Claudia Moosmann ist nach schwerer Krankheit gestorben. Foto: Guenter E. Bergmann

Claudia Moosmann hat in Leinfelden-Echterdingen viel bewegt – für Frauen und gegen Stuttgart 21. Am Samstag ist die 66-Jährige gestorben.

Eine knappe Minute stehen, schweigen, inne halten – so haben Stadträte und die Verwaltungsspitze von Leinfelden-Echterdingen am Dienstagabend im Gemeinderat einer Frau die letzte Ehre erwiesen, die noch vor kurzem Teil des Gremiums war und doch viel mehr als eine Kommunalpolitikerin gewesen ist. Claudia Moosmann hat den Ableger des Schwabenstreichs nach Leinfelden geholt, hat sich für Frauen und für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft eingesetzt. Am Samstag ist die Leinfelderin mit 66 Jahren aufgrund einer schweren Krankheit gestorben.

 

Claudia Moosmann war ohne Frage eine streitbare Person. „Ich will Finger in Wunden legen, auch in solche, die man bisher nicht gesehen hat“, hat sie unserer Zeitung einmal gesagt. Damals war sie nach einer fünfjährigen Pause wieder in den Gemeinderat gewählt worden. Mit einer Unterbrechung war die Leinfelderin knapp 18 Jahre Stadträtin gewesen – zunächst für die SPD, dann für die Freunde der Filderpiraten und von 2019 an für die Partei der Linken. Im Herbst 2017 wollte Moosmann sogar Oberbürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen werden. Sie forderte den amtierenden Rathauschef Roland Klenk mit der Begründung heraus, dass ein Kandidat bei einer OB-Wahl aus ihrer Sicht doch völlig undemokratisch sei.

Für den Lärmschutz auf den Fildern

Im März, als die Stadträtin ihr Mandat aus gesundheitlichen Gründen niederlegen musste, hat Ingrid Grischtschenko (Grüne) über ihre langjährige Ratskollegin gesagt: „Sie bietet allen gleichzeitig die Stirn, auch wenn der Preis dafür das Alleinsein ist.“

Steffen Siegel, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder, beschreibt Claudia Moosmann als eine Frau, die „unglaublich aktiv, sehr bestimmt“ war, die nie jemandem nach dem Mund geredet habe und sicher nicht stromlinienförmig war. Für die Schutzgemeinschaft Filder war die Leinfelderin lange Zeit das „Gesicht des Lärmschutzprotests auf den Fildern“, man habe nun eine sehr gute Freundin verloren.

Als in den 1990er-Jahren klar wurde, dass die Planer der Deutschen Bahn IC-Züge auf jenen S-Bahngleisen an den Flughafen führen wollten, die mitten durch die Stadt verlaufen, hatte Moosmann die Initiative Lebenswertes LE gegründet. „Kein IC durch LE“ war der Leitspruch der Gruppe, der im Mai noch beim 600. und letzten Schwabenstreich auf dem Neuen Markt lautstark verkündet wurde. Da konnte die Initiatorin wegen ihrer Krankheit schon nicht mehr dabei sein. Die bekennende S 21-Gegnerin hatte den Ableger des Stuttgarter Schwabenstreichs nach Leinfelden geholt. Den Triumph, dass mit dem Pfaffensteigtunnel ihre Meinung mehrheitsfähig geworden ist, konnte sie nicht mehr auskosten.

Gegen die Gewalt gegen Frauen

Claudia Moosmann hatte aber auch noch eine etwas andere Seite. Der Frau, die drei Söhne alleine groß gezogen hat, war das Thema Gerechtigkeit unglaublich wichtig, sagt Christa Bergemann, ihre langjährige Weggefährtin bei Frauen helfen Frauen Filder. Claudia Moosmann wollte Benachteiligten helfen – das sei ihre wichtigste Triebfeder gewesen. Sie wollte der Gewalt gegen Frauen etwas entgegensetzen, hat deshalb die Organisation Frauen helfen Frauen Filder mitbegründet, war 20 Jahre lang deren Vorsitzende und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Frauen in Not auch auf den Fildern in einem Frauenhaus Unterschlupf finden können.

„Sie hat viel Überzeugungsarbeit geleistet in einer Zeit, in der das Thema Gewalt gegen Frauen noch belächelt wurde“, sagt Tanja Schneider, eine Mitarbeiterin der Organisation. Moosmann habe sich dabei viel anhören müssen. Sie habe ihren Kopf hingehalten. „Was waren das für Kämpfe, die wir ausgefochten haben“, erinnert sich auch die Gründungsfrau Christa Bergemann an die Anfänge. Gewalt gegen Frauen? Das gibt es sicher, aber doch nicht hier auf den Fildern, so lauteten damals die ersten Reaktionen.

Doch Claudia Moosmann ließ gerade bei diesem Thema nicht locker. „Wenn Claudia eine Idee hatte, hat sie gleich am nächsten Tag begonnen, diese umzusetzen“, sagt Bergemann. „Sie war unnachgiebig, aber nicht unversöhnlich. Claudia war ein Unikat.“