Nach Ausschreitungen in Frankreich: In diesen Städten sind neue Proteste angekündigt

Proteste in Frankreich: Jugendliche zerschlagen bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei in Paris eine Schaufensterscheibe.
Emma Da Silva/AP/dpaNach den gewaltsamen Protesten vom vergangenen Wochenende kommt Frankreich nicht zur Ruhe. Für Donnerstag, den 22. Oktober, haben Schüler- und Studentenorganisationen zu weiteren Aktionen aufgerufen. Am Samstag, den 24. Oktober, soll eine neue landesweite Protestwelle folgen. Unter dem Motto „Acte II“ mobilisieren die Organisatoren erneut in zahlreichen Städten.
Bei den Demonstrationen am vergangenen Samstag, dem 17. Oktober, waren nach Angaben des französischen Innenministeriums rund 550.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Veranstalter sprachen von etwa 800.000 Teilnehmern. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten und die Situation im französischen Bildungssystem.
Während viele Menschen friedlich demonstrierten, kam es in mehreren Städten zu schweren Ausschreitungen. Geschäfte wurden geplündert, Barrikaden angezündet und öffentliche Gebäude beschädigt. Besonders betroffen waren unter anderem Paris, Lyon, Marseille, Bordeaux, Toulouse und Limoges.
Erste neue Proteste bereits am Donnerstag
Die nächste Mobilisierung ist für Donnerstag, den 22. Oktober, angekündigt. Die nationale Schülerkoordination hat dazu aufgerufen, erneut auf die Straße zu gehen. Nach eigenen Angaben gehören dem Netzwerk Vertreter aus 27 französischen Städten an.
In Paris gibt es bereits einen konkreten Demonstrationsaufruf. Am Donnerstag um 14 Uhr soll ein Protestzug am Krankenhaus Pitié-Salpêtrière im 13. Arrondissement starten. Die geplante Strecke führt über die Bahnhöfe Gare d'Austerlitz und Gare de Lyon bis zum Place de la Bastille.
An der Mobilisierung beteiligen sich nach Angaben der Organisatoren Schüler- und Studentenvertretungen. Sie wollen insbesondere gegen die mangelnde Ausstattung der Bildungseinrichtungen demonstrieren.
Auch in anderen Städten könnten am Donnerstag Schüler und Studenten auf die Straße gehen. Vertreter der Bewegung kommen unter anderem aus Lille, Rennes, Nantes, Bordeaux, Toulouse, Montpellier, Marseille, Lyon, Grenoble, Straßburg und Nancy. Ob in allen diesen Städten tatsächlich Demonstrationen stattfinden, ist allerdings noch nicht bestätigt.
Für Freitag, den 23. Oktober, liegen bislang keine vergleichbar konkreten Ankündigungen für größere landesweite Protestaktionen vor.
In diesen französischen Städten sind am Samstag Proteste angekündigt
Deutlich umfangreicher könnte die Mobilisierung am Samstag, den 24. Oktober, ausfallen. Für diesen Tag haben die Organisatoren unter dem Namen „Acte II“ zu einer Fortsetzung der Proteste aufgerufen.
Laut dem französischen Demonstrationskalender SecurManif wurden in einem von den Organisatoren verbreiteten Überblick 124 Mobilisierungen erfasst.
Unter anderem werden folgende Städte genannt:
Paris und Nordfrankreich: Paris, Lille, Amiens, Rouen, Le Havre und Caen.
Westfrankreich: Nantes, Rennes, Brest, Angers, Tours und Poitiers.
Ostfrankreich: Straßburg, Metz, Nancy, Reims, Besançon und Dijon.
Südostfrankreich: Lyon, Grenoble, Marseille, Nizza, Toulon, Saint-Étienne und Avignon.
Süd- und Südwestfrankreich: Bordeaux, Toulouse, Montpellier und Perpignan.
Zentralfrankreich: Clermont-Ferrand, Limoges und Orléans.
Die Übersicht umfasst damit zahlreiche Großstädte und regionale Zentren. Allerdings sind nicht überall Beginn, Treffpunkt und Demonstrationsroute veröffentlicht. Auch die tatsächliche Durchführung der einzelnen Veranstaltungen steht teilweise noch aus.
Für Paris werden unter anderem der Place de la République und der Place de la Bastille als mögliche Versammlungsorte genannt. Eine verbindliche Bestätigung sämtlicher Treffpunkte und Routen liegt bislang nicht vor.
Behörden reagieren mit Ausgangssperren
Die französischen Behörden haben nach den schweren Ausschreitungen ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft. In mehreren Städten wurden örtlich begrenzte nächtliche Ausgangssperren verhängt.
Betroffen waren unter anderem Paris, Lyon, Lille und Nizza. In der Hauptstadt galten entsprechende Maßnahmen beispielsweise rund um den Place de la République und das Einkaufsviertel Les Halles.
Mit den Einschränkungen sollen weitere Gewalttaten und Plünderungen verhindert werden. Ob und in welchem Umfang die Behörden die Maßnahmen vor den neuen Demonstrationen verlängern oder ausweiten, hängt von der jeweiligen Sicherheitslage ab.
Auch für Reisende können die Proteste Folgen haben. Insbesondere in den Innenstädten sind kurzfristige Straßensperrungen, Einschränkungen des öffentlichen Nahverkehrs und verstärkte Polizeikontrollen möglich.
Weitere Demonstrationen im November geplant
Ein Ende der Protestbewegung ist vorerst nicht absehbar. Die nationale Schülerkoordination hat bereits für den 3. November zu einem weiteren landesweiten Aktionstag aufgerufen. Am 5. November wollen sich die Schülervertreter zudem an den geplanten Streikaktionen gegen die Haushalts- und Sparpolitik der Regierung beteiligen.
Ob die kommenden Proteste ähnlich viele Menschen mobilisieren werden wie am 17. Oktober, ist derzeit offen.
