: „Früher hätte es wenigstens ein Abschiedsspiel gegeben“
Bundestrainer Joachim Löw sortiert mit Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels drei Weltmeister von 2014 aus. Müller postet seine Antwort als Video. Die Reaktionen im Netz: Durchwachsen.
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the/sid
Stuttgart
Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller (von links) werden beim DFB nicht mehr gebraucht.
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Manuel Neuer (84 Länderspiele): Immer noch Stammtorwart der Nationalmannschaft, aber nicht mehr unumstritten. Die ganz großen Glanztaten sind vom Kapitän nur noch selten zu sehen. Marc-Andre ter Stegen vom FC Barcelona könnte bald übernehmen - das hat Joachim Löw auch schon angedeutet.
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Roman Weidenfeller (5 Länderspiel): Durfte 2014 ohne Einsatz Weltmeister werden. Letztes Länderspiel im Juni 2015 gegen Gibraltar. Er beendete seine Karriere 2018 bei Borussia Dortmund.
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Ron-Robert Zieler (6 Länderspiele): Ohne Einsatz beim WM-Triumph, lange kein Kandidat mehr für Löw. Letztes Länderspiel vor fast vier Jahren. Aber: Stammtorwart beim VfB Stuttgart.
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Jerome Boateng (76 Länderspiele): Bis zuletzt dabei, nun von Löw knallhart aussortiert. Weiterhin beim FC Bayern, wo auch jüngere Spieler nachdrängen. Doch hat der Abwehrspieler bereits mitgeteilt, dass er auch weiterhin auf höchstem Niveau spielen könne.
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Erik Durm (7 Länderspiele): WM-Tourist, anschließend und auch diesmal nicht Teil des Neuaufbaus. Der frühere Linksverteidiger von Borussia Dortmund spielt inzwischen in England und kämpft mit Huddersfield Town gegen den Abstieg.
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Mats Hummels (70 Länderspiele): Turm in der Schlacht bei der WM 2014, Siegtorschütze im Viertelfinale gegen Frankreich. Später wurden seine Geschwindigkeitsdefizite augenscheinlich. Weiterhin bei Bayern München in der Innenverteidigung. Von Löw am Dienstag aussortiert.
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Matthias Ginter (23 Länderspiele): Seine Zeit kam erst nach dem WM-Titel. Der Abwehrspieler wird wahrscheinlich auch Teil der neuen Mannschaft sein. Unverzichtbar bei Borussia Mönchengladbach.
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Kevin Großkreutz (6 Länderspiele): Der Abgestürzte unter den Weltmeistern. Nach einigen Skandalen und einer wüsten Schlägerei in seiner Zeit beim VfB Stuttgart inzwischen beim KFC Uerdingen in der Dritten Liga gelandet. Letztes Länderspiel im September 2014.
dpa
Benedikt Höwedes (44 Länderspiele): Auf dem Weg zum WM-Titel ein Ausbund an Konstanz, verpasste keine Minute. Später von Trainer Domenico Tedesco bei Schalke 04 vergrault. Spielt bei Lokomotive Moskau. Seit gut einem Jahr ohne Länderspiel – es wird wohl auch keines mehr hinzukommen.
dpa
Per Mertesacker (104 Länderspiele): Legendär für seinen Eistonnen-Spruch nach dem Achtelfinale gegen Algerien. Hörte nach der WM in der Nationalmannschaft auf, spielte aber weiter für den FC Arsenal. Dort leitet er inzwischen die Jugend-Akademie.
dpa
Shkodran Mustafi (20 Länderspiele): Besonders in Erinnerung ist sein Tanz vor dem WM-Pokal in Rio de Janeiro. Seit 2016 beim FC Arsenal, aber von Löw schon länger nicht mehr berücksichtigt.
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Julian Draxler (49 Länderspiele): 2014 die große Hoffnung, beim Confed Cup 2017 zum Anführer gereift. Er wechselte von Schalke erst nach Wolfsburg und dann zu Paris St. Germain. Spielt dort mit den Weltstars Neymar und Kylian Mbappe zusammen.
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Sami Khedira (77 Länderspiele): Musste wegen einer Wadenblessur im Finale kurzfristig zuschauen. Löw teilte ihm nach der WM 2018 mit, er wolle „Platz und Raum schaffen“ auf Khediras Sechserposition. Der frühere Stuttgarter war damit das erste Umbruchsopfer nach der Pleite in Russland. Spielt bei Juventus Turin, hat kürzlich einen Eingriff am Herzen gut überstanden.
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Christoph Kramer (12 Länderspiele): Kam im WM-Finale unverhofft zum Einsatz – und fragte den Schiedsrichter, ob es wirklich das WM-Finale sei. Wechselte von Borussia Mönchengladbach zu Bayer Leverkusen und später zurück. In Gladbach solide, aber kein Mann für die Zukunft.
dpa
Toni Kroos (91 Länderspiele): 2014 der große Taktgeber im Mittelfeld. Von Bernd Schuster zuletzt aber als „Dieseltraktor“ bezeichnet. Antwortete frech: „Von wem?“ Kann immer noch Anführer einer Mannschaft sein, ist aber auch schon 29. Spielt bei Real Madrid und ist dort auf eher absteigendem Ast.
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Philipp Lahm (113 Länderspiele): Rücktritt nach der WM 2014 auf dem Höhepunkt der Karriere. Für viele etwas verfrüht – im Nachhinein aber wohl eine goldrichtige Entscheidung. Spielte beim FC Bayern noch bis 2017 weiter. Nun Unternehmer und TV-Experte.
AP
Mesut Özil (92 Länderspiele): Nach der WM 2018 für viele der Sündenbock, weil er sich vorab mit dem türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdogan hatte fotografieren lassen. Rücktritt im Juli 2018 via Twitter mit großem Knall und einer dreiteiligen Generalabrechnung. Trauriges Ende einer großen DFB-Karriere.
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Bastian Schweinsteiger (121 Länderspiele): Das Spiel des Lebens im WM-Finale 2014 zu machen, war perfektes Timing. Letztes Länderspiel im August 2016. Lässt seine Karriere in den USA bei Chicago Fire ausklingen.
dpa
Mario Götze (63 Länderspiele): Held des WM-Finals. Hatte anschließend Probleme mit dem Ruhm und den Erwartungen, die an Löws berühmten Messi-Vergleich geknüpft waren. Kehrte 2016 nach drei Jahren reumütig vom FC Bayern zu Borussia Dortmund zurück. Nicht für die WM 2018 nominiert.
AP
Thomas Müller (100 Länderspiele): Das 100. Länderspiel gegen die Niederlande im November 2018 wird sein letztes bleiben. Lange unverzichtbar als staksiger Raumdeuter, zuletzt bei den Bayern nicht mehr gesetzt. In der Nationalelf nun schnöde ausgebootet.
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Miroslav Klose (137 Länderspiele): Tormaschine vom Dienst, bester Torjäger der WM-Geschichte. Schlägt den zweiten Bildungsweg ein, gehörte 2018 zu Löws erweitertem Trainerstab. Seit 2017 Trainer der U17 des FC Bayern.
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André Schürrle (57 Länderspiele): Wegbereiter des Siegtores im WM-Finale 2014. Die Leistungsexplosion im Anschluss blieb aus. Spielte bis 2015 beim FC Chelsea, danach mit wenig Erfolg beim VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund. Inzwischen leihweise in England beim FC Fulham.
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Lukas Podolski (130 Länderspiele): Stimmungskanone im Campo Bahia 2014. Traf zum Abschied aus der Nationalmannschaft 2017 nochmals gegen England mit einem Tor des Jahres. Spielt inzwischen in Japan bei Vissel Kobe, hat in Köln eine Dönerbude und zwei Eisläden.
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Stuttgart - Dass der Stachel richtig tief sitzt, war Thomas Müller anzumerken: „Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr macht mich die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, einfach sauer. Kein Verständnis habe ich vor allem für diese suggerierte Endgültigkeit der Entscheidung“, sagte der Angreifer von Bayern München in einem Video und meinte damit die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw, Müller und seine Mannschaftskollegen Jérôme Boateng und Mats Hummels aus dem Kader der Nationalmannschaft zu streichen – und das endgültig.
Lesen Sie auch: Das wurde aus den Weltmeistern von 2014
Müller kritisiert vor allem die Art und Weise, wie er und seine Kollegen, allesamt Weltmeister von 2014, abserviert wurden: „Wenn kurz nachdem wir von der Entscheidung des Bundestrainers erfahren haben, vorgefertigte Statements seitens des DFB und des DFB-Präsidenten an die Presse rausgegeben werden, ist das aus meiner Sicht kein guter Stil und hat mit Wertschätzung nichts zu tun.“
Kommentar: Das würdelose Ende von drei Weltmeistern
Das sehen auf Twitter viele Fußballfans genauso:
Viele fragen sich, wohin der gute Stil des DFB verschwunden ist:
Mancher hält Müller, Boateng und Hummels für Bauernopfer und verweist auf andere Spieler, die Löw lange im Kader hielt – trotz nur durchwachsener Leistungen:
Die einstige Tormaschine Müller schwächelte jüngst:
Mancher hielt den Schritt gar für überfällig:
Jetzt sei „Platz für neue Talente“, meint dieser Fußballfan:
„Ich war immer stolz, das DFB-Trikot zu tragen. Ich habe immer alles gegeben“, erklärte Müller in seinem Video an die Adresse der Fans. Und viele danken es ihm: