Weniger Ganztag, mehr 30-Stunden-Plätze – das ist das Ziel der Stadt. Foto: picture alliance/dpa/Monika Skolimowska

Der Verwaltungsausschuss Stuttgart hat nun dem Ziel, nur noch 60 Prozent Ganztagsplätze in Stuttgarter Kitas anzubieten, zugestimmt. Am 15. Oktober stellt sich Bürgermeisterin Isabel Fezer den Fragen der Eltern dazu.

Weniger Ganztag, dafür mehr 30- und 35-Stunden-Plätze in Stuttgarter Kitas – zu diesem Vorhaben des Jugendamtes hat der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats nun den Grundsatzbeschluss gefasst. SPD und SÖS/Linke stimmten dagegen.

 

Die Reduzierung des Ganztagsangebots auf 60 Prozent der Plätze – derzeit umfasst es 90 Prozent in Krippen und 70 Prozent im Kindergartenbereich – ist Teil des sogenannten Kitaprozesses, mit dem die Stadt versucht, dem Personalmangel im Erzieherbereich zu begegnen und gleichzeitig mehr Plätze für derzeit unversorgte Kinder zu schaffen. Momentan fehlen rund 3000 Kitaplätze in der Stadt.

Geschwister haben nicht mehr automatisch Vorrang

Einem Ergänzungsantrag, den Grüne, CDU, Puls, Stadtisten, Die Partei und Klimaliste gemeinsam gestellt hatten, wurde ebenfalls zugestimmt. In diesem hatten sich die Fraktionen zwar zum 60-Prozent-Ziel bekannt, allerdings unter anderem gefordert, dass „ein qualitativ hochwertiges und flächendeckendes Ganztagesangebot“ das Ziel bleibe, sodass die „individuellen Bedürfnisse der Familien abgedeckt werden“. Außerdem solle sich die Stadt weiter um Kitapersonal bemühen und bei der Planung neuer Kitas Ganztagsstandards anwenden, „um eine Rückkehr problemlos zu ermöglichen“. Außerdem soll die Verwaltung den Kitaprozess regelmäßig evaluieren und dem Jugendhilfeausschuss berichten.

Über einen weiteren Punkt des Antrags wurde indes nicht abgestimmt. Die Fraktionen hatten gefordert, dass Kinder, deren Geschwister bereits eine Kita besuchen, bei der Vergabe von Plätzen weiterhin Vorrang haben. Dies hatte das Jugendamt in seinen neuen Vergabekriterien geändert. Im Verwaltungsausschuss erläuterten Amtsvertreter, dass der bisherige Automatismus dazu führe, dass Geschwisterkinder andere Kinder überholen, obwohl nicht immer klar ist, dass der Betreuungsbedarf tatsächlich gegeben ist. Künftig soll das Geschwisterkind berücksichtigt werden, wenn eine Beschäftigung der Eltern nachgewiesen wird. Daraufhin wurde dieser Punkt zurückgezogen.

Am 15. Oktober, um 17.15 Uhr, stellt sich die zuständige Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) im Hospitalhof auf Einladung der Konferenz der Gesamtelternbeiräte (KdGEB) den Fragen von Eltern und Interessierten.

Kitaprozess – Was die Stadt plant?

Ziele und Struktur
Das Jugendamt nennt folgende Ziele des Kitaprozesses: die Angebotslandschaft am Bedarf von Kindern und Eltern orientiert weiterentwickeln. Verlässliche Betreuungsangebote schaffen. Weitere Gewinnung neuer Fachkräfte. Unterstützung alternativer Betreuungsangebote mit Externen. Einsatz des Personals, orientiert an den Versorgungszielen. An der Projektlenkung sind neben Isabel Fezer und Jugendamt auch Trägervertreter sowie die jugendhilfepolitischen Sprecher der Fraktionen beteiligt. In verschiedenen Arbeitsgruppen werden die einzelnen Themen behandelt und nach Bedarf externe Akteure wie der Kommunalverband Jugend und Soziales einbezogen. Zweimal im Jahr findet ein Kitaforum statt, zu dem Eltern, Träger, Kitaleitungen, Politiker, Gewerkschaften und Arbeitgeber eingeladen werden.

Platzvergabe und Elternkonto
Seit August können Familien online ein eigenes Elternkonto einrichten. „Im Elternkonto können Sie Ihre Daten selbst pflegen, Ihre Betreuungswünsche als Betreuungsplatz-Anfragen an die Kitas senden sowie mit den Einrichtungen und dem Kitaservice kommunizieren und Dokumente austauschen“, heißt es auf der Homepage der Stadt dazu. Seit September wendet das Jugendamt die neuen Vergabekriterien an. Unter anderem werden nun Beschäftigungsumfang und Alter des Kindes stärker gewichtet, dafür der Geschwisterbonus weniger stark als früher. Eine Übersicht der Punkte findet man auf der Homepage der Stadt.

Angebotsveränderung
Die Stadt will in Zukunft stärker auf sogenannte VÖ-Plätze mit 30 Stunden Betreuung pro Woche, teils auch mit der Möglichkeit zum Mittagessen, setzen. Auch ein Angebot mit sieben Stunden täglich inklusive Mittagessen ist geplant. Der für das 7-Stunden-Angebot nötige Gemeinderatsbeschluss war vor der Sommerpause 2024 nicht mehr möglich. Der Antrag soll nun erneut eingebracht werden.

Ergänzende Betreuung
Kommunen wie Offenburg machen es vor: Sie beziehen Vereine und andere Externe, teils auch Eltern und Großeltern, in die Randzeitenbetreuung der Kitas mit ein. Auch Stuttgart will diesen Weg möglich machen, erarbeitet gerade eine Handreichung dafür. Von einem Platzsharing, bei dem sich zwei Familien einen Kitaplatz teilen, ist man hingegen abgekommen. Das sei verwaltungstechnisch und in der Umsetzung für die Kitas zu aufwendig, hieß es im Ausschuss.