Hybridautos aus China
: Kann die deutsche Autoindustrie aufatmen?

Branchenverband VDA begrüßt Einigung: EU will Einfuhr von Hybridfahrzeugen aus China deutlich eindämmen.
Von
Michael Maier
Peking
Jetzt in der App anhören
Bildnummer: 52101665  Datum: 11.09.2007  Copyright: imago/Sebastian Geisler
Präsentation des Hybrid-Motors des - Porsche Cayenne Hybrid - während der 62. IAA in Frankfurt am Main, Objekte , Objekte; 2007, Frankfurt, Messen, Internationale Automobilausstellung, Ausstellung, Automesse, Auto, Automobilindustrie, Hybrid, Hybridantrieb, Hybrid-Antrieb, Hybridmotor, Hybridauto, Hightech; , quer, Kbdig, Einzelbild, Industrie, Wirtschaft, Schriftzug, Logos, Deutschland,  , Wirtschaft o0 Automobil Ausstellung

Hybrid-Motor eines Porsche Cayenne – kann China das genauso gut?

imago/Sebastian Geisler
  • EU und China einigen sich: China drosselt Exporte von Hybridautos nach Europa deutlich.
  • EU-Kommissar Sefcovic: Lieferungen könnten um mehr als die Hälfte sinken in vier Jahren.
  • VDA begrüßt das Signal, fordert aber Details für eine Bewertung der Auswirkungen.
  • VW und Porsche standen unter Druck durch günstige chinesische Hybride und Rabatte von BYD.
  • Weitere Verhandlungen folgen: Ergebnisse gehen an von der Leyen, neue Treffen sind geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vorsichtiges Aufatmen im Handelsstreit, und am Montag könnten die schwer gebeutelten Aktien von Porsche und VW wieder etwas steigen. China akzeptiert eine Drosselung der Exporte von Hybridautos nach Europa – das freut grundsätzlich auch die deutsche Automobilindustrie, denn im Fall der Hybrid- und Plug-in-Hybridautos wird sich die Zahl der von China nach Europa exportierten Fahrzeuge über die kommenden vier Jahre um „einige Millionen Fahrzeuge“ reduzieren. Die Lieferungen in die Europäische Union könnten dadurch um mehr als die Hälfte zurückgehen, erklärte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic nach Verhandlungen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao in Peking.

Lesen Sie auch: Porsche kündigt neuen Supersportwagen an (von Veronika Kanzler)

Preiskampf um Hybridautos: VW/Porsche gegen BYD

Laut Sefcovic ist dies das erste Mal, dass China akzeptiert habe, seine Exporte zu mäßigen, ohne zuvor eine Phase von Handelsspannungen zu durchlaufen. Die Vereinbarung ist nach Angaben beider Seiten mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar. Die Verständigung könnte für die deutschen Autobauer den Druck durch die chinesische Konkurrenz etwas lindern. Denn Hybride sind inzwischen das größte Marktsegment in der EU. Im August waren mehr als 44 Prozent der neu zugelassenen Autos Hybride oder Plug-in-Hybride – also Autos, die einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor und einer Batterie kombinieren, teils auch mit Ladeanschluss (Plug-in).

Wie bei den rein batteriebetriebenen Elektroautos konnten chinesische Hersteller auch in diesem Segment in Europa zulegen. VW-Chef Oliver Blume warnte vor einigen Wochen: „Chinesische Hersteller drängen aggressiv auch nach Europa und gewinnen schnell Marktanteile.“ Im zweiten Vierteljahr sei jeder dritte verkaufte Plug-in-Hybrid in Europa von chinesischen Herstellern gekommen. Mit ihren Preisen können die deutschen Hersteller nicht mithalten – Experten sprechen von einem „Preiskrieg“ angesichts kräftiger Rabatte von Herstellern wie BYD. Für Mercedes spielen Hybridautos ebenfalls eine immer größere Rolle.

Auto

Mercedes, Porsche, Bosch und Co.: Wir liefern die wichtigsten News und Analysen zur Autoindustrie und Mobilitätskonzepten in Baden-Württemberg.

Autoindustrie: ARCHIV - 02.02.2022, Sachsen, Leipzig: Ein Mitarbeiter montiert Kabelbäume in einen Porsche Panamera Hybrid im Leipziger Porsche Werk. (zu dpa: «Deutsche Autobranche streicht über 50.000 Jobs in einem Jahr») Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Mitarbeiter montiert Kabelbäume in einen Panamera Hybrid im Leipziger Porsche-Werk.

Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Automobilindustrie vorsichtig positiv

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßte die Vereinbarung zwischen der EU und China. Die Verständigung sei ein erstes positives Signal, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller laut Mitteilung. Zugleich fügt sie hinzu, eine abschließende Bewertung der Vereinbarungen sei erst möglich, wenn die konkreten Inhalte, Rahmenbedingungen und Auswirkungen auf die Automobilindustrie im Detail bekannt würden.

Der Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses des Parlaments, teilte mit: „Es sind erste Fortschritte sichtbar, aber ein zentraler Durchbruch war das noch nicht.“ Lange lobte die vereinbarte Reduktion von Importen chinesischer Hybridautos. Dies lindere den Druck auf europäische Autobauer, ohne den europäischen Markt abzuschotten.

Handelsgespräche China-EU

Die Ergebnisse würden nun EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgelegt und den EU-Mitgliedstaaten, sagte Sefcovic. Hier liege die finale Entscheidung. Außerdem stellten Wang und Sefcovic für Januar ein weiteres Treffen per Videoschalte in Aussicht. Die dritte Runde der im Juni ins Leben gerufenen Handels- und Investitionsberatungen (Tic) soll im März tagen.

Für den Fall, dass China insgesamt im Handelskonflikt nicht einlenkt, dringen vor allem Deutschland und Frankreich angesichts wachsender Schäden für die europäische Industrie auf ein entschlosseneres Vorgehen gegen chinesische Importe. Sie fordern unter anderem ein neues Instrument, mit dem der Zugang zum EU-Markt für bestimmte Produkte schnell eingeschränkt werden könnte.

Die EU führte im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 360 Milliarden Euro mehr aus China ein, als sie dorthin exportierte. Brüssel wirft Peking vor, mit staatlichen Subventionen für unfairen Wettbewerb zu sorgen. China warnt dagegen vor protektionistischen Maßnahmen der EU.

Der neue Mercedes-Benz CLA mit Hightech-Hybridmotor // The all-new Mercedes-Benz CLA with high-tech hybrid combustion engine

Der neue Mercedes-Benz CLA mit Hightech-Hybridmotor.

http://group-media.mercedes-benz

BDI-Chef Leibinger für EU-Interessen

Vom Bundestag beauftragte Experten raten unterdessen dazu, auf europäischer Ebene schärfere handelspolitische Instrumente gegen China vorzubereiten. „Die EU sollte im Fall eskalatorischer Maßnahmen Chinas in Handelsstreitigkeiten gegenschlagsfähig sein“, heißt es im ersten Halbjahresbericht der Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China.

BDI-Präsident Peter Leibinger schreibt in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“: „Die EU muss den Dialog mit China weiterführen, aber auch ihre wirtschaftlichen Interessen entschlossen verteidigen.“

Mit dpa-Agenturmaterial