt. Inzwischen hält sich die Zahl der Events auf dem Pariser Platz in Grenzen.

Forscher der Hochschule für Technik, die sich den Pariser Platz genauer angeschaut und überlegt haben, was man in Sachen Hitzeschutz machen könnte, nennen den Ort intern „Bratpfanne“. Er ist aus ihrer Sicht kein Platz, an dem man sich gerne aufhält. Auch hier: Eine Lösung fehlt.

Marienplatz: Nur eine erste Lösung

Immerhin im Bereich einer Lösung befindet sich der Stuttgarter Marienplatz. Der Platz wurde vor rund 15 Jahren umgestaltet. Seither handelt sich um den Ort im Stuttgarter Süden, der sich in Hitzephasen am meisten aufheizt. Seit diesem Sommer wird auf dem Marienplatz herumexportiert, was den Hitzeschutz angeht.

Zum einen stehen dort zwei Ecotriis; dabei handelt es sich um Stahlkonstruktionen, an denen Rankpflanzen entlangwachsen und so Schatten spenden. Zum anderen stehen dort inzwischen Schattenspender der Firma Tollerei von der Schwäbischen Alb. Für beide innovativen Konzepte hat der Bezirksbeirat Süd einstimmig Geld zugeschossen.

Südheimer Platz: Teures Segel für kurze Zeit

Das Sonnensegel auf dem Südheimer Platz in Stuttgart war, ohne zu übertreiben, eine Luftnummer. Zunächst hat sich die Montage um ein Jahr verzögert. Schließlich war es dann keine acht Wochen montiert. Viele haben sich zudem gefragt, ob die Stadt für dieses spektakuläre Segel den richtigen Ort gewählt hat. Denn an dieser Stelle des Platzes stehen keine Bänke oder dergleichen.

Was bei dieser Geschichte besonders absurd wirkt: Das Segel wird nicht wiederkommen, es war nur geliehen. Und das hat die Stadt Stuttgart 110.000 Euro gekostet - für diese kurze Zeit. Ein Sprecher verweist darauf, die Verschattung des Südheimer Platzes sei der ausdrückliche Wunsch des Gemeinderats gewesen.

Mini-Schirmchen: Große Kritik am Leih-Konzept

Nicht nur das Sonnensegel für den Südheimer Platz in Stuttgart hat Negativschlagzeilen gemacht, sondern auch die kleinen Sonnenschirme, die die Stadt in den Sommern 2024 und 2025 geliehen hatte. In Summe haben die Schirmchen und das Segel 350.000 Euro gekostet.

Über die Schirmchen spottete die Stadtbevölkerung aus verschiedenen Gründen. So gab es einen Schirm, der seinen Schatten auf die Straße warf statt auf die Bank. Ein anderer Schirm stand selbst im Schatten. Grundsatzkritik gab es aber vor allem daran, dass die kleinen Schirme viel zu wenig Schutz vor Sonne bieten und wirken wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Geld für schnelle Lösungen: gestrichen

Schirme und Segel wurden bezahlt aus einem Zwei-Millionen-Euro-Budget für schnelle Zwischenlösungen beim Hitzeschutz. Der Gemeinderat hatte es zur Verfügung gestellt, um schnell die Schattenplätze in der Stadt zu vergrößern

Rund anderthalb Millionen Euro davon sind dann allerdings im vergangenen Herbst eingespart worden. Gegen eine Wiederholung der Beschirmung der Stadt hatte man sich ohnehin ausgesprochen - und das Haushaltsloch ist groß. Das Problem ist nur: Eigentlich kann sich die besonders heiße Stadt Stuttgart diese Sparmaßnahme gar nicht leisten.

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