Wenig ansehnlich: die Fußgängerfläche am Arnulf-Klett-Platz. Foto: Christian Milankovic

Sollte der neue Hauptbahnhof von Stuttgart 21 tatsächlich Ende 2026 in Betrieb gehen, muss sich am Umfeld optisch dringend etwas tun. Große Sprünge sind aber nicht zu erwarten.

Die Analyse ist am Dienstag einhellig ausgefallen. Rund um den Hauptbahnhof sehe es aus „wie die Sau“, sagte SPD-Stadträtin Lucia Schanbacher. Ihr Ratskollege Björn Peterhoff (Grüne) konstatierte Zustände „wie Kraut und Rüben“ und Cornelius Hummel (FDP) sprach von einem Schandfleck.

 

Anlass für die ebenso kritische wie zutreffende Bestandsaufnahme am Ratstisch: die Aussicht darauf, dass die Deutsche Bahn tatsächlich mit Stuttgart 21 fertig wird. Sprich: in gut einem Jahr könnten Fahrgäste im architektonisch herausragenden Tiefbahnhof dem Zug entsteigen und sich nur wenige Minuten später in jenem Tohuwabohu wiederfinden, das die Stadt Arnulf-Klett-Platz nennt.

Zeit bis zur Stuttgart-21-Eröffnung könnte knapp werden

Übertrieben früh steigt die Stadt also nicht in Überlegungen ein, wie dem Missstand beizukommen sei. Entschuldigend kann ins Feld geführt werden, dass die Bahn bislang mit dem Terminplan bei Stuttgart 21 sehr kreativ umgegangen ist und eine Gewissheit, dass der Tag X verbindlich ins Haus steht, bis heute nicht gegeben ist. Gleichwohl scheint nun Eile geboten.

Und trotz des eher überschaubaren Vorhabens, das Melanie Gerber-Hartmann vom Amt für Stadtplanung und Wohnen vor den Stadträten umriss, beschlich den CDU-Fraktionsvorsitzenden Alexander Kotz das Gefühl, dass selbst für die Umsetzung dieses Minimalprogramms die Zeit knapp werden könnte. Seine Fraktion und die von SPD/Volt hatte in separaten Anträgen angemahnt, dass sich schnell etwas im Bahnhofsumfeld ändern müsse. Der große Wurf mit einem verkehrsberuhigten Arnulf-Klett-Platz wird wohl erst Anfang der 30er-Jahre gelingen.

Pflanztröge mit Bäumen und Bänken wie an der Eberhardstraße sollen auf den Arnulf-Klett-Platz kommen. Foto: Christian Milankovic

Vorgesehen ist nun in einem Interimskonzept, den wilden Mix aus Bodenbelägen zwischen der Fassade des ehemaligen Hindenburgbaus und den Fahrbahnen zu bereinigen, wo es ein Nebeneinander aus Asphalt, Gehwegplatten und Pflastersteinen gibt. Außerdem soll Ordnung in die Möblierung mit Werbeflächen, Fahrradständern und weiteren Objekten gebracht werden. Bei alldem hat die Stadt aber nicht ganz freie Hand, denn die Stuttgarter Straßenbahnen müssen für die unter dem Platz liegende Stadtbahnhaltestelle neue Entrauchungsanlagen bauen. Dass für die just einer der wenigen Bäume auf der Fläche weichen muss, wollte Peterhoff nicht einleuchten.

Auch die S-21-Mahnwache muss umziehen

Für mehr Aufenthaltsqualität sollen Bäume in Trögen sorgen. Die mobilen Beete bieten zudem Sitzgelegenheiten für Passanten. Diese Lösung kommt bereits auf ehemaligen Parkbuchten an der Eberhardstraße zum Einsatz. Die seien besser als gar kein Grün, so die einhellige Meinung am Ratstisch. Kritisch wurde von einigen Rednern gesehen, dass im Konzept ein neuer Standort für die Stuttgart-21-Mahnwache vorgesehen ist. Die habe sich doch spätestens mit der Eröffnung des neuen Bahnhofs überholt, hieß es in mehreren Wortmeldungen.

700 000 Euro soll die Umgestaltung kosten

Dass die Neugestaltung der Schillerstraße und des Arnulf-Klett-Platzes dringend nötig sei, sehe jeder, der sich dort gelegentlich aufhalte, sagte Hannes Rockenbauch (Linksfraktion). Auf die große Lösung zu warten, bis man den City-Ring auf die Wolframstraße verlegt hat, was den Abriss der dortigen Bahnbrücken und den Umbau der Kreuzung am Neckartor voraussetzt, hält er für einen Fehler. Christoph Ozasek (PULS-Fraktion) sprach sich dagegen aus, nun für viel Geld einen vorübergehenden Zustand herzustellen. Ob es dazu kommt, wird sich in den Haushaltsberatungen des Gemeinderats in den nächsten Wochen weisen. Veranschlagt sind Kosten in Höhe von rund 700 000 Euro.