Fußball und Handball im Vergleich
: Verdienen Handballer wirklich so schlecht?

Fußball ist mehr als ein Millionengeschäft, weltweit werden viele Milliarden mit dem Volkssport Nummer eins umgesetzt. Wie sieht es im Handball aus? Was verdienen die Nationalspieler? Was wäre im Falle eines Titelgewinns für Gensheimer und Co. drin? Wir ziehen einen Vergleich.
Von
Tim Wohlbold
Stuttgart
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  • Uwe Gensheimer (Nummer 3) ist der bestbezahlte deutsche Handballer – und spielt bei den Ölscheichs von Paris Saint-Germain.

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  • Uwe Gensheimer (32) ist DER deutsche Spieler mit Weltstar-Status. Die pfeilschnellen Tempogegenstöße und die verrückten Wurfvarianten aus schier unmöglichen Situationen sind in der Szene seit Jahren berühmt-berüchtigt und ließen den Linksaußen des französischen Spitzenclubs Paris St.-Germain zum besten Spieler der Welt auf dieser Position aufsteigen. Gensheimer holte als Torjäger vom Dienst Meisterschaften und Pokale – auf einen großen internationalen Titel wartet der Mann mit dem genialen Handgelenk aber noch immer.

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  • Die WM in Deutschland ist für den Kroaten Domagoj Duvnjak (30) quasi das zweite Heim-Turnier in Serie. Nachdem der Kapitän des THW Kiel bei der EM in Kroatien schon nach dem Auftaktspiel verletzt passen musste, will er seinem Team nun in Deutschland, seiner Wahlheimat, zum ganz großen Wurf verhelfen. Seit 2009 verdient Duvnjak in der Bundesliga sein Geld, gewann zwei Meisterschaften, zwei Mal den DHB-Pokal und die Champions League. Der ganz große Wurf fehlt dem Welthandballer von 2013 nur noch mit der Nationalmannschaft – bei der bevorstehenden WM sind seine Kroaten – trotz der Ausnahmefähigkeiten von Duvnjak – aber nur Außenseiter.

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  • Wenn im Handball von Superstars die Rede ist, gibt es am Dänen Mikkel Hansen (31) kein Vorbeikommen. Lange Haare, weißes Stirnband: Das ist Mikkel Hansen. Und dass der Rückraumspieler von Paris St.-Germain, von Stefan Kretzschmar kürzlich als„Über-Meister“ geadelt, im handballverrückten Dänemark wie kein Zweiter verehrt wird, kommt nicht von ungefähr. Hansen wurde Olympiasieger 2016, er wurde Europameister 2012, war zwei Mal Welthandballer (2011 und 2015), stand vier Mal bei großen Turnieren im All-Star-Team und wurde zwei Mal zum besten Spieler ernannt – nur der WM-Titel, der fehlt ihm noch.

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  • Der Aufstieg der norwegischen Nationalmannschaft in den Kreis der Titelkandidaten hängt untrennbar mit Sander Sagosen (23) zusammen. Vor drei Jahren führte der aufstrebende Spielmacher, der wie Hansen und Gensheimer sein Geld inzwischen beim Scheichclub in Paris verdient, Norwegen erstmals in ein EM-Halbfinale, vor zwei Jahren erstmals in ein WM-Endspiel. Bei beiden Turnieren schaffte es die Mannschaft von Trainer Christian Berge (noch) nicht nach ganz oben – Sagosen wurde trotz seines jungen Alters aber jeweils ins All-Star-Team gewählt.

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  • Alex Dujshebaev (26) – allein der Name verpflichtet. Als Sohn des zweimaligen Welthandballers und langjährigen Bundesligastars Talant eroberte Alex in den vergangenen Jahren die Handballwelt, gewann in Mazedonien und Polen nationale Titel am Fließband und 2017 mit Vardar Skopje die Champions League. Vorläufiger Höhepunkt der vergleichsweise noch jungen Karriere: Der EM-Triumph mit Spanien vor einem Jahr in Kroatien, zu dem Dujshebaev mit vier Toren allein im Finale maßgeblich beitrug. Der Linkshänder wurde nach einem überragenden Turnier, natürlich, ins Team der Besten gewählt.

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  • Das schwedische Kraftwerk Jim Gottfridsson (26) ist einer der Erfolgsfaktoren des deutschen Meisters SG Flensburg-Handewitt – und der Auswahl seines Heimatlandes. Mit seinem dynamischen Spiel führte er die schwedische Mannschaft vor Jahresfrist ins EM-Finale und ist ein wichtiger Baustein der Renaissance, die der Rekord-Europameister gerade erlebt. In Kroatien wurde Gottfridsson zum besten Spieler des Turniers gewählt.

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  • Spielt er oder spielt er nicht? Frankreichs Superstar Nikola Karabatic stieß im Verlauf der Vorrunde zum Team. Wann der dreimalige Welthandballer aktiv ins Geschehen eingreift, stand noch nicht fest. Karabatic war vor drei Monaten am linken Fuß operiert worden und hatte seine WM-Teilnahme eigentlich schon abgesagt. „Er scheint fit und bereit zu sein. Die Frage ist nur, wann wir Niko einsetzen“, sagte damals Frankreichs Trainer Guillaume Gille. Heute wissen wir: Karabatic ist dabei und wie immer kaum zu halten.

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Stuttgart - Während Deutschlands Fußball-Nationalspieler in aller Regel am Ende der Karriere ausgesorgt haben, kann das kaum ein Handball-Nationalspieler von sich behaupten. Zwar können Uwe Gensheimer und Co. mittlerweile sehr gut von ihren Gehältern leben – sich am Karriereende ganz entspannt zurücklehnen, wird aber für kaum einen Handball-Profi machbar sein. Wir haben Ihnen einige Zahlen zum Vergleich der beiden Sportarten*:

Prämie bei WM-Erfolg

450 000 Euro hat der Deutsche Handballbund als Prämie im Falle des WM-Titels ausgelobt – für den gesamten Kader und alle eingesetzten Spieler versteht sich. Das ist natürlich kein Pappenstiel – vergleicht man es allerdings mit den Prämien der Fußballer, kommt die Summe eher überschaubar daher: Im Falle des WM-Titels in Russland hätten die Kicker von Bundestrainer Joachim Löw jeder rund 350 000 Euro Prämie bekommen. Bei derzeit 17 eingesetzten WM-Akteuren (Kai Häfner ersetzt seit der Hauptrunde Franz Semper) bekäme jeder Handball-Weltmeister rund 26 500 Euro – dafür schnüren sich viele Fußball-Profis wohl nicht einmal ihre Kickschuhe.

Brutto-Gehalt im Bundesliga-Alltag

Handball-Nationalkeeper Silvio Heinevetter ist allem Vernehmen nach der bestverdienende deutsche Nationalspieler bei einem deutschen Verein (Füchse Berlin). Im Monat überweisen die Füchse rund 30 000 Euro auf sein Konto – aufs Jahr gerechnet sind das 360 000 Euro. Zum Vergleich: Der bestverdienende deutsche Fußball-Nationalspieler bei einem Bundesligisten ist Thomas Müller vom FC Bayern München – sein Gehalt soll jährlich bei rund 15 Millionen Euro liegen. Auf den Monat gerechnet verdient er damit um die 1,25 Millionen Euro.

Bestverdienende deutsche Nationalspieler

Paris-Legionär Uwe Gensheimer ist der bestverdienende deutsche Handballer. Der Ex-Löwe und DHB-Kapitän verdient bei Paris Saint-Germain monatlich rund 40 000 Euro – macht im Jahr 480 000 Euro. Zum Vergleich: Der Gehalts-Krösus im DFB-Team ist Toni Kroos. Sein Jahresgehalt bei Real Madrid soll bei über 20 Millionen Euro liegen. Monatlich überweisen ihm die Königlichen um die 1,7 Millionen Euro brutto.

Handball-Gehälter im internationalen Vergleich

Wer im Handball gehaltstechnisch zum oberen Prozent gehören möchte, muss aktuell für das Gensheimer-Team von Paris Saint-Germain spielen. In der französischen Hauptstadt spielen auch die beiden Spitzenverdiener und Superstars Mikkel Hansen (Dänemark) und Nikola Karabatic (Frankreich). Der Grund für die für Handball-Verhältnisse hohen Gehälter der Handball-Abteilung von Paris Saint-Germain ist der gleiche, der es den PSG-Fußball-Verantwortlichen möglich machte, einst 222 Millionen Euro für Neymar zu bezahlen: Öl-Millionen aus Katar. Hansen und Karabatic gelten in Fachkreisen als die einzigen Handballer in der Geschichte des Sports, deren Jahresgehalt inklusive Prämien den Millionenbereich knacken dürfte. Bei Hansen wird sein Grundgehalt auf rund 960 000 Euro geschätzt – Welthandballer Karabatic dürfte in einem ähnlichen Bereich liegen.

Etats der Bundesligisten

Handball-Rekordmeister THW Kiel hat einen Jahresetat von rund 9,5 Millionen Euro – gefolgt von den Rhein-Neckar Löwen und der SG Flensburg-Handewitt mit jeweils rund 6,5 Millionen Euro. Verglichen zum Etat des FC Bayern, der allein ein Personaletat von rund 270 Millionen hat, klingt das nach sehr wenig. Der TVB Stuttgart rangiert mit rund 4 Millionen Euro im unteren Drittel, die SG BBM Bietigheim ist mit 1,5 Millionen Jahresetat vorletzter in der Handball-Bundesliga.

Transferwahnsinn?

Der teuerste Transfer der Handball-Geschichte ist der Wechsel von Frankreichs Superstar Nikola Karabatic vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain. Um die zwei Millionen Euro blätterten die Franzosen 2015 für den Superstar hin. Den gleichen Weg ging 2017 der Brasilianer Neymar – allerdings musste Paris 222 Millionen für den Mittelfeldspieler bezahlen. An den teuersten Transfers der Handball-Bundesliga war Rekordmeister Kiel beteiligt: Jeweils rund 1,2 Millionen Euro ließen sich die Norddeutschen 2009 die Dienste von Nikola Karabatic und Daniel Narcisse kosten. In den allermeisten Fällen unterschreiben Handballer Vorverträge und wechseln – wie beispielsweise Gensheimer oder Hendrik Pekeler – am Ende ihres Vertrages ablösefrei zu ihrem Wunschverein.

TV-Quoten

Der Rückrunden-Auftakt der Fußball-Bundesliga hat weniger Sportfans vor den Fernseher gelockt als die WM-Spiele der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Durchschnittlich 6,69 Millionen Menschen sahen am Freitagabend im ZDF den Bayern-Sieg gegen Hoffenheim und sorgten nach Angaben des Senders für einen Marktanteil von 21,8 Prozent.

Am Tag zuvor hatten das bedeutungslose WM-Spiel der DHB-Auswahl gegen Serbien 6,76 Millionen Menschen gesehen, was einem Marktanteil von 27,5 Prozent entsprach. Der Durchschnitt der fünf Vorrunden-Partien des deutschen Teams lag bei mehr als 7,1 Millionen Zuschauern. Zum Vergleich: Den Sieg der Fußball-Nationalmannschaft gegen Schweden sahen am 23. Juni 2018 27,78 Millionen Zuschauer – das entspricht einem Marktanteil von 76,6 Prozent. Den Handball-Quoten-Rekord hält bis heute das WM-Finale von 2007: Das Finale zwischen Deutschland und Polen verfolgten bis zu 20,53 Millionen Menschen live. Nie zuvor und niemals danach erreichte eine Handballübertragung in Deutschland einen Marktanteil von 58,3 Prozent.

Aber auch hier noch ein Vergleich: Den WM-Sieg der deutschen Fußballer im Finale von Rio 2014 sahen 34,65 Millionen Menschen (Marktanteil: 86,3 Prozent). Das ist bis heute deutscher TV-Rekord.

*Quellen: transfermarkt.de, Sport Bild, ARD/ZDF, Gehaltsvergleich.com

In unserer Bildergalerie finden Sie die Superstars der Handball-WM. Viel Spaß!