Nachfolgedebatte: „Klopp als Bundestrainer?“ – Nach dem WM-Aus brennt beim DFB die Hütte

Johannes B. Kerner im Interview mit Klopp und Nagelsmann.
Tom Weller/dpaNach dem dramatischen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay läuft unter den Fans die Trainerdiskussion auf Hochtouren. Während Julian Nagelsmann sofort seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert hat, trotz des geplatzten WM-Traums weiterzumachen, richteten sich die Kameras bei MagentaTV nach dem Abpfiff sofort auf einen ganz bestimmten Experten im Studio: Jürgen Klopp.
Wird das absolute Wunschszenario vieler deutscher Fußballfans nun Realität – oder bleibt es ein Traum? Moderator Johannes B. Kerner fackelte nach der historischen Pleite nicht lange und konfrontierte die Trainer-Ikone direkt mit der Bundestrainer-Frage. Klopp, der aktuell als „Head of Global Soccer“ bei Red Bull unter Vertrag steht, reagierte gewohnt professionell, wich der Frage nach seinen persönlichen Ambitionen jedoch deutlich aus.
Klopp: „Verstehe, dass mein Name genannt wird“
„Ich verstehe, dass mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der richtige Moment, um darüber wirklich zu sprechen – und vor allem nicht mit mir. Das ist jetzt eine Kuriosität, dass ich hier stehe. Aber es gibt dazu nichts zu sagen!“
Trotz der eigenen Zurückhaltung hielt Klopp mit deutlicher Kritik an der Struktur des deutschen Fußballs nicht hinter dem Berg. Unabhängig von der Personalie des Trainers müssten sich beim DFB „ganz viele Dinge ändern“, so der 59-Jährige. Deutschland müsse endlich wieder lernen, als „Herausforderer“ zu agieren, statt stets mit dem starren Anspruch anzureisen, sofort Weltmeister werden zu müssen. Man müsse strukturell ansetzen und die Probleme im Nachwuchs von der U10 aufwärts radikal anpacken.

Rudi Völler: „Für so ein Fußballland wie Deutschland schwer zu ertragen“.
Nick Potts/PA Wire/dpaVöller stärkt Nagelsmann den Rücken - trotz allem
Die Entscheidung über die sportliche Zukunft liegt nun beim Verband, dessen Sportdirektor Rudi Völler dem angeschlagenen Julian Nagelsmann unmittelbar nach dem Abpfiff den Rücken stärkte. Für Völler ist das erneute frühe Scheitern „für so ein Fußballland wie Deutschland schwer zu ertragen“. An seiner grundsätzlichen Haltung zum Bundestrainer ändert das Debakel jedoch vorerst nichts: „Jeder weiß, wie ich zu Julian stehe. Er ist immer noch ein absoluter Top-Trainer. Ich bin überzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist, weiterzumachen.“
Gleichzeitig schränkte der Sportdirektor jedoch ein, dass er die Entscheidung über die Zukunft des bis 2028 vertraglich gebundenen Bundestrainers nicht im Alleingang treffen könne und wolle: „Ich bin nicht der DFB alleine. Wir setzen uns noch mal zusammen in den nächsten ein, zwei Tagen und dann wird man sehen.“ 100 Prozent überzeugt klingt das nicht. Man wird in den nächsten Tagen sehen müssen, ob Publikumsliebling Jürgen Klopp - oder womöglich eine andere Nagelsmann-Alternative - nicht doch noch zum Zug kommt.
