Nationalmannschaft
: Spielt Maximilian Mittelstädt wieder auf der rechten Seite?

Der Bundestrainer Julian Nagelsmann hat in der Abwehr ein Problem zu lösen, will sich vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland aber nicht zu früh festlegen.
Von
Carlos Ubina
Stuttgart
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Auf Maximilian Mittelstädt vom VfB Stuttgart kommt in der Nationalmannschaft eine neue Herausforderung zu.

IMAGO/Revierfoto

Nnamdi Collins verfügt über ein bemerkenswertes Profil. Er ist 21 Jahre jung, verdammt schnell und Rechtsverteidiger. Seine Positionierung auf dem Fußballplatz macht den Frankfurter vor allem für den Bundestrainer interessant. Denn Julian Nagelsmann weiß ja, dass es für diesen Außenposten in der Nationalmannschaft nicht viele Fachkräfte auf gehobenem Niveau gibt. Zumal Collins in den vergangenen Monaten mit seinen Fähigkeiten gefiel. Defensiv wie offensiv, bei der Eintracht wie bei der U-21-EM. Bis der verhängnisvolle Abend von Bratislava über ihn hereinbrach und Collins beim enttäuschenden 0:2 gegen die Slowakei von Leo Sauer vorgeführt wurde.

Ein Debüt zum Vergessen war das für Collins. „Er hatte keinen guten Tag“, sagt Nagelsmann, „aber die Niederlage lag nicht an ihm.“ Dennoch steht der Bundestrainer vor dem zweiten WM-Qualifikationsspiel an diesem Sonntag (20.45 Uhr/RTL) gegen Nordirland erneut vor der kniffligen Entscheidung, wen er als Rechtsverteidiger aufstellt.

Eine Option wäre es, Collins gleich wieder das Vertrauen auszusprechen – eine andere Joshua Kimmich wieder zurückzuversetzen. „Ich habe mich noch nicht entschieden“, sagt der Bundestrainer. Ein Salto rückwärts mit dem Kapitän käme jedoch dem Eingeständnis einer groben Fehleinschätzung gleich, da Nagelsmann ihn erst vor dem Start in die WM-Saison als Stabilisator in das Mittelfeld beordert hat. „Aus dem Zentrum heraus kann er – auch kommunikativ – mehr Einfluss auf die Mitspieler ausüben“, sagt der Bundestrainer über Kimmichs Mehrwert mitten im Geschehen. Dort spielt und überzeugt der 30-Jährige auch beim FC Bayern.

Ein weiteres Kriterium ist diese Konstanz für Nagelsmann, denn Spielrhythmus und Sicherheit sind zwei Faktoren, die in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gefragt und gefordert sind. Kimmich bringt beides seit Jahren ein. Ganz gleich, ob im Mittelfeld oder als Rechtsverteidiger. Collins läuft dagegen Gefahr, das Opfer einer Blamage zu werden, da der Neuling von den Mitspielern allein gelassen wurde. Es habe in der Abwehr schließlich auch Spieler um den Youngster herumgegeben, „die unfassbar viele Länderspiele haben und auf Topniveau Fußball spielen und ihn unterstützen können“, so der Bundestrainer.

Im Grunde machten sich vor allem die routinierten Innenverteidiger Antonio Rüdiger und Jonathan Tah der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Weshalb sich nach Nagelsmann auch Kimmich schützend vor Collins stellt: „Ich glaube, er ist der Letzte, an dem es lag. Gerade wenn man neu dazukommt, ist man mehr davon abhängig, dass man in eine funktionierende Mannschaft kommt.“

In der Slowakei klappte nichts und der Münchner erinnert sich bei seinen aufmunternden Worten nur zu gut daran, wie es ihm selbst bei der Premiere erging. Es war ein stürmischer Maitag 2016. In Augsburg blitzte, donnerte und regnete es – und die DFB-Elf ging gegen die Slowakei mit 1:3 unter. „Mein Gegenspieler war an zwei Toren beteiligt“, erzählt Kimmich. Entsprechend erhielt er eine schlechte Einstandsnote.

101 Länderspiele später ist und bleibt Kimmich ein Fixpunkt und betont mit Blick auf Collins trotzig: „Er kann trotzdem noch 100 Länderspiele machen.“ Zunächst verknüpft sich mit dem Frankfurter jedoch die Frage, warum sich die Außenverteidigerpositionen seit Jahren als Problemzonen darstellen. Früher musste der Weltmeister-Trainer Joachim Löw dabei entscheiden, ob er Philipp Lahm auf die rechte oder linke Seite stellte. Zweimal Weltklasse bot der Münchner und verkörperte einen spielintelligenten Abwehrspieler, der die anspruchsvollen Anforderungen ohne körperliche Wucht erfüllte. Auf dem jeweils anderen Flügel herrschte ein Leistungsabfall.

Am liebsten hätte Löw diesen Lahm dann geklont – so wie der aktuelle Bundestrainer Kimmich, um so einen Typen gleich zweimal auf dem Feld zu haben. Doch das funktioniert nicht. Ebenso wenig, entsprechende Nachwuchskräfte auf Verbands- oder Vereinsebene auszubilden. Lange hat sich der DFB mit seinen Konzepten auf zentrale Spieler fokussiert und die Außen vernachlässigt. Was vor der Begegnung mit den Nordiren eine Rochade ins Spiel bringt. Wechselt Maximilian Mittelstädt einfach wieder die Seiten wie in Bratislava nach der Pause? „Das ist zwar nicht meine angestammte Position“, sagt der Linksverteidiger des VfB Stuttgart, „aber viele Möglichkeiten haben wir nicht.“ Wobei? Eine besondere mit VfB-Anstrich gibt es noch: Jamie Leweling – und Nagelsmann steckt ja voller Überraschungen.

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